Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Alois Rainer verhandelt mit seinen Kolleginnen und Kollegen in Luxemburg über die Fischfangmengen 2027. Foto: Ann-Kristin Wenzel/dpa
Luxemburg (dpa) – In den Verhandlungen um die Fischereiquoten in der Ostsee für 2027 will sich Bundesernährungsminister Alois Rainer (CSU) für die sogenannte kleine Küstenfischerei einsetzen. «Der Kommissionsvorschlag geht gerade beim westlichen Hering zu weit und die Beibehaltung der Ausnahmen, wie wir sie jetzt haben, ist mir, aber vor allem unserer Fischerei, sehr, sehr wichtig», sagte Rainer vor einem zweitägigen Treffen der zuständigen Ministerinnen und Minister in Luxemburg. Sie wollen festlegen, wie viel Hering, Dorsch, Scholle, Lachs und Sprotte im kommenden Jahr in der Ostsee gefangen werden darf.
Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Es gibt aber eine Ausnahme: Mit Booten unter zwölf Metern dