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Inselnews

Blaulichttag in Utersum begeistert Besucher: So arbeiten die Retter auf Föhr

todayAugust 18, 2026 369 202 5

Hintergrund
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Blaulichttag in Utersum wird zum Besuchermagneten: Retter zeigen, was auf Föhr im Ernstfall möglich ist

Bestes Strandwetter, strahlender Sonnenschein und trotzdem jede Menge Betrieb abseits von Sand und Nordsee: Der große Blaulichttag rund um die Strandkorbhalle in Utersum hat am vergangenen Freitag zahlreiche Insulaner und Urlaubsgäste angelockt. Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst, DLRG, Wasserrettung, Drohnenstaffel und das Wattentrail Team Föhr präsentierten ihre Arbeit – und vor allem bei den vielen Kindern gab es einiges zu entdecken. Unsere Redaktion war den Nachmittag über mit Mikrofon und Kamera unterwegs, hat mit den Einsatzkräften gesprochen und zahlreiche Eindrücke für eine große Bildergalerie gesammelt.

Schon im Vorfeld hatte die Freiwillige Feuerwehr Utersum-Dunsum-Hedehusum angekündigt, dass es diesmal mehr als ein klassisches Feuerwehrfest werden sollte. Die Idee: möglichst viele der Organisationen zusammenzubringen, die auf Föhr im Ernstfall zur Stelle sind. Vor Ort zeigte sich, wie vielfältig dieses Netzwerk tatsächlich ist – und wie viel davon ausschließlich durch ehrenamtliches Engagement getragen wird.

Drohnenblick aus mehr als 100 Metern Höhe

Eine Station, die besonders viele neugierige Blicke auf sich zog, war die Drohnenstaffel der Freiwilligen Feuerwehr Wyk. Teamleiter Ralf Weindel ließ die Drohne während unseres Besuchs auf gut 109 Meter steigen. Bei entsprechend klarer Sicht reicht der Blick der Kamera erstaunlich weit. „Wenn das Wetter so gut ist wie heute, kann man tatsächlich vom Wyker Hafenstrand bis nach Husum gucken“, erklärte Weindel. Auch Sylt sei aus der Luft gut zu erkennen. Doch die Drohne liefert längst nicht nur spektakuläre Bilder. Ihre Wärmebildkamera kann bei Bränden beispielsweise Glutnester und besonders heiße Bereiche sichtbar machen oder bei der Suche nach vermissten Personen eingesetzt werden. Ein Scheinwerfer kann Einsatzstellen aus der Luft beleuchten. Mit einem Ablegesystem lässt sich sogar ein selbstaufblasendes Rettungsmittel zu Menschen im Wasser bringen. Erst seit wenigen Monaten verfügt die Staffel zudem über ein Lautsprechersystem. Darüber können beispielsweise Wattwanderer angesprochen oder Menschen vor einer Gefahrenstelle gewarnt werden. Die bisherigen realen Einsätze der Drohnenstaffel hätten sich vor allem auf Personensuchen konzentriert, berichtete Weindl. Mehrfach seien dabei Rettungsdienst oder Wasserrettung unterstützt worden. Glücklicherweise seien die bisherigen Fälle glimpflich ausgegangen. Je nach Ausstattung bleibt die Drohne etwa 35 bis 50 Minuten in der Luft. Mit drei Akkupaaren ist auch ein längerer Einsatz möglich, da ein Akkupaar innerhalb von etwa 20 bis 25 Minuten wieder geladen werden kann.

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Warum die Feuerwehr in Oldsum „Langdorf“ heißt

Nur wenige Meter weiter gab es neben moderner Technik auch ein kleines Stück Föhrer Geschichte zu entdecken. Die Freiwillige Feuerwehr Langdorf erklärte, warum Besucher auf einem Feuerwehrfahrzeug einen Namen lesen, den sie auf der Inselkarte vergeblich suchen könnten. Als die heutige Feuerwehr in Oldsum gegründet wurde, bestand das heutige Dorf noch aus Oldsum, Klintum und Toftum. Die drei Dörfer gründeten gemeinsam eine Feuerwehr und gaben ihr den Namen „Langdorf“. Dieser Name ist bis heute geblieben. Neben Atemschutzgeräten zeigte die Wehr ihre schwere technische Ausrüstung. Dazu gehört ein Scheren-Spreizer-Satz, mit dem beispielsweise nach Verkehrsunfällen eingeklemmte Menschen befreit werden können. Zwei solcher Gerätesätze gibt es nach Angaben der Feuerwehr auf der Insel – einen in Oldsum und einen in Wyk.

Auch die Feuerwehr zeigte sich überrascht vom Besucherandrang. „Ich hätte nicht mit so vielen Leuten gerechnet“, sagte ein Freiwilliger Feuerwehrkamerad angesichts des perfekten Strandwetters. Besonders erfreulich seien die vielen interessierten Kinder. Die Jugendfeuerwehr, die gemeinsam mit Süderende betrieben wird, sei derzeit zwar gut aufgestellt, Nachwuchs werde bei den Feuerwehren aber weiterhin gebraucht.

Auf Föhr arbeiten DLRG und Feuerwehr bei der Wasserrettung zusammen

Wie eng die verschiedenen Organisationen auf einer Insel miteinander verzahnt sind, wurde beim nächsten Halt deutlich. Die DLRG präsentierte unter anderem ihren Bevölkerungsschutz-Rettungswagen und ein kleines Rettungsboot, das bei der Feuerwehr in Utersum stationiert ist. Eine Besonderheit auf Föhr ist die gemeinsame Wasserrettung von DLRG und Feuerwehren. „Auf der steht also nicht mehr Feuerwehr oder DLRG drauf, sondern es heißt Wasserrettung Föhr“, erklärte Immo Borth. Die Zusammenarbeit sei sogar vertraglich festgelegt. Auch zur Drohnenstaffel gibt es eine direkte Verbindung. Ursprünglich hatte die DLRG selbst eine Drohne angeschafft und Piloten ausgebildet. Nachdem auch die Feuerwehr entsprechende Technik bekam, wechselten die bereits ausgebildeten Kräfte in die gemeinsame Arbeit der Feuerwehr-Drohnengruppe. Besucher konnten außerdem sehen, welche Schutzkleidung bei Einsätzen auf dem Wasser erforderlich ist. Dabei entscheidet nicht allein die Jahreszeit. Addieren sich Wasser- und Lufttemperatur auf höchstens 30 Grad, kommt bereits der schwere Wärmeschutzanzug zum Einsatz. Bei höheren Werten kann je nach Tätigkeit ein Neoprenanzug verwendet werden.

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Vom Blaulichttag direkt zum möglichen Einsatz

Während viele Einsatzfahrzeuge an diesem Nachmittag ausschließlich zur Präsentation in Utersum standen, galt das für eines ausdrücklich nicht. Notarzt Dr. med. Moritz Hemicker war während des Blaulichttags regulär im Bereitschaftsdienst. Wäre ein Einsatz gekommen, hätte das Gespräch sofort enden müssen. Am Stand des Rettungsdienstes des Kreises Nordfriesland demonstrierte er unter anderem eine mechanische Reanimationshilfe. Das Gerät übernimmt bei einem Patienten während des Transports die Herzdruckmassage – beispielsweise im Rettungswagen oder auf dem Weg mit einem Hubschrauber. So können sich die Rettungskräfte während der Fahrt oder des Fluges sicher auf weitere Maßnahmen konzentrieren. Hemicker nutzte die Gelegenheit zugleich für eine wichtige Botschaft an Ersthelfer. Wer einen Menschen ohne erkennbare normale Atmung beziehungsweise mit Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand vorfindet, sollte vor allem eines tun: handeln. „Es ist besser, irgendwas zu machen, als gar nichts zu machen“, betonte er. Aus Angst, etwas falsch zu machen, sollte niemand untätig bleiben. Das Notarzteinsatzfahrzeug selbst erwies sich beim Blick in die Ausrüstung beinahe als kleines mobiles Krankenhaus. Herz-Kreislauf- und Beatmungsausrüstung, EKG und Defibrillator, Blutdruck- und Sauerstoffmessung, Geräte zur Messung von Kohlendioxid und Kohlenmonoxid, Spritzenpumpen, Beatmungsgerät, spezielles Material für Kinder und die Versorgung von Verletzungen gehören zur Ausstattung. Zusätzlich befindet sich auf dem Föhrer Fahrzeug unter anderem ein Ultraschallgerät.

