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Nach mehr als einem Jahrhundert Bäckertradition steht der Standort in Borgsum vor einer ungewissen Zukunft: Ende Oktober beendet der Landbäcker seinen Betrieb.
Der Landbäcker in Borgsum schließt Ende Oktober 2026. Nach nur 19 Monaten endet damit die Zeit unter dem aktuellen Betreiber. Die Geschichte der Bäckerei reicht bis 1913 zurück – und noch ist offen, ob es einen Nachfolger geben wird.
Seit Generationen gehört der Landbäcker zu Borgsum. Morgens schnell Brötchen holen, ein kurzer Schnack im Laden oder etwas Süßes für den Nachmittag mitnehmen – für Einheimische ebenso wie für viele Urlauber war die Bäckerei über Jahrzehnte ein fester Anlaufpunkt im Dorf. Doch damit ist bald Schluss: Der Landbäcker in Borgsum beendet Ende Oktober seinen Betrieb. Der letzte Produktionstag soll der 30. Oktober 2026 sein.
Damit endet die Zeit unter dem derzeitigen Betreiber Felix Schlingmann bereits nach rund eineinhalb Jahren. Erst zum 1. April 2025 hatte er den traditionsreichen Betrieb von seinem Vorgänger Erik Jensen übernommen. Einen Grund für die Entscheidung haben die Betreiber inzwischen selbst öffentlich gemacht: Der immer größer werdende Fachkräftemangel zwinge sie unter anderem zu diesem Schritt. Welche weiteren Faktoren zur Entscheidung geführt haben, bleibt offen.
Für Borgsum ist die Nachricht unabhängig davon ein Einschnitt. Bürgermeister Norbert Nielsen bestätigte unserer Redaktion die bevorstehende Schließung. Für die Gemeinde sei das „ein herber Verlust“, sagte er im Gespräch mit dem Inselradio Föhr. Und hinter diesen wenigen Worten steckt einiges: Denn mit dem Landbäcker verschwindet nicht einfach nur eine Einkaufsmöglichkeit, sondern ein Betrieb, dessen Geschichte in Borgsum mehr als ein Jahrhundert zurückreicht.
Die Wurzeln des heutigen Landbäckers reichen bis ins Jahr 1913 zurück. Damals übernahmen Johannes Georg Moritz Martens, auf der Insel als „Hanje Bäcker“ bekannt, und seine Frau Alwine die Bäckerei von Peter Christian Sievertsen. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Betrieb innerhalb der Familie weitergeführt.
1951 übernahmen Peter Heinrich Bäcker, bekannt als „Hein Bäcker“, und Jenny, die Tochter der Gründer, die Verantwortung. Ab 1969 führten Peter Martin Jensen und seine Frau Anna die Bäckerei weiter. Auch baulich entwickelte sich der Standort: 1988 entstand östlich des alten Backhauses eine neue Backstube samt Ladengeschäft.
2007 ging der Betrieb schließlich mit Erik Jensen und seiner Frau Meiken in die vierte Generation über. Viele Jahre prägten sie den Landbäcker, bevor sich erneut die Frage stellte, wie es mit der traditionsreichen Bäckerei weitergehen könnte. Eine Antwort darauf schien im vergangenen Jahr gefunden: Zum 1. April 2025 übernahm Felix Schlingmann den Betrieb.
Der neue Inhaber kannte die Bäckerei zu diesem Zeitpunkt bereits bestens. Bevor er selbst die Verantwortung übernahm, hatte er dort schon mehrere Jahre als Mitarbeiter gearbeitet. Für den Landbäcker bedeutete der Wechsel zunächst, dass die lange Geschichte des Betriebs auch außerhalb der bisherigen Betreiberfamilie fortgesetzt werden konnte. Das bestehende Sortiment wurde weitergeführt, ebenso ein Großteil der gewachsenen Strukturen. Nun folgt nach nur 19 Monaten die nächste Zäsur.
Inzwischen haben sich die Betreiber des Landbäckers auch selbst öffentlich zur bevorstehenden Schließung geäußert. Über die Social-Media-Seite des Betriebs teilten Katrin, Felix und das Team des Landbäckers mit, dass sie den Betrieb schweren Herzens beenden müssen. Als einen der Gründe nennen sie ausdrücklich den zunehmenden Fachkräftemangel. Dieser zwinge sie unter anderem zu diesem Schritt und lasse ihnen nach eigener Darstellung keine andere Möglichkeit.
Damit gibt es erstmals eine konkrete Erklärung für die Entscheidung. Gleichzeitig lässt die Formulierung „unter anderem“ erkennen, dass der Fachkräftemangel offenbar nicht der einzige Faktor ist. Weitere Gründe nennt das Team in seiner Mitteilung allerdings nicht. Zuvor hatte auch unsere Redaktion mehrfach schriftlich bei Felix Schlingmann um eine Stellungnahme zu den Hintergründen gebeten und darauf zunächst keine Antwort erhalten.Bestätigt wird in der Veröffentlichung noch einmal der 30. Oktober 2026 als letzter Produktionstag. Wie es danach mit der traditionsreichen Bäckerei in Borgsum weitergeht, ist auch für die jetzigen Betreiber offen. Für Katrin und Felix endet ihre Zeit im Landbäcker an diesem Punkt – ob der Betrieb später unter neuer Führung fortgesetzt werden kann, steht noch nicht fest.
Zum Abschied richtet das Team seinen Dank an die vielen Stammkunden und Unterstützer, die den Betrieb begleitet haben. Die Betreiber erinnern an die Verbundenheit und die gemeinsamen Momente der vergangenen Monate und bitten gleichzeitig darum, noch vorhandene Gutscheine rechtzeitig vor der Schließung einzulösen.
Nach dem derzeit bekannten Stand soll am 30. Oktober zum letzten Mal produziert werden. Wie es danach mit dem Bäckereistandort weitergeht, ist bislang offen. Auch Bürgermeister Norbert Nielsen ist derzeit kein konkreter Nachfolger bekannt. Nach seinem Kenntnisstand soll allerdings nach einer Möglichkeit gesucht werden, den Betrieb beziehungsweise den Standort wieder in neue Hände zu geben.
Ob und wann das gelingt, lässt sich derzeit nicht sagen. Genau deshalb wiegt die bevorstehende Schließung für Borgsum besonders schwer. In einem Inseldorf haben Geschäfte wie der Landbäcker schließlich eine andere Bedeutung als eine beliebige Verkaufsstelle irgendwo in einer größeren Stadt. Sie gehören zum unmittelbaren Alltag und sind zugleich Orte, an denen sich Einheimische und Gäste begegnen. Wie es für die Beschäftigten nach der Schließung weitergeht, ist öffentlich ebenfalls nicht bekannt. Bei der Übernahme im Frühjahr 2025 gehörten noch mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Betrieb. Auch hierzu liegt unserer Redaktion derzeit keine Stellungnahme des Betreibers vor.
Dass die Nachricht längst nicht nur die Menschen in Borgsum beschäftigt, zeigt die Reaktion von Manfred Pichl. Der 69-Jährige kommt aus Essen, ist seit mehr als zehn Jahren Stammgast auf Föhr und verbringt mittlerweile zweimal im Jahr Zeit auf der Insel. Für ihn gehört der Landbäcker längst zu seinen Föhr-Aufenthalten. „Das ist sehr schade, nicht nur für Borgsum, sondern für die ganze Insel. Und speziell für die Urlauber in Utersum: Dort hört ja Stefans Tortenmanufaktur Ende Januar auf, und die leckeren Brötchen vom Landbäcker wird es dann bei Edeka auch nicht mehr geben. Darüber sind wir traurig.“
Gerade solche Reaktionen zeigen, dass die Bedeutung eines traditionsreichen Inselbetriebs über den eigentlichen Standort hinausreichen kann. Wer seit vielen Jahren regelmäßig nach Föhr kommt, entwickelt seine eigenen Gewohnheiten und festen Anlaufpunkte – und für Pichl gehörten die Produkte des Landbäckers offenbar dazu.
Noch lässt sich deshalb nicht sagen, dass mit der Schließung Ende Oktober endgültig das Ende der Bäckertradition an diesem Standort besiegelt ist. Solange offen ist, ob sich ein neuer Betreiber findet, bleibt auch die Möglichkeit einer Fortsetzung bestehen. Sicher ist momentan lediglich: Unter der jetzigen Leitung endet der Betrieb nach 19 Monaten, und ab Ende Oktober bleibt zunächst eine Lücke. Für Borgsum ist das nach mehr als einem Jahrhundert Bäckereigeschichte eine Nachricht mit besonderem Gewicht. Vom „Hanje Bäcker“ über mehrere Generationen der Familie bis zum jüngsten Betreiberwechsel hat der Standort zahlreiche Veränderungen erlebt und dennoch seine Funktion als Bäckerei behalten.
Nun richtet sich der Blick auf die Zeit nach dem 30. Oktober. Ob irgendwann wieder morgens die Backstube läuft und sich die Ladentür für Kunden öffnet, ist derzeit völlig offen. Für Bürgermeister Norbert Nielsen steht jedenfalls schon jetzt fest, was die Schließung für sein Dorf bedeutet: einen herben Verlust.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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todaySeptember 11, 2026 68 8
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