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Tochterboot VERENA des Seenotrettungskreuzers HERMANN MARWEDE auf der aufgewühlten Nordsee im Einsatz für eine stark unterkühlte Frau an Bord einer Segelyacht
Dramatischer Einsatz vor Helgoland: Eine stark unterkühlte Seglerin musste bei Windstärke sechs und bis zu drei Meter hohen Wellen von ihrer Yacht gerettet werden. DGzRS-Pressesprecher Christian Stipeldey schildert unserer Redaktion den anspruchsvollen Einsatz.
Drei Meter hohe Wellen, Windstärke sechs und auf einer Segelyacht eine Patientin, deren Zustand sich zunehmend verschlechterte: Vor Helgoland waren am Freitagmittag Seenotretter und ein Rettungshubschrauber bei einem anspruchsvollen medizinischen Notfall im Einsatz. Eine etwa 35 Jahre alte Seglerin war zunächst stark seekrank und dehydriert, später zunehmend unterkühlt. Eine direkte Rettung von der Yacht aus der Luft war aufgrund der Bedingungen nicht möglich. Stattdessen entstand auf See eine Rettungskette zwischen Hubschrauber, Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE und dessen Tochterboot VERENA. Am Ende konnte die Frau sicher nach Helgoland gebracht und dort zur weiteren Behandlung ins Inselkrankenhaus transportiert werden.
Unsere Redaktion hat nach dem Einsatz mit Christian Stipeldey, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), gesprochen. Seine Schilderungen zeigen, wie viele einzelne Schritte notwendig waren, bis die Patientin im warmen Bordhospital der HERMANN MARWEDE versorgt werden konnte – und warum gerade das Zusammenspiel der verschiedenen Rettungsmittel unter diesen Bedingungen besondere Erfahrung erforderte.
Der Notruf erreichte die Seenotretter am Freitag gegen 11.40 Uhr. Die knapp zwölf Meter lange Segelyacht befand sich zu diesem Zeitpunkt rund neun Seemeilen nordöstlich von Helgoland. Sechs Menschen waren an Bord, drei von ihnen litten unter starker Seekrankheit. Besonders schlecht ging es einer etwa 35 Jahre alten Seglerin. Sie zeigte bereits Anzeichen einer Dehydrierung, ihrem Körper fehlte also zunehmend Flüssigkeit.
Über den international einheitlichen UKW-Sprechfunk-Not- und -Anrufkanal 16 setzte die Besatzung den Notruf ab. Die von der DGzRS betriebene deutsche Rettungsleitstelle See in Bremen alarmierte daraufhin den auf Helgoland stationierten Seenotrettungskreuzer HERMANN MARWEDE sowie einen Rettungshubschrauber von NHC Northern Helicopter. Gleichzeitig wurde die Segelyacht angewiesen, Kurs auf Helgoland zu nehmen und den Rettungskräften damit entgegenzufahren. „Wir haben uns dann dort draußen getroffen“, schildert Stipeldey. Der Rettungshubschrauber erreichte die Yacht kurz vor den Seenotrettern. Doch genau dort entstand die nächste Herausforderung.
Bei westlichem Wind um sechs Beaufort und Wellenhöhen von bis zu drei Metern bewegte sich die Yacht erheblich im Seegang. Zusammen mit dem hohen Mast machte das einen direkten Einsatz der Seilwinde zu riskant. „Das wäre also zu gefährlich gewesen, direkt auf die Yacht medizinisches Personal zu winchen“, erklärt Stipeldey. Der ursprüngliche Weg musste deshalb geändert werden. Statt Notarzt und Notfallsanitäter direkt auf dem Segelboot abzusetzen, brachte der Hubschrauber beide zunächst per Seilwinde auf die deutlich größere HERMANN MARWEDE.
Von dort ging es allerdings noch immer nicht zur Patientin. Jetzt kam das Tochterboot VERENA ins Spiel. Notarzt und Notfallsanitäter stiegen auf das kleinere Rettungsboot um, das anschließend zur Segelyacht fuhr. Erst dort konnte das medizinische Team an Bord gelangen und die Frau untersuchen. Während all dieser Schritte lief die Zeit weiter. Der Zustand der Seglerin hatte sich inzwischen verschlechtert. Aus der zunächst festgestellten Schwächung und Dehydrierung war ein ernsthafteres medizinisches Problem geworden: Die 35-Jährige war stark unterkühlt. Ihre Mitsegler hatten sie bereits in Wärme- und Wolldecken eingepackt, doch das reichte nicht mehr aus. „Das hört sich alles recht einfach an, aber ist eben bei Windstärke sechs und Wellenhöhen bis zu drei Metern durchaus herausfordernd“, sagt Stipeldey. Weil sich der Zustand der Patientin parallel verschlechterte, sei zusätzlich Eile geboten gewesen.
Unterstützung bekamen die Seenotretter bei dem schwierigen Manöver vom Notschlepper „Nordic“. Das vom Bundesverkehrsministerium gecharterte Schiff stellte sich so zur Segelyacht, dass es Lee und damit Windschutz für die kleineren Fahrzeuge erzeugte. Dadurch wurde es für die VERENA erheblich einfacher, längsseits an die Yacht zu gehen. Gerade dieses Manöver gehört unter solchen Bedingungen zu den kritischen Momenten eines Einsatzes. „Wenn zwei Schiffe auf See zusammenkommen, ist das immer eine potenziell gefährliche Situation“, erklärt Stipeldey. Bei Wellenhöhen von bis zu drei Metern und vergleichsweise kleinen Fahrzeugen seien Erfahrung und sehr vorsichtiges Navigieren erforderlich – erst recht, wenn gleichzeitig medizinisches Personal von einem Fahrzeug auf das andere wechseln muss. Nach der Untersuchung stand fest, dass die Seglerin von der Yacht heruntergebracht werden musste. Die Seenotretter übernahmen die stark unterkühlte Frau auf die VERENA. Doch damit war die anspruchsvollste Phase noch nicht vollständig beendet.
Das Tochterboot musste nun mit der Patientin zurück zum Seenotrettungskreuzer. Bei der HERMANN MARWEDE wird die VERENA über eine Heckklappe in die sogenannte Heckwanne des Kreuzers eingefahren und anschließend wieder an Bord genommen. Ein routinierter Vorgang – unter drei Meter hohen Wellen und mit einer stark unterkühlten Patientin an Bord jedoch mit deutlich höheren Anforderungen. „All das braucht Zeit, all das braucht eine gute Absprache auf See und eben auch Erfahrung im Umgang mit dieser speziellen Technik“, beschreibt Stipeldey die Situation.
Erst nachdem die VERENA wieder sicher aufgenommen worden war, konnte die weitere Versorgung der 35-Jährigen im warmen Bordhospital der HERMANN MARWEDE erfolgen. Notarzt und Notfallsanitäter kümmerten sich dort während der Fahrt nach Helgoland weiter um die Frau. Parallel wurde ein Rettungswagen zum Anleger im Helgoländer Hafen bestellt. Dort übernahm schließlich der Landrettungsdienst die Patientin. Sie wurde anschließend zur weiteren medizinischen Versorgung in das Inselkrankenhaus gebracht.
Was in der Zusammenfassung wie ein geradliniger Rettungseinsatz klingt, bestand damit aus einer ganzen Reihe aufeinander abgestimmter Manöver: Notruf der Yacht, Kursänderung Richtung Helgoland, Anflug des Rettungshubschraubers, Absetzen des medizinischen Teams auf der HERMANN MARWEDE, Weiterfahrt mit der VERENA, Herstellung von Windschutz durch die „Nordic“, Übernahme der Patientin auf das Tochterboot, Rückkehr zum Seenotrettungskreuzer und schließlich die Weiterbehandlung im Bordhospital.
Dabei mussten die Einsatzkräfte ihre ursprüngliche Vorgehensweise bereits zu Beginn an die Bedingungen auf See anpassen. Dass der Hubschrauber Notarzt und Notfallsanitäter nicht direkt auf der Yacht absetzen konnte, machte zusätzliche Schritte notwendig – während gleichzeitig der Gesundheitszustand der Patientin immer dringlicher wurde. Am Ende funktionierte die Rettungskette. Die stark unterkühlte Seglerin erreichte sicher Helgoland und konnte dort an den Rettungsdienst übergeben werden. Für die Besatzung der HERMANN MARWEDE und der VERENA endete damit ein Einsatz, bei dem nicht allein medizinische Eile gefragt war, sondern vor allem nautische Erfahrung, präzise Absprachen und das Zusammenspiel mehrerer Rettungsmittel auf hoher See.
Fotos: Stefan Gaul u. „Die Seenotretter – DGzRS“
Geschrieben von: admin
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todaySeptember 20, 2026 31 14
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Feierabend. Durchatmen. Musik genießen. Mit dem passenden Soundtrack und einem Hauch Nordsee begleiten wir euch entspannt durch den Abend. Träumt euch nach Föhr.
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