Personensuche auf vier Pfoten

Dass Rettung und Hilfe nicht immer Motor, Blaulicht oder hochmoderne Elektronik benötigen, zeigte das Watt’n Trailteam Föhr. Betti und ihre Mitstreiter demonstrierten gemeinsam mit ihren Hunden das Mantrailing. Dabei verfolgt ein Hund den individuellen Geruch eines Menschen und sucht die entsprechende Person. Eigentlich betreibt die Gruppe das Training vor allem, um ihre Hunde artgerecht körperlich und geistig auszulasten. Die Übungen können individuell an den jeweiligen Hund angepasst werden. Durch die besondere Insellage hat die Arbeit aber auch einen praktischen Nutzen. Das Watt’n Trailteam ist keine professionelle Rettungshundestaffel, wurde in der Vergangenheit jedoch bereits um Hilfe gebeten. Unter anderem ging es um die Suche nach einer demenziell erkrankten Frau, die ein Altenheim verlassen hatte und zunächst nicht mehr auffindbar war. Bis eine professionelle Staffel vom Festland auf Föhr eintreffen könnte, vergeht wertvolle Zeit. In solchen Situationen können die auf der Insel vorhandenen Fähigkeiten zusätzliche Unterstützung bieten. Für Außenstehende können die Trainings allerdings manchmal kurios aussehen. Weil sich Personen für die Hunde verstecken müssen, kann durchaus einmal jemand hinter einem Auto oder in einer Hecke sitzen. Passanten hätten deshalb schon besorgt gefragt, ob alles in Ordnung sei. Die Erklärung sei dann meist einfach: Der Mensch wartet lediglich darauf, vom Hund gefunden zu werden.

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Polizei zeigt Ausrüstung und wirbt für ihren Beruf

Auch am Stand der Polizei herrschte reger Betrieb. Michael Lorenzen hatte vor allem bei den jüngeren Besuchern zahlreiche Fragen zu beantworten. Neben der alltäglichen Ausrüstung und den Schutzwesten präsentierte die Polizei auch neue Einsatzmittel und erklärte, in welchen Situationen diese benötigt werden. Gleichzeitig ging es um den Polizeiberuf selbst. Wer später einmal zur Polizei möchte, sollte nach Lorenzens Worten unter anderem einen entsprechenden Schulabschluss und gute Rechtschreibkenntnisse mitbringen, sportlich und gesundheitlich geeignet sein. Eine Voraussetzung stellte er allerdings besonders heraus: Motivation. Gerade dieser direkte Kontakt war einer der Grundgedanken des gesamten Blaulichttags. Fahrzeuge durften aus nächster Nähe betrachtet, Ausrüstung erklärt und Fragen direkt an diejenigen gestellt werden, die damit im Alltag arbeiten.

