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60 große Lastwagen fahren als bewegliche Bühnen in der Demonstration mit. Foto: Georg Wendt/dpa
Hamburg (dpa/lno) – Zehntausende Menschen haben in Hamburg an einer Demonstration zum Christopher Street Day teilgenommen. Mit 60 Lastwagen als fahrende Bühnen von Unternehmen, Vereinen, Parteien und evangelischer Kirche bewegte sich die Parade durch den Stadtteil St. Georg in Richtung Innenstadt. Das Motto lautete: «Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!».
Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben von Polizei und Veranstaltern auf den Straßen. Im vergangenen Jahr waren etwa 260.000 Menschen gekommen. Die Demonstration fand zum 46. Mal statt.
Die Stimmung sei friedlich und ausgelassen, sagte eine Polizeisprecherin nach Beginn der Demonstration. Es sei zu keinen Zwischenfällen gekommen. Unter den Teilnehmern waren auch mehrere Politiker von SPD und Grünen. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch, Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) und Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) liefen an der Spitze des Zuges neben Drag Queen Olivia Jones.
Die Lastwagen im Umzug wurden von großen Unternehmen wie Lufthansa Technik, Vattenfall, Beiersdorf oder Eurowings gesponsert. Auch die SPD und die Feuerwehr waren mit eigenen Trucks vertreten, ebenso die evangelische Kirche, der Landesverband der Hospiz- und Palliativarbeit und das Universitätsklinikum Eppendorf. Für Rollstuhlfahrer bot ein «CSD-Inklusionstruck» Mitfahrgelegenheiten an. Unter den angemeldeten Fußgruppen war ein breites Spektrum vertreten, das vom Tierschutzverein über Fetisch-Gruppen bis zum städtischen Kindergartenbetreiber Elbkinder reichte.
Eine Woche nach dem tödlichen Anschlag auf eine ähnliche Veranstaltung in Berlin hatte die Hamburger Polizei ihr Sicherheitskonzept überarbeitet. Es sollten doppelt so viele Beamte wie bei der Demonstration im vergangenen Jahr im Einsatz sein.
In Berlin hatte der islamistische Attentäter Abdul B. mit einem Auto mehrere Menschen angefahren und weitere vermutlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau aus Polen starb, 31 Menschen wurden verletzt. Der 21-Jährige war am Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz erschossen worden.
Der Sprecher von Hamburg Pride, Manuel Opitz, erklärte, man wolle sich durch den Anschlag nicht einschüchtern lassen. «Wir als queere Community können uns in unserem Schmerz auf dem CSD gegenseitig Kraft geben.» Der Berliner CSD-Verein beteiligte sich an der Demonstration in Hamburg mit einem großen Lastwagen, auf dem rund 100 Menschen in schwarzen T-Shirts standen und Fahnen schwenkten.
Am Freitagabend hatte Hamburg Pride nach Angaben von Opitz auf einem Straßenfest in der Innenstadt eine Schweigeminute für die Opfer des Anschlags abgehalten. «Das Gemeinschaftsgefühl der Community war spürbar», sagte der Vereinssprecher.
Die Schura – Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg verurteilte den Anschlag in Berlin sowie jede Gewalt gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. «Wenn Menschen den Islam benutzen, um Hass oder Angriffe auf andere zu rechtfertigen, missbrauchen sie unsere Religion. Der Islam gestattet keine Selbstjustiz», hieß es in einer Mitteilung.
Der Christopher Street Day wird weltweit gefeiert. Die Bewegung geht auf Ereignisse im Juni 1969 in New York zurück. Nach einer Razzia der Polizei in der Szenebar «Stonewall Inn» kam es damals zum Aufstand von Schwulen und Lesben. Hauptschauplatz von Straßenschlachten war die Christopher Street im Künstler-Viertel Greenwich Village von New York.
Im vergangenen Jahr wurden in Hamburg 166 queerfeindliche Straftaten erfasst, 17 mehr als im Vorjahr. Darunter waren nach Angaben des Senats 37 gewaltsame Übergriffe. Im Jahr 2024 waren 38 queerfeindliche Gewalttaten registriert worden. Queer ist ein Sammelbegriff für Menschen, deren sexuelle Orientierung, Geschlechtsidentität oder Geschlechtsausdruck nicht der vorherrschenden gesellschaftlichen Norm entspricht.
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