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Golfen unabhängig vom Föhrer Wetter: Im Greenpark in Wyk ist die neue IndoorGolf-Föhr Anlage eröffnet worden. Unsere Redaktion war bei der feierlichen Eröffnung vor Ort.
Golf spielen bei Regen, Sturm und im Winter: Im Greenpark Föhr in Wyk hat IndoorGolf-Föhr eröffnet. Die neue Simulator-Anlage richtet sich an erfahrene Golfer, Anfänger und Urlaubsgäste und funktioniert weitgehend ohne Personal vor Ort.
Vier Stunden für eine Runde Golf? In der neuen Anlage im Greenpark Föhr kann es deutlich schneller gehen. Keine langen Wege zwischen den Löchern, kein Regen, kein Wind – und theoretisch kann der nächste Abschlag auf einem Golfplatz irgendwo auf der Welt stattfinden. Mit IndoorGolf-Föhr gibt es in Wyk seit wenigen Tagen ein neues Freizeit- und Trainingsangebot, das sich nicht nur an erfahrene Golfer richtet. Auch Anfänger, Urlaubsgäste oder Freundesgruppen sollen hier unkompliziert ausprobieren können, wie sich Golf am Simulator anfühlt. Bei der feierlichen Eröffnung am vergangenen Freitag war auch unsere Redaktion vor Ort – und zwischen ersten Abschlägen wurde schnell deutlich, dass die Betreiber vor allem eine Lücke schließen wollen, die auf einer Nordseeinsel naturgemäß immer wieder entsteht: Was macht man, wenn das Wetter draußen nicht mitspielt?
Entstanden ist die Anlage im Greenpark Föhr am Hemkweg 9b in Wyk. Hinter dem Projekt stehen Wolfgang Müller und sein Sohn Marco Müller, die gemeinsam geschäftlich auf Föhr und in Hamburg tätig sind. „Wir haben uns gesagt, wir müssen etwas für die Freizeitaufwertung tun“, erklärt Wolfgang Müller. Gerade im sportlichen Bereich habe man Potenzial gesehen. Sohn Marco hatte im vergangenen Jahr selbst erste Golfstunden genommen – und auch daraus entwickelte sich die Idee weiter. Nun sollen nicht nur Mitglieder des Föhrer Golfclubs profitieren, sondern grundsätzlich alle, die Lust auf den Sport haben.
Wer den Raum betritt, steht vor einer großen Projektionsfläche. Der Ball wird tatsächlich mit dem eigenen Schläger geschlagen, moderne Technik erfasst den Schlag und überträgt ihn in die virtuelle Golfwelt. Dabei geht es längst nicht nur darum, eine komplette Runde zu spielen. Unterschiedliche Trainingsmodi, eine Driving Range und weitere Übungsmöglichkeiten können ebenso ausgewählt werden. Gleichzeitig lassen sich virtuelle Golfplätze spielen, ohne Föhr dafür verlassen zu müssen. Für Michael Knust, Spielführer der Senioren im Golf Club Föhr e.V., ist genau diese Mischung interessant. Sein erster Eindruck bei der Eröffnung: „super“. Seine eigene Spielgruppe denke bereits darüber nach, im Winter regelmäßig in die neue Anlage auszuweichen. Gerade bei schlechtem Wetter sei das Angebot eine Bereicherung.
Knust sieht den Simulator mindestens zur Hälfte als Trainingsmöglichkeit. Spieler können allein gezielt an ihrem Spiel arbeiten, gleichzeitig sind gemeinsame Runden und kleine Wettspiele möglich. Einen weiteren Unterschied zum Golfplatz merkt man spätestens beim Blick auf die Uhr. Für eine klassische 18-Loch-Runde im Freien müsse man mindestens vier Stunden einplanen, erklärt Knust. Indoor entfällt dagegen der Weg von Schlag zu Schlag. Nach einem Abschlag kann praktisch unmittelbar weitergespielt werden. Und wer bislang noch nie einen Golfschläger in der Hand hatte, soll ausdrücklich ebenfalls willkommen sein. Gerade zum Ausprobieren hält Knust die Anlage für geeignet. Einsteiger könnten sich zunächst in Ruhe mit dem Spiel beschäftigen, ohne das Gefühl zu haben, dass auf einer Driving Range oder einem Golfplatz andere Spieler zuschauen und warten. „Man kann sich ganz in Ruhe mit dem System einarbeiten und einfach Spaß haben.“
Ein besonderes Merkmal des Konzepts ist, dass die Anlage weitgehend autonom betrieben wird. Es muss also nicht permanent ein Mitarbeiter vor Ort sein. Die Spielzeit wird digital über die Internetseite beziehungsweise PC CADDIE gebucht und bargeldlos bezahlt. Anschließend erhält der Spieler einen Zugangscode. Fünf Minuten vor der reservierten Startzeit kann damit die Anlage betreten werden. Pro gebuchter Stunde stehen 55 Minuten Spielzeit zur Verfügung. Wer länger spielen möchte, kann entsprechend mehrere Stunden buchen. Aktuell ist IndoorGolf-Föhr montags bis sonntags von 9 bis 20 Uhr buchbar. Nach Angaben der Betreiber kann bei einer Startzeit um 20 Uhr derzeit noch bis 22 Uhr gespielt werden. Ob die Zeiten später erweitert werden, soll von der Nachfrage und den Erfahrungen der ersten Monate abhängen. „Wir wollen diesen Winter erst mal überstehen“, sagt Wolfgang Müller mit Blick auf die Startphase. Dabei gehe es nicht nur um die Auslastung. Die Betreiber wollen beobachten, wo technisch oder bei der Ausstattung nachgebessert werden kann und welche Wünsche die Spieler haben. Erste Anregungen gab es schon bei der Eröffnung: Zusätzliche Ablageflächen wurden angesprochen – und sollen kurzfristig kommen. Ganz ohne eigene Ausrüstung funktioniert der Besuch allerdings nicht. Golfschläger müssen selbst mitgebracht werden. Tees und Golfbälle können dagegen vor Ort am Automaten erworben werden. Auch Snacks und Getränke stehen zur Selbstversorgung bereit.
Eigentlich sollte IndoorGolf-Föhr bereits rund zwei Monate früher fertig sein. Dass daraus nichts wurde, lag nach Angaben von Wolfgang Müller an der Vielzahl unterschiedlicher technischer Komponenten. Simulatoren, Buchungs- und Zahlungssystem, Zugangskontrolle, Alarmtechnik und weitere Systeme mussten miteinander verbunden werden. „So eine Anlage kann man nicht einfach fertig von der Stange kaufen“, erklärt Müller. Für die Simulator-Technik arbeitet das Unternehmen unter anderem mit Foresight Sports zusammen, bei Buchung und Verwaltung kommt PC CADDIE zum Einsatz. Hinzu kamen die Systeme für bargeldlose Zahlung, Zugang und Versorgung. Das Zusammenspiel habe mehr Zeit benötigt als zunächst angenommen. Dafür sollte am Ende nicht einfach ein dunkler Raum mit Leinwand und Abschlagmatte entstehen. Große Aufnahmen des Golf Club Föhr bringen ein Stück Insel in die Indoor-Anlage. Die Idee dazu kam von Wolfgang Müller. Sohn Marco beschreibt den Gedanken dahinter so: Im Winter könne man auf die Bilder des Föhrer Platzes schauen, spielen und sich gleichzeitig schon wieder auf die kommende Saison draußen freuen. Für seinen Vater gehört dieser Wohlfühlfaktor ausdrücklich zum Konzept. Wer mit Freunden zum Golfen komme, solle sich dort gerne länger aufhalten. Sofas und Sitzgelegenheiten gehören deshalb genauso zur Anlage wie Simulator und Abschlagfläche. Indoor-Golf soll hier nicht ausschließlich Training sein, sondern auch gemeinsames Freizeiterlebnis.
Hinter der neuen Anlage steckt gleichzeitig eine kleine Familiengeschichte. Wolfgang Müller arbeitet gemeinsam mit seinem Sohn an den Projekten im Greenpark. Im Gespräch mit unserer Redaktion ging es deshalb auch um die Frage, wie es sich für Marco Müller anfühlt, zunehmend Verantwortung zu übernehmen. „Der Staffelstab wird übergeben“, beschreibt er die Entwicklung der vergangenen Jahre. Vieles davon sei nach außen gar nicht unmittelbar sichtbar. Dass sein Vater dabei ein Vorbild sei, sagt Marco Müller ganz offen: „Wenn man ein großes Vorbild hat – und das ist mein Vater –, dann freut man sich schon, in der Zukunft in die Fußstapfen zu treten.“ Ganz verschwinden wird Wolfgang Müller offenbar trotzdem noch nicht. Für seinen Sohn hat gerade das seinen Charme: Auch während der Übergabe bleibe ein Ansprechpartner an seiner Seite. Und der Vater? Der freut sich vor allem darüber, „dass die nächste Generation mitarbeitet“.
Für Wolfgang Müller ist IndoorGolf-Föhr eine Premiere für die Insel. „Das hat es hier überhaupt noch nicht gegeben“, sagt er. Mit der neuen Anlage wolle man ein Angebot schaffen, das unabhängig von Jahreszeit und Wetter funktioniert. Wie sich das Konzept entwickelt, sollen nun die kommenden Monate zeigen. Beim Golf Club Föhr gibt es jedenfalls bereits erste Ideen für den Winter. Und die Betreiber denken bewusst über die klassischen Clubspieler hinaus. „Wir freuen uns einfach auf ganz viele neue Gäste und neue Spieler, Bestandsspieler, auf Urlauber“, sagt Marco Müller. Willkommen seien letztlich alle, die ausprobieren möchten, wie Golf vor einer Leinwand funktioniert. Damit dürfte ausgerechnet der Föhrer Winter zur ersten richtigen Bewährungsprobe werden. Wenn draußen Regen quer über die Insel zieht und der Wind einen echten Golfball schnell in eine ganz andere Richtung schicken könnte, bleiben drinnen zwei Dinge konstant: das Wetter auf dem Bildschirm – und die Tatsache, dass der nächste Abschlag nur wenige Schritte entfernt ist.
Fotos: Stefan Gaul u. Julia Sassenberg
Geschrieben von: admin
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