Überraschung aus der Luft: „Christoph Europa 5“ über Utersum

Für eine ganz besondere Überraschung sorgte beim Blaulichttag die DRF Luftrettung – und dieser Programmpunkt war tatsächlich völlig ungeplant. Der in Niebüll stationierte Rettungshubschrauber „Christoph Europa 5“ war zu diesem Zeitpunkt aus Kiel auf dem Weg nach Föhr. Die Crew war für einen Patiententransport angefordert worden und sollte den Patienten am Flugplatz in Wyk übernehmen. Bevor es für die Besatzung zum eigentlichen Einsatz am Flugplatz ging, ließ sie es sich jedoch nicht nehmen, einen spontanen Überflug über das Veranstaltungsgelände in Utersum zu machen. Plötzlich war der rot-weiße Rettungshubschrauber über der Strandkorbhalle zu sehen – und sorgte dafür, dass sich auf dem Gelände zahlreiche Köpfe gleichzeitig in Richtung Himmel drehten. Für viele Besucher wurde der unerwartete Überflug zu einem der besonderen Momente des Nachmittags. Gerade bei den Kindern sorgte „Christoph Europa 5“ für staunende und faszinierte Blicke nach oben. Passender hätte eine spontane Überraschung bei einem großen Blaulichttag wohl kaum sein können.

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Ehrenamt als Fundament der Sicherheit auf Föhr

Bei nahezu allen Gesprächen an diesem Nachmittag kam ein Thema immer wieder auf: das Ehrenamt. Während Polizei und Rettungsdienst hauptberuflich arbeiten, wird ein großer Teil der weiteren Gefahrenabwehr auf Föhr von Menschen getragen, die ihre Freizeit dafür einsetzen. Feuerwehren, DLRG, Wasserrettung und weitere Helfer trainieren regelmäßig, bilden sich weiter und stehen bereit, wenn andere Menschen Hilfe benötigen. „Das ist schon beeindruckend, dass sie sich auch bei diesem Strandwetter an einem freien Wochenende die Zeit genommen haben“, sagte Ralf Weindel von der Drohnenstaffel. Genau deshalb war der Blaulichttag zugleich Nachwuchswerbung. Interessierte müssen bei vielen Organisationen keineswegs bereits mit fertigen Qualifikationen vor der Tür stehen. Bei der DLRG beispielsweise könne vieles erst innerhalb der Organisation gelernt werden. Entscheidend sei vor allem die Bereitschaft mitzumachen. Besonders die vielen Kinder, die in Einsatzfahrzeugen Platz nahmen, Technik bestaunten und den Einsatzkräften Löcher in den Bauch fragten, machten den Beteiligten Hoffnung. Vielleicht, so der Wunsch gleich mehrerer Gesprächspartner, bleibt von diesem Nachmittag bei dem einen oder anderen mehr hängen als nur ein spannendes Erlebnis.

Ein Blaulichttag, der die Vielfalt auf Föhr sichtbar macht

Am Ende zeigte der Nachmittag an der Strandkorbhalle vor allem, was im normalen Inselalltag häufig erst dann sichtbar wird, wenn tatsächlich etwas passiert: Hinter einem Einsatz steht ein Netzwerk aus ganz unterschiedlichen Menschen und Organisationen. Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, DLRG, Wasserrettung, Drohnenkräfte und weitere Helfer bringen jeweils ihre eigenen Fähigkeiten mit – im Ernstfall müssen daraus innerhalb kürzester Zeit gemeinsame Abläufe werden. Dass sich trotz hochsommerlichen Strandwetters so viele Menschen Zeit nahmen, genau diese Arbeit kennenzulernen, überraschte selbst die Beteiligten. Für die Freiwillige Feuerwehr Utersum-Dunsum-Hedehusum dürfte sich damit die Idee ausgezahlt haben, aus dem bisherigen Feuerwehrfest erstmals einen großen gemeinsamen Blaulichttag zu machen.

Unsere Redaktion war mit Kamera und Mikrofon den ganzen Nachmittag in Utersum unterwegs. Viele weitere Eindrücke vom Blaulichttag gibt es in unserer großen Bildergalerie.

Fotos: Stefan Gaul u. Privat

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