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Noch ist nichts beschlossen: Die WWF will große Gebiete rund um Föhr und Amrum fischereifrei machen.
Der WWF legt einen neuen Plan für fischereifreie Gebiete im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vor. Betroffen wären auch Norder- und Süderaue zwischen Föhr, Amrum und dem Festland. Die Krabbenfischer sehen feste Sperrzonen kritisch.
Zwischen Föhr, Amrum und dem Festland könnten große Teile des Wattenmeeres künftig für die Fischerei tabu sein. Der WWF Deutschland hat einen konkreten Vorschlag für neue fischereifreie Gebiete im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer vorgelegt. Für unsere Inseln ist der Plan besonders relevant: Unter anderem sollen die Norder- und Süderaue zwischen den Inseln und dem Festland sowie küstenferne Gebiete westlich beziehungsweise nordwestlich von Amrum als Ruhezonen ausgewiesen werden. Insgesamt umfasst der Vorschlag nach Angaben des WWF rund 65 Prozent der gesamten Nationalparkfläche.
Der Plan trifft auf eine ohnehin schwierige Situation für die Krabbenfischerei. Ein Dialog zwischen Fischerei und Naturschutz war ohne gemeinsame Lösung zu Ende gegangen. Nun versucht der WWF mit einem eigenen Flächenvorschlag, Bewegung in die festgefahrene Diskussion zu bringen. Die Umweltorganisation argumentiert, dass sich ein vergleichsweise großer Schutz der Unterwasserwelt mit einer deutlich geringeren Einschränkung der tatsächlich ausgeübten Krabbenfischerei verbinden lasse. Der Landesfischereiverband sieht feste Sperrgebiete dagegen kritisch.
Bei den Prozentzahlen lohnt sich ein genauer Blick. Nach dem WWF-Papier sollen die vorgeschlagenen Gebiete zusammen rund 65 Prozent der gesamten Nationalparkfläche umfassen. Dabei besteht der Nationalpark sowohl aus dauerhaft wasserbedeckten Bereichen – dem sogenannten Sublitoral – als auch aus Wattflächen, die bei Ebbe trockenfallen. Von den ständig wasserbedeckten Bereichen würden nach dem WWF-Konzept rund 58 Prozent fischereifrei. Beim trockenfallenden Eulitoral sind es gut 76 Prozent.
Das bedeutet allerdings nicht, dass künftig 58 oder 65 Prozent der heutigen Krabbenfischerei wegfallen würden. Der WWF hat nach eigenen Angaben Fangdaten aus den Jahren 2017 bis 2022 ausgewertet und die Gebiete auch danach ausgewählt, wo tatsächlich gefischt wird. Auf die vorgeschlagenen Flächen entfielen demnach lediglich rund 25 Prozent des Fischereiaufwandes der Krabbenfischerei innerhalb der schleswig-holsteinischen Küstengewässer. Der WWF versteht seinen Vorschlag deshalb als Versuch, möglichst große zusammenhängende Rückzugsräume zu schaffen und gleichzeitig die wirtschaftlich besonders wichtigen Fanggebiete weniger stark zu treffen.
Hintergrund der Forderung ist die Einschätzung der Umweltorganisation, dass der Schutzstatus des Nationalparks unter Wasser bislang nicht ausreiche. Der WWF verweist unter anderem auf Belastungen des Meeresbodens durch Grundschleppnetze und fordert seit längerem größere nutzungsfreie Bereiche, in denen sich natürliche Lebensräume ohne Fischerei entwickeln können.
Für Föhr und Amrum wird der Vorschlag beim Blick auf die Karte besonders konkret. Der WWF möchte ganze Tidebecken beziehungsweise zusammenhängende Meeresgebiete schützen. Dazu zählen die Norder- und Süderaue zwischen den nordfriesischen Inseln und dem Festland. Hinzu kommen die Tidebecken bei Sylt sowie küstenferne Bereiche vor Amrum und Sylt einschließlich des Schweinswalschutzgebietes. Weiter südlich sind ebenfalls Flächen vorgesehen. Im Elbmündungsgebiet schlägt der WWF zusätzlich eine nur im Juli und August geltende Schließung zum Schutz mausernder Brandgänse vor. Nach Darstellung des WWF wurden für den Vorschlag nicht wahllos möglichst große Flächen markiert. Im Fokus stehen zusammenhängende Gebiete, in denen sich unter anderem Miesmuschelbänke, Sandkorallenriffe, Seegras und Seemoos entwickeln beziehungsweise wiederherstellen könnten. Gleichzeitig sollen Wanderwege von Meerestieren berücksichtigt werden. Andere für die Krabbenfischerei besonders wichtige Fanggründe sollen nach dem Vorschlag ausdrücklich geöffnet bleiben. Dazu gehören Bereiche direkt vor Sylt, vor Büsum, südlich von Eiderstedt sowie das Rütergat. Der WWF bezeichnet seinen Entwurf deshalb als möglichen Kompromiss zwischen Naturschutz und einer weiterhin bestehenden Krabbenfischerei.
Auf Seiten der Fischerei fällt die Bewertung deutlich anders aus. Der Landesfischereiverband Schleswig-Holstein lehnt pauschale Verbote und dauerhaft festgelegte Sperrgebiete ab. Jan Möller, Vorsitzender der Sparte See- und Krabbenfischerei der Nordsee, warnt nach Angaben des NDR unter anderem davor, dass sich Krabben in geschützte Bereiche verlagern könnten und für die verbliebenen Kutter damit wirtschaftlich wichtige Fangmöglichkeiten verloren gingen. Statt starrer Grenzen hält er flexiblere, dynamische Regelungen für sinnvoller. Hinzu kommt die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage der Branche. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hatte 2024 ein umfangreiches Zukunftsprogramm für die Krabbenfischerei auf den Weg gebracht. Nach den jetzt genannten Zahlen wurde für 25 von 80 Kuttern in Schleswig-Holstein bereits eine Stilllegungsprämie beantragt. Der Landesfischereiverband argumentiert deshalb, dass sich die Fangkapazitäten durch das Ausscheiden von Kuttern ohnehin deutlich reduzieren könnten und zusätzliche feste Verbotszonen die verbleibenden Betriebe weiter belasten würden.
Damit prallen zwei grundverschiedene Ansätze aufeinander: Der WWF möchte dauerhaft größere Rückzugsräume schaffen, in denen sich die Unterwasserwelt möglichst unbeeinflusst entwickeln kann. Die Fischereiseite verweist dagegen auf eine ohnehin schrumpfende Flotte und fordert Lösungen, die sich stärker an der tatsächlichen Entwicklung von Beständen und Fischerei orientieren.
Neu ist die Auseinandersetzung nicht. Naturschutz, Fischerei und Politik haben bereits im sogenannten Zukunftsdialog Krabbenfischerei versucht, einen gemeinsamen Weg zu finden. Ein zentraler Streitpunkt war gerade die Frage, welchen Umfang zusätzliche fischereifreie Gebiete im Nationalpark haben sollen. Eine gemeinsame Lösung kam nicht zustande; die Gespräche wurden bislang nicht wieder aufgenommen. Der WWF verbindet seinen neuen Vorschlag deshalb ausdrücklich mit der Forderung, den Dialog wieder in Gang zu bringen. Entschieden ist mit der Veröffentlichung allerdings noch gar nichts. Die grün und orange markierten Flächen auf der jetzt veröffentlichten Karte sind Vorschläge des WWF und keine bereits beschlossenen Sperrgebiete. Ob, in welchem Umfang und zu welchem Zeitpunkt daraus tatsächlich verbindliche fischereifreie Zonen entstehen könnten, ist offen.
Gerade für Föhr und Amrum dürfte die weitere Diskussion dennoch interessant werden. Denn auf der Karte ist deutlich zu erkennen: Sollte der Vorschlag in dieser Form umgesetzt werden, lägen einige der großen neuen Ruhezonen unmittelbar im Seegebiet rund um die Inseln. Gleichzeitig geht es um die Zukunft einer traditionellen Küstenfischerei, die wirtschaftlich bereits unter erheblichem Veränderungsdruck steht. Damit dürfte die entscheidende Frage der nächsten Runde dieselbe bleiben, an der sich die Beteiligten bislang nicht einigen konnten: Wie viel Raum braucht die Natur im Nationalpark – und wie viel Raum muss der Krabbenfischerei bleiben?
Foto: Privat
Geschrieben von: admin
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