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Luftrettung für Föhr und Amrum: Christoph Europa 5 soll ab Sommer 2027 von neuem PinS-Flugverfahren profitieren

todayOktober 5, 2026 588 131 5

Hintergrund
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Wenn Nebel den Rettungshubschrauber stoppt: Ab Sommer 2027 soll sich für Föhr und Amrum Entscheidendes ändern

Nebel und tiefe Wolken können Rettungsflüge nach Föhr und Amrum bislang verhindern. Schleswig-Holstein will deshalb ab Sommer 2027 das neue Point-in-Space-Verfahren einführen. Amrum und Niebüll gehören zu den ersten geplanten Punkten – profitieren sollen langfristig alle vier Rettungshubschrauber des Landes.

Bei einem medizinischen Notfall auf Föhr oder Amrum zählt jede Minute. Doch ausgerechnet Nebel und tiefe Wolken können bislang dazu führen, dass ein dringend benötigter Rettungshubschrauber nicht fliegen kann. Selbst Christoph Europa 5 in Niebüll und Christoph 42 in Rendsburg-Schachtholm, die bereits für Instrumentenflug ausgerüstet sind, stoßen bei schlechten Sichtbedingungen an Grenzen. Schleswig-Holstein will das mit einem neuen Flugverfahren ändern – und gerade die nordfriesischen Inseln sollen davon profitieren.

Das sogenannte Point-in-Space-Verfahren, kurz PinS, soll nach aktuellem Planungsstand im Sommer 2027 in Betrieb gehen. Eigentlich war der Start bereits für den Sommer 2026 vorgesehen. Aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Landtagsabgeordneten Dr. Heiner Garg geht nun hervor, dass sich das Projekt um etwa ein Jahr verzögert. Das Verfahrensdesign ist demnach bereits abgeschlossen und im Simulator erprobt. Eine Herausforderung stellt derzeit unter anderem die IT-Integration dar.

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Die Deutsche Flugsicherung (DFS) plant nach Angaben der Landesregierung, das Verfahren im März 2027 an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung zu übergeben. Dort wird mit einer Bearbeitungszeit von rund drei Monaten gerechnet. Eine Inbetriebnahme im Sommer 2027 gilt damit derzeit als realistisch.

Amrum gehört zu den ersten vier geplanten Punkten

Besonders interessant für die Inseln ist, wo die ersten PinS-Verfahren eingerichtet werden sollen. Vorgesehen sind Niebüll, Flensburg, Amrum und das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel. In Niebüll betrifft das sowohl die Luftrettungsstation als auch das Krankenhaus. Auf Föhr selbst ist in dieser ersten Ausbaustufe noch kein eigener PinS-Punkt vorgesehen. Amrum bekommt dagegen eine besondere Funktion: Der dort geplante Punkt soll als Ausgangsbasis dienen, um unter Sichtflugbedingungen zu den Inseln und Halligen weiterzufliegen. Auch Föhr könnte damit von dem neuen Verfahren profitieren.

Dabei soll es nicht bei diesen vier Punkten bleiben. Ziel ist nach Angaben der Landesregierung, weitere Krankenhäuser, Luftrettungsstationen und Einsatzorte auf den Nordseeinseln an das Point-in-Space-Netz anzubinden. Die Detailplanung läuft bereits seit Sommer 2025. Dabei geht es unter anderem um Geschwindigkeiten und Flughöhen, Verfahren bei einem abgebrochenen Anflug sowie die spätere Veröffentlichung der festgelegten Flugverfahren.

Christoph Europa 5 und Christoph 42 sind bereits für Instrumentenflug ausgerüstet

Für Föhr und Amrum spielt vor allem Christoph Europa 5 eine zentrale Rolle. Der in Niebüll stationierte Rettungshubschrauber ist bereits für Instrumentenflug ausgerüstet. Gleiches gilt für Christoph 42 in Rendsburg-Schachtholm. Das allein reicht bislang allerdings nicht aus, um bei Nebel oder einer niedrigen Wolkendecke jeden Einsatz durchführen zu können. Gerade der Weg aus dem kontrollierten Instrumentenflug bis zu einer geeigneten Landestelle kann zum entscheidenden Hindernis werden. Genau hier setzt Point-in-Space an. Vereinfacht gesagt wird für den Hubschrauber ein festgelegtes An- beziehungsweise Abflugverfahren im dreidimensionalen Luftraum geschaffen. Über genau definierte Punkte kann die Maschine im Instrumentenflug näher an ihr Ziel herangeführt werden. Erst von einem festgelegten Punkt aus erfolgt der weitere Flug zur Landestelle unter Sichtflugbedingungen.

Völlig wetterunabhängig wird die Luftrettung dadurch allerdings nicht. Gewitter, Vereisung oder andere gefährliche Wetterlagen können auch mit PinS weiterhin dazu führen, dass ein Hubschrauber nicht starten oder einen Einsatz nicht fortsetzen kann.

Auch Christoph 67 und Christoph 12 sollen profitieren

Bemerkenswert ist, dass Schleswig-Holstein das neue System nicht ausschließlich auf die bereits instrumentenflugfähigen Maschinen beschränken will. Auch Christoph 67 in Hohenlockstedt und Christoph 12 in Siblin, die derzeit nicht instrumentenflugberechtigt sind, sollen die PinS-Verfahren künftig nutzen können. Grundsätzlich sollen die neuen Verfahren für die öffentlich-rechtliche Luftrettung in Schleswig-Holstein zur Verfügung stehen. Damit entsteht perspektivisch ein Netz, das nicht nur auf einen einzelnen Hubschrauber oder eine einzelne Station zugeschnitten ist.

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Schleswig-Holstein übernimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle. Bereits 2021 hatte der Landtag den Antrag „Luftrettung auf Inseln und Halligen innovativ weiterentwickeln“ einstimmig angenommen. Gerade die schwierige Erreichbarkeit der Inseln und Halligen bei schlechtem Wetter war einer der Gründe für das Projekt.

Hunderte Insel-Einsätze mussten wetterbedingt abgesagt werden

Wie groß das Problem in der Praxis ist, zeigen Zahlen der DRF Luftrettung. An den Stationen Niebüll und Rendsburg konnten zwischen 2021 und 2025 insgesamt 1.142 Einsätze aufgrund der Wetterbedingungen nicht durchgeführt werden. 303 davon betrafen Inselverbindungen. Bereits zwischen 2016 und 2020 waren demnach 333 Flüge zu Inseln und Halligen wegen des Wetters ausgefallen.

Diese Zahlen bedeuten allerdings nicht, dass mit PinS künftig alle diese Einsätze stattfinden könnten. Wetterbedingte Ausfälle entstehen schließlich nicht ausschließlich durch schlechte Sicht. Auch Gewitter oder Vereisung können einen sicheren Flug unmöglich machen. Trotzdem erwartet das Land einen spürbaren Effekt: Die Einsatzfähigkeit der Rettungshubschrauber könnte durch Point-in-Space nach Einschätzung der Landesregierung um bis zu zehn Prozent steigen. Besonders bei niedriger Wolkendecke oder Nebel soll das Verfahren zusätzliche Möglichkeiten schaffen.

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Gerade mit Blick auf die Krankenhausreform wird die Luftrettung wichtiger

Für Föhr und Amrum bekommt die Entwicklung noch aus einem anderen Grund besonderes Gewicht. Durch die Neuordnung der Krankenhauslandschaft sollen medizinische Leistungen stärker an spezialisierten Standorten gebündelt werden. Dadurch können Transportwege für Patienten länger werden. Die Landesregierung misst PinS deshalb ausdrücklich eine hohe Bedeutung für die künftige Patientenversorgung bei. Gerade für die Bewohner der Inseln und Halligen bestehe ein hoher Nutzen. Schnellere und wetterunabhängigere Transportmöglichkeiten könnten dazu beitragen, die Zeit bis zur medizinischen Behandlung bei zeitkritischen Notfällen möglichst kurz zu halten.

Auch Dr. Heiner Garg drängt deshalb auf Fortschritte. Der FDP-Abgeordnete kritisiert die Verzögerung und sieht noch offene Fragen – insbesondere mit Blick auf die Inseln und Halligen. Für Menschen im ländlichen Raum dürfe letztlich nicht das Wetter darüber entscheiden, wie schnell medizinische Hilfe sie erreicht. Für Föhr bleibt dabei ein wichtiger Punkt: Ein eigener PinS-Punkt auf der Insel gehört bislang nicht zur ersten Ausbaustufe. Mit Niebüll und insbesondere dem vorgesehenen Punkt auf Amrum soll die Erreichbarkeit der nordfriesischen Inselwelt dennoch verbessert werden. Weitere Einsatzorte auf den Nordseeinseln sollen perspektivisch folgen.

Bis dahin bleibt noch einiges an Arbeit. Wenn die Zulassung wie geplant vorankommt, könnte aber ab Sommer 2027 ein Stück weit weniger vom Nebel abhängen, ob ein Rettungshubschrauber seinen Weg zu den Inseln antreten kann.

Fotos: Stefan Gaul u. Privat

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Geschrieben von: admin

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