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Papierformulare sollen bei der Tourismusabgabe der Vergangenheit angehören: Das Amt Föhr-Amrum hat den neuen vollständig digitalen Verwaltungsdienst gestartet.
Die Tourismusabgabe auf Föhr und Amrum kann ab sofort vollständig digital abgewickelt werden. Rund 5.500 Abgabefälle betrifft die Umstellung. Das Pilotprojekt soll später auch anderen Kommunen in Schleswig-Holstein als Vorlage dienen.
Formular ausfüllen, ausdrucken, unterschreiben und anschließend per Post verschicken oder persönlich beim Amt abgeben: Für die Tourismusabgabe auf Föhr und Amrum soll dieser Ablauf der Vergangenheit angehören. Das Amt Föhr-Amrum hat einen neuen vollständig digitalen Verwaltungsdienst in den regulären Betrieb genommen. Rund 5.500 Tourismusabgabefälle im Amtsgebiet sollen damit künftig online erfasst, gemeldet und abgerechnet werden können – ohne Papierformular und ohne Medienbruch.
Betroffen sind alle abgabepflichtigen Betriebe auf Föhr und Amrum, darunter Unternehmen aus Beherbergung, Gastronomie, Handel, Handwerk und weiteren touristisch geprägten Bereichen. Das Besondere an dem Projekt: Die Digitalisierung beschränkt sich nicht darauf, ein bisheriges Formular einfach ins Internet zu stellen. Der gesamte Vorgang von der Dateneingabe bis zur Abrechnung soll digital funktionieren.
Bevor der Dienst für alle freigeschaltet wurde, ließ das Amt die neue Lösung unter möglichst realistischen Bedingungen ausprobieren. Rund 20 Pilotbetriebe aus Beherbergung, Handel, Gastronomie, Handwerk und Verkehr testeten den Ablauf aus Sicht der späteren Nutzer – von der Eingabe ihrer Daten bis zur Abrechnung. Die Erfahrungen aus dieser Testphase flossen anschließend noch einmal in die Weiterentwicklung ein.
Für Amtsdirektor Christian Stemmer war gerade dieser Schritt entscheidend. Bereits im Mai hatte das Amt angekündigt, die Verwaltung der rund 5.500 Fälle konsequent digitalisieren zu wollen. „Mit dem Livegang der Digitalen Tourismusabgabe lösen wir ein Versprechen ein, das wir im Mai gegeben haben: digitale Verwaltung, die im Alltag unserer Betriebe wirklich ankommt“, erklärt Stemmer. Die intensive Testphase mit den Gewerbetreibenden sei wichtig gewesen, um vor dem Start noch Verbesserungen vornehmen zu können.
Für die Betriebe soll das vor allem weniger Aufwand bedeuten. Papierformulare müssen nicht mehr eingesandt werden, für die entsprechenden Vorgänge ist kein Behördengang notwendig und auch der Wechsel zwischen digitalen und analogen Arbeitsschritten soll entfallen.
Entstanden ist das System nicht allein auf Föhr und Amrum. Hinter dem Projekt steht eine Zusammenarbeit des Amtes Föhr-Amrum mit der Staatskanzlei Schleswig-Holstein und dem dänischen IT-Unternehmen Netcompany. Die technische Grundlage bildet eine modulare Plattform, die nicht ausschließlich für die Tourismusabgabe auf den beiden Inseln entwickelt wurde. Genau darin liegt die überregionale Bedeutung des Projekts: Die auf Föhr und Amrum eingesetzte Lösung soll als Blaupause für weitere Kommunen in Schleswig-Holstein dienen. Nach Angaben des Amtes ist vorgesehen, sie spätestens ab dem 1. Januar 2027 auch für eine Übertragung auf andere Kommunen nutzbar zu machen. Perspektivisch könnte die technische Grundlage zudem für weitere Arten von Abgaben eingesetzt werden.
Schleswig-Holsteins Minister für Digitalisierung und Medienpolitik Dirk Schrödter bezeichnet den Produktivbetrieb deshalb als einen Meilenstein auf dem Weg zu vollständig digitalen Verwaltungsprozessen. Ziel sei, „dass Daten fließen und nicht die Menschen und Unternehmen Papier verschicken oder in die Behörden laufen müssen“. Gleichzeitig verweist Schrödter auf den deutsch-dänischen Charakter des Projekts: Die auf den Inseln gesammelten Erfahrungen sollen helfen, Lösungen zu entwickeln, die später über einzelne Zuständigkeiten und Regionen hinaus eingesetzt werden können.
Auch Jess Møller Knudsen, DACH Managing Director bei Netcompany, sieht darin mehr als ein einzelnes Digitalisierungsprojekt. Die zugrunde liegende Plattform sei von Beginn an so konzipiert worden, dass sie über Föhr und Amrum hinaus eingesetzt und auch auf andere Abgabenarten übertragen werden könne. Für das Unternehmen habe die Zusammenarbeit zudem strategische Bedeutung, weil Erfahrungen aus der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung in Dänemark mit den Anforderungen der Kommunen in Schleswig-Holstein verbunden würden. Für das Amt Föhr-Amrum ist die digitale Tourismusabgabe wiederum Teil einer größeren Strategie. Bereits seit dem 29. April 2026 läuft mit MOINBoard.de ein digitaler Dienst für interessierte Fachkräfte, über den ein Zuzug vollständig online abgewickelt werden kann. Hinzu kommen die Digitalen Knotenpunkte auf Föhr und Amrum.
Mit der Tourismusabgabe erreicht die Digitalisierung nun einen Bereich, der auf den beiden stark vom Tourismus geprägten Inseln besonders viele Betriebe betrifft. Entscheidend wird deshalb sein, wie sich der neue Dienst im täglichen Einsatz bewährt. Die ersten Erfahrungen haben rund 20 Unternehmen bereits vor dem Start gesammelt – nun folgt mit den etwa 5.500 Abgabefällen der Praxistest im großen Maßstab.
Foto: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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