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Großes Interesse an der Zukunft des Wyker Flugplatzes: Rund 200 Menschen kamen am Donnerstagabend zur öffentlichen Vorstellung der Pläne der Wyker Aviation GmbH. Das Foto ist nur symbolisch mit KI erstellt.
Rund 200 Menschen kamen zur Vorstellung des Zukunftskonzeptes für den Flugplatz Wyk. Die Wyker Aviation GmbH will vier bis fünf Millionen Euro investieren, beide Landebahnen ertüchtigen und gewerblichen Flugverkehr wieder ermöglichen. Neben viel Zustimmung gab es auch kritische Fragen zu Fluglärm, Klima und zusätzlichen Flugbewegungen.
Rund 200 Menschen im voll besetzten Kurgartensaal, ein Investitionsvolumen von etwa vier bis fünf Millionen Euro, konkrete Pläne für beide Start- und Landebahnen und eine ausführliche Fragerunde, in der auch kritische Stimmen nicht ausgespart wurden: Die öffentliche Vorstellung des Zukunftskonzeptes für den Flugplatz Wyk hat am Donnerstagabend gezeigt, wie groß das Interesse an der weiteren Entwicklung des traditionsreichen Verkehrslandeplatzes ist. Die Wyker Aviation GmbH will den Flugplatz langfristig übernehmen, umfassend modernisieren und insbesondere die für seine Zukunft entscheidende Bahn 09/27 erhalten und ertüchtigen. Während viele Wortmeldungen und Reaktionen im Saal Zustimmung erkennen ließen, ging es zugleich um Fluglärm, Klimaschutz, bleihaltigen Kraftstoff und die Frage, wie viel zusätzlichen Flugverkehr die Insel überhaupt braucht. Eine Entscheidung fiel an diesem Abend ausdrücklich nicht. Doch nach Monaten der Diskussion wurde erstmals öffentlich sehr konkret sichtbar, wie der Flugplatz in einigen Jahren aussehen könnte. Unsere Redaktion war bei der Veranstaltung dabei und hat anschließend mit Wyks Bürgermeister Uli Hess und Dirk Lehmann von der Wyker Aviation GmbH gesprochen.
Dass der Flugplatz die Menschen auf Föhr beschäftigt, zeigte sich schon vor Beginn der Veranstaltung. Trotz zahlreicher anderer Termine auf der Insel – darunter das zeitgleich stattfindende Waalem Open Air – füllte sich der Kurgartensaal nahezu bis auf den letzten Platz. Gegen 19 Uhr begrüßte Bürgermeister Uli Hess die rund 200 Besucherinnen und Besucher. Neben Dirk Lehmann war auch Timm Joachim Diestel als Geschäftsführer der Wyker Aviation GmbH anwesend und vertrat zugleich Frederik Paulsen, der selbst nicht teilnehmen konnte. Diestel überbrachte Grüße Paulsens und machte deutlich, wie eng dessen Verbindung zu Föhr sei. Er begleite die Familie Paulsen bereits seit 1984. Paulsens Ziel sei ein Flugplatz, der dauerhaft Bestand habe und von Gästen wie Insulanern angenommen werde. Das Engagement erfolge nach seinen Worten für Föhr und nicht aus einem persönlichen wirtschaftlichen Nutzen heraus. Auch Amtsdirektor Christian Stemmer, der in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit der Flugplatzdebatte viel Kritik erlebt hatte, wurde von Hess ausdrücklich begrüßt. Für die W.D.R., die mit 49,6 Prozent neben der Stadt Wyk mit 50,4 Prozent an der derzeitigen Flugplatzbetriebsgesellschaft beteiligt ist, waren Vertreter als Beobachter anwesend, darunter Prokurist Christian Gabriel. Hess stellte gleich zu Beginn klar, was dieser Abend sein sollte – und was nicht: eine öffentliche Information und Gelegenheit für Fragen, aber keine Abstimmung und keine abschließende Entscheidung. Diese bleibt den zuständigen politischen Gremien und Gesellschaftern vorbehalten.
Anschließend gehörte die Bühne Dirk Lehmann. Der Unternehmer, Privatpilot und selbst seit rund zwei Jahrzehnten mit Föhr verbunden, bildet gemeinsam mit Prof. Dr. Frederik Paulsen und Dr. Matthias Redlefsen die Investorengruppe hinter der Wyker Aviation GmbH. Zusammengefunden habe sich das Trio im vergangenen Herbst – auch auf Initiative und nach dringender Bitte aus dem Umfeld des Luftsportclubs Föhr, wie Lehmann später im Gespräch mit unserer Redaktion erklärte. Dass trotz des sommerlichen Veranstaltungsprogramms so viele Menschen in den Kurgartensaal gekommen waren, wertete Lehmann als Zeichen dafür, welche Bedeutung der Flugplatz auf der Insel besitzt. Schon das große Fest zum 100-jährigen Bestehen am 1. August habe gezeigt, wie groß das Interesse sei. Die Verhandlungen mit Stadt und Gesellschaftern beschrieb Lehmann mehrfach als sehr konstruktiv. Derzeit gebe es nach seiner Darstellung keine offene Forderung, an der das Vorhaben grundsätzlich scheitern müsse.
Das Konzept verfolgt dabei keinen radikalen Bruch mit dem heutigen Flugplatz. Zunächst soll erhalten werden, was funktioniert. Anschließend soll der Platz schrittweise technisch, energetisch und infrastrukturell in die Zukunft geführt werden. Der heutige Zustand einiger Anlagen macht aus Sicht der Investoren allerdings deutlich, dass Handlungsbedarf besteht. Besonders augenfällig wurde das bei Bildern des Towers mit sichtbaren Alters- und Korrosionsspuren. Dem langjährigen Flugleiter Hans-Werner „Hänsman“ Jacobsen habe Lehmann allerdings versprochen, dass während dessen Tätigkeit nicht einfach alles Vertraute verschwinden werde.
Einer der entscheidenden Punkte betrifft die beiden Start- und Landebahnen. Die Bahn 02/20 soll erhalten bleiben. Noch wesentlich wichtiger für die Debatte ist jedoch die Bahn 09/27, deren Zukunft seit Langem zur Diskussion steht. Für die Investorengruppe ist ihr Erhalt eine zentrale Voraussetzung. Lehmann machte unmissverständlich deutlich, dass die 09/27 gebraucht werde und eine Aufgabe dieser Bahn für das Konzept keine Option sei. Dabei geht es nicht nur darum, die vorhandenen Bahnen bestehen zu lassen. Beide sollen ertüchtigt werden. Insbesondere für die Wiederaufnahme gewerblicher Flüge reicht die heutige Grasoberfläche nach Darstellung Lehmanns unter den geltenden luftfahrtrechtlichen Berechnungen nicht aus.
Im anschließenden Interview erklärte er das anhand eines Beispiels: Ein kleineres sechssitziges Flugzeug könne dieselbe Bahn privat nutzen, während bei einer gewerblichen Beförderung zusätzliche Sicherheits- und Berechnungsaufschläge für die erforderliche Landestrecke berücksichtigt werden müssten. Gerade bei Gras und den dafür anzusetzenden Zuschlägen könne die verfügbare Strecke dadurch rechnerisch nicht mehr ausreichen. Deshalb soll eine befestigte Oberfläche entstehen, die ein zuverlässigeres Bremsverhalten ermöglicht. Dass dies zwangsläufig klassischer Asphalt sein muss, stellte Lehmann ausdrücklich nicht fest. Denkbar seien unterschiedliche wasserdurchlässige Lösungen – etwa Rasengitter, spezielle Ziegel oder moderne poröse Beläge. Welche Variante technisch und genehmigungsrechtlich möglich ist, müsse von Fachleuten und der zuständigen Luftfahrtbehörde geklärt werden.
Mit der Ertüchtigung soll der Flugplatz künftig auch wieder gewerblich nutzbar werden. Dabei geht es nach den vorgestellten Plänen um Flugzeuge mit einem maximalen Abfluggewicht von bis zu 5,7 Tonnen und typischerweise nur wenigen Passagieren. Einen klassischen Linienflugbetrieb plant die Investorengruppe ausdrücklich nicht. Lehmann sieht gerade in kleineren gewerblichen Verbindungen eine zusätzliche Möglichkeit, Föhr touristisch zu erschließen. Im Gespräch mit unserer Redaktion bezeichnete er den Tourismus als einen der wichtigsten Gründe für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Flugplatzes. Menschen, für die Föhr derzeit auf dem Luftweg nur schwer erreichbar sei, könnten dadurch eine weitere Anreisemöglichkeit erhalten.
Wie stark diese Möglichkeit tatsächlich genutzt würde, ist offen. Auf die Frage nach dem künftig erwarteten Flugaufkommen nannte Lehmann in der Diskussion eine Größenordnung von etwa zehn bis 20 Verbindungen pro Woche. An stark frequentierten Wochenenden könne das gesamte Fluggeschehen nach seiner Einschätzung bei etwa 90 bis 100 Bewegungen liegen. Instrumentenflugbetrieb ist dabei nicht vorgesehen. Auf eine entsprechende Frage von Hans-Hermann Grupp antwortete Lehmann eindeutig: Geplant bleibe Sichtflug am Tage.
Das Zukunftskonzept geht deutlich über die Landebahnen hinaus. Der Flugplatz soll wieder stärker zu einem Ort werden, an dem sich auch Menschen aufhalten, die selbst gar nicht fliegen. Vorgesehen sind unter anderem ein neues gastronomisches Angebot beziehungsweise Restaurant, ein Spielplatz für Kinder und bessere Möglichkeiten zum Abstellen von Fahrrädern. Perspektivisch könnten dort auch Lademöglichkeiten entstehen. Gebäude sollen energetisch verbessert, Dachflächen für Photovoltaik genutzt und die Energieversorgung möglichst nachhaltig gestaltet werden. Auch die inzwischen seit rund zehn Jahren außer Betrieb befindliche Tankmöglichkeit ist Bestandteil der Überlegungen. Gleichzeitig sollen Voraussetzungen für die zunehmende Elektrofliegerei geschaffen beziehungsweise ausgebaut werden.
Eine besondere Rolle spielen Rettungs- und Ambulanzflüge. Für Crews, die auch nachts nach Föhr kommen, sollen vernünftige Sanitär- und Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen werden. Auch der Naturraum soll nach Darstellung der Investoren nicht gegen die Entwicklung ausgespielt werden. Lehmann verwies auf Erfahrungen mit dem Flugplatz Lüneburg, wo Luftfahrt und Naturschutz miteinander verbunden worden seien und sich auf dem Gelände eine besondere Tier- und Vogelwelt entwickelt habe.
Auf Nachfrage des Föhrer Unternehmers Wolfgang Müller wurde auch die Größenordnung der Investition konkret. Für das erste große Maßnahmenpaket rechnet die Investorengruppe mit rund vier bis fünf Millionen Euro. Das Kapital stehe grundsätzlich bereit. Lehmann machte gleichzeitig deutlich, dass die Investoren den Flugplatz nicht als klassisches Renditeprojekt betrachteten. Ihnen sei bewusst, dass mit dem Betrieb voraussichtlich kein nennenswertes Geld verdient werde. Es gehe darum, Infrastruktur für die Allgemeinheit zu erhalten und langfristig weiterzuentwickeln. Die Investoren wollen sich nach eigenen Angaben langfristig engagieren. Gleichzeitig soll die Konstruktion so gestaltet werden, dass der Flugplatz auch weit über die persönliche Beteiligung der drei Unternehmer hinaus Bestand haben und gegebenenfalls ohne komplizierte Konstruktionen wieder an die Stadt zurückgeführt werden kann. Aktuell verursacht der Flugplatz nach Angaben von Bürgermeister Hess ein jährliches Defizit von rund 50.000 Euro, das letztlich aus Steuergeldern getragen wird.
Wie schnell könnte sich der Flugplatz verändern? Wolfgang Müller wollte in der Fragerunde eine konkrete Zeitschiene wissen. Lehmann antwortete zunächst mit „ASAP“ – also so schnell wie möglich. Ganz so schnell werden Bagger und Baumaschinen allerdings nicht anrücken können. Selbst wenn die politischen und vertraglichen Voraussetzungen geschaffen sind, rechnet Lehmann mit etwa einem Jahr für Planung, Gutachten und Genehmigungen, bevor an den Landebahnen tatsächlich gearbeitet werden kann. Für die Umsetzung des ersten größeren Maßnahmenpakets nannte er einen Horizont von ungefähr drei Jahren.
Politisch könnte es dagegen schon wesentlich früher eine entscheidende Weichenstellung geben. Hess sagte nach der Veranstaltung gegenüber unserer Redaktion, die Vertragsverhandlungen befänden sich inzwischen in einer sehr weit fortgeschrittenen Phase. Ein Vertragswerk sei bereits weitgehend ausformuliert. Nach seiner Einschätzung könnte eine Entscheidung bereits im September fallen, spätestens aber bis zum Jahresende.
Die anschließende Fragerunde zeigte, dass es trotz der überwiegend sachlichen und vielfach positiven Reaktionen auch konkrete Sorgen gibt. Eberhard Schäfer, Anwohner des Flugplatzes, brachte eine feste Mittagsruhe zwischen 13 und 15 Uhr ins Gespräch. Lehmann hält eine solche Regelung nicht für praktikabel. Ein Verkehrslandeplatz müsse innerhalb seiner festgelegten Betriebszeiten verlässlich zur Verfügung stehen. Genannt wurden Betriebszeiten von 9 bis 19 Uhr, von denen die Investoren grundsätzlich nicht abweichen wollen. Auch Karl-Heinz Wagner griff die Frage einer Mittagsruhe noch einmal auf. Lehmann blieb bei seiner Position: Wer eine Verkehrsinfrastruktur betreibe, müsse diese während ihrer Betriebszeit grundsätzlich aufrechterhalten.
Die deutlich kontroverseste Passage des Abends entstand bei Fragen von Gesche Roeloffs aus Midlum. Sie stellte infrage, ob eine Erweiterung des gewerblichen Flugverkehrs zu den Klimazielen von Föhr und Amrum passe, und thematisierte zudem bleihaltiges Flugbenzin. Vor diesem Hintergrund äußerte sie auch Bedenken gegenüber einem Spielplatz auf dem Flugplatzgelände. Lehmann verwies darauf, dass bleihaltiges Avgas nach einer Übergangsphase ab 2030 nicht mehr verwendet werden soll. Bei der CO₂-Bilanz einer Reise etwa zwischen Hamburg und Föhr sah er zudem keinen so großen Unterschied zwischen Auto und kleinem Flugzeug, wie teilweise angenommen werde. Roeloffs verwies dagegen auf andere Berechnungen, nach denen der Kraftstoffverbrauch des Flugzeugs deutlich höher liege.
Die Diskussion ging mehrfach hin und her. Als Roeloffs schließlich grundsätzlich fragte, wofür Föhr gewerblichen Flugverkehr benötige und ob dieser beispielsweise dazu dienen solle, Golfer von Sylt nach Föhr zu bringen, hielt Lehmann dagegen, dass es auch Menschen mit anderen Auffassungen gebe. Dafür erhielt er deutlichen Applaus aus dem Saal. Auch eine mögliche Flugschule wurde angesprochen. Lehmann stellte klar, dass eine klassische Flugschule nicht Ziel der Investorengruppe sei. Eine Ausnahme könne perspektivisch die Ausbildung mit Elektroflugzeugen sein.
Dass die Haltung am Südstrand keineswegs einheitlich ist, wurde anschließend besonders deutlich. Anwohner Udo Christiansen erklärte, dass er mit den in den vergangenen Jahren zurückgegangenen Flugbewegungen gut leben könne. Eine Ausweitung des Betriebs sehe er kritisch; von ihm aus könne der Flugplatzbetrieb weiter zurückgehen. Auch die Möglichkeit eines Bürgerentscheids brachte er ins Gespräch – und erhielt dafür ebenfalls Beifall. Kurz darauf meldete sich Karla Rintschenk vom Südstrand mit einer völlig anderen Perspektive. Sie bezeichnete den Flugplatz als Privileg für Föhr und erklärte, die Kritik an dessen Betrieb nicht nachvollziehen zu können. Ein alternativ diskutierter Campingplatz könne aus ihrer Sicht wesentlich stärkere Lärmbelastungen verursachen. Lehmann bot an, die Diskussion über Fluglärm künftig mit Messwerten statt allein mit subjektiven Eindrücken zu führen.
Im Interview nach der Veranstaltung wurde Lehmann dazu noch konkreter. Er verwies auf Erfahrungen am Flugplatz Lüneburg, der ebenfalls vor der Schließung gestanden habe und bei dem es erhebliche Auseinandersetzungen um Fluglärm gegeben habe. Dort seien gemeinsam mit Fachleuten und unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts mehrere Messstellen eingerichtet und verschiedene Flugzeugtypen vermessen worden. Nach Lehmanns Darstellung lagen die gemessenen Werte deutlich unter dem Lärm der angrenzenden Straße. Ein vergleichbares Verfahren könne er sich auch für Wyk vorstellen. Die Kosten dafür seien in den Überlegungen bereits berücksichtigt. Entscheidend sei nicht allein ein maximaler Dezibelwert, sondern auch, wie lange eine Belastung tatsächlich andauere und wie häufig sie über das Jahr auftrete. Gerade mit betroffenen Anwohnern wolle man darüber auf Grundlage belastbarer Messungen sprechen. Lehmann weiß dabei selbst, wie es ist, direkt neben einem Flugplatz zu wohnen: Auch auf Föhr ist er Anwohner.
Gerade bei der politisch besonders umstrittenen Bahn 09/27 gab Bürgermeister Uli Hess nach der Veranstaltung einen bemerkenswerten Einblick in seine persönliche Einschätzung. Dass Föhr einen Flugplatz brauche, sei für ihn grundsätzlich unstrittig. Die bisherige Diskussion über die 09/27 habe sich insbesondere um mögliche Gefährdungen beim Anflug über die Stadt beziehungsweise den Golfplatz gedreht. Diese Bedenken müssten weiterhin ernst genommen werden. Gleichzeitig verwies Hess darauf, dass die Bahn nach Darstellung Lehmanns nur in vergleichsweise seltenen Fällen tatsächlich benötigt beziehungsweise angeflogen werden soll. Genau darin könne aus seiner persönlichen Sicht ein Kompromiss liegen: die 09/27 erhalten, sie aber auch künftig nur selten nutzen. Mit einem solchen Ansatz könne er persönlich leben. Diese Aussage ist deshalb von besonderer Bedeutung, weil für die Wyker Aviation GmbH gerade der Erhalt der 09/27 eine zentrale Voraussetzung ihres Gesamtkonzeptes darstellt.
Mehrere Wortmeldungen blickten über Tourismus und Freizeitfliegerei hinaus. Werner Schweizer vom Flugplatz Leck berichtete unter anderem von Entwicklungen im Drohnenbereich und möglichen Verbindungen zur medizinischen Infrastruktur der Region. Ulrich Harder stellte die Frage nach der sicherheitspolitischen Bedeutung eines erhaltenen Flugplatzes. Lehmann verwies darauf, dass auch die Bundeswehr den Platz bereits nutzt. Für bestimmte Drohnenanwendungen könne ein Flugplatz zudem geeigneter sein, als entsprechende Technik über dem bebauten Stadtgebiet einzusetzen.
Marco „Gacko“ Thoms, 1. Vorsitzender vom Luftsportclub Föhr, brachte die Frage auf, ob sich ein künftiges Medizinisches Versorgungszentrum mit den Möglichkeiten des Flugplatzes verknüpfen ließe. Hess wollte darauf zu diesem Zeitpunkt bewusst keine abschließende Aussage treffen. Anja Rappen vom Luftsportclub Föhr erinnerte zudem an Gespräche rund um medizinische beziehungsweise tragische Fälle, bei denen die Erreichbarkeit der Insel eine Rolle spiele. Petra Kölschbach von der Bürgerinitiative Merret Reicht’s Föhr wies zugleich darauf hin, dass auch ein Flugplatz keine Garantie darstelle – denn wetterbedingt sei Fliegen ebenfalls nicht immer möglich. Damit wurde an diesem Abend ein Punkt sichtbar, der in der Diskussion um den Flugplatz häufig hinter der touristischen Frage verschwindet: Für eine Insel kann eine zusätzliche Verkehrsanbindung auch im medizinischen, rettungsdienstlichen und sicherheitspolitischen Kontext Bedeutung bekommen.
Lehmann betonte während der Präsentation und anschließend im Interview mehrfach, dass Nachhaltigkeit für ihn persönlich ein zentraler Bestandteil des Projektes sei. Er verwies dabei auf seine berufliche Tätigkeit als Ingenieur und Unternehmer im Bereich emissionsärmerer beziehungsweise emissionsfreier Technologien. Seine Unternehmen beschäftigen sich unter anderem mit Batteriesystemen und Wasserstoff-Brennstoffzellentechnik für die Schifffahrt. Für eine Entwicklung zur Verbesserung der Propellerwirkung großer Schiffe wurde Lehmann mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Diese Erfahrungen wolle er auch in die Entwicklung des Wyker Flugplatzes einbringen. Photovoltaik, eigene Energieerzeugung, ein bewusster Umgang mit Wasser, Ladeinfrastruktur und die weitere Entwicklung der Elektrofliegerei gehören deshalb zu den Überlegungen. Wie diese Zukunft aussehen könnte, war bereits beim 100-jährigen Flugplatzjubiläum sichtbar geworden. Der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen kam mit einem Elektroflugzeug nach Föhr. Durch Ladepunkte unter anderem in Wyk, Husum und Rendsburg sind inzwischen auch Streckenflüge mit dem derzeit verfügbaren Elektroflugzeugtyp möglich.
Im Gespräch nach dem Abend fand Lehmann schließlich ein sehr anschauliches Bild für seine Vorstellung vom künftigen Flugplatz. Den heutigen Zustand verglich er sinngemäß mit einem in die Jahre gekommenen Schrebergarten. Daraus solle kein steriler Großairport werden, sondern ein moderner, gepflegter und zukunftsfähiger Ort: sanierte und gut gedämmte Gebäude, Photovoltaik auf den Dächern, eine zeitgemäße Infrastruktur, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und gleichzeitig der Charakter eines kleinen Insel-Flugplatzes. Genau darin liegt ein wesentlicher Punkt des Konzeptes: Die Investoren wollen Wyk nicht zu einem großen Flughafen ausbauen. Vielmehr soll das erhalten werden, was seit 100 Jahren zur Insel gehört – allerdings technisch so ertüchtigt, dass es auch unter heutigen Anforderungen dauerhaft betrieben werden kann.
Nach dem Ende der Veranstaltung zog Bürgermeister Uli Hess gegenüber unserer Redaktion ein positives Zwischenfazit. Fast 200 Menschen, viele Fragen und unterschiedliche Positionen – trotzdem sei die Diskussion sachlich und fair geblieben. Auch Lehmann bewertete den Abend ähnlich. Er sei froh über die Fragen und darüber, dass unterschiedliche Meinungen offen ausgesprochen worden seien, ohne dass die Diskussion persönlich eskaliert sei. Gerade in einer Zeit, in der Debatten schnell in festgefahrene Lager zerfielen, habe er das als wohltuend empfunden. Hess nimmt die Stimmung auf der Insel insgesamt als vergleichsweise nüchtern wahr. Befürworter und Gegner des Flugplatzes habe es schon immer gegeben. Die Aufgabe der Politik sei nun, die Argumente abzuwägen und Mehrheiten zu finden.
Um 20:07 Uhr endete die Veranstaltung. Eine Entscheidung über die Zukunft des Flugplatzes gab es nach diesem Abend noch immer nicht – aber die Konturen dessen, worüber entschieden werden soll, sind erheblich klarer geworden. Die Wyker Aviation GmbH stellt mehrere Millionen Euro für eine Modernisierung in Aussicht. Beide Start- und Landebahnen sollen erhalten und ertüchtigt werden, insbesondere die für das Konzept entscheidende 09/27. Gewerbliche Flüge sollen wieder möglich werden, ein Linienverkehr dagegen nicht. Restaurant, Spielplatz, Fahrrad- und Ladeinfrastruktur, bessere Bedingungen für Rettungscrews und eine nachhaltigere Energieversorgung sollen den Flugplatz zugleich stärker für die Allgemeinheit öffnen. Dem gegenüber stehen Fragen nach Fluglärm, Klimaauswirkungen, zusätzlichen Flugbewegungen und der grundsätzlichen Frage, wie viel Luftverkehr Föhr künftig möchte. Der Abend im Kurgartensaal zeigte allerdings auch: Die Diskussion darüber lässt sich führen, ohne die unterschiedlichen Positionen auszublenden.
Nun beginnt der entscheidende politische Abschnitt. Hess rechnet damit, dass bereits im September eine Entscheidung möglich sein könnte, spätestens aber bis zum Jahresende Klarheit geschaffen werden soll. Sollte keine Einigung zustande kommen, bleibt der bestehende politische Beschluss zur Zukunft der Bahn 09/27 bestehen. Noch ist damit nichts entschieden. Doch nach der Konzeptvorstellung am Donnerstagabend ist aus vielen abstrakten Debatten erstmals ein sehr konkretes Bild geworden, wie der Flugplatz Wyk in Zukunft aussehen könnte.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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Wenn die Insel schläft, sind wir für euch da. Musik, die euch durch die Nacht begleitet.
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Johannes Klein am August 22, 2026
Wir waren dabei und an dieser Stelle mal ein riesen Lob an das Inselradio Föhr und Stefan. Dieser Artikel ist richtig gut geschrieben und spiegelt den Abend perfekt wieder. Für alle die nicht dabei gewesen sind absolute Leseempfehlung.
Iris Christiansen am August 22, 2026
Der Bericht von der Bürgerversammlung am Donnerstag zum Thema Flugplatz hat uns sehr gut gefallen liebes Inselradio Föhr
Dietmar Stützer am August 22, 2026
Wir wohnen im Rhein-Main Gebiet und haben eine Zweitwohnung auf Föhr. Danke für diesen wichtigen, detaillierten und anschaulichen Bericht zur Flughafen Diskussion! So sind wir nun bestens informiert! Danke Stefan – Ihr vom Inselradio leistet hervorragende Arbeit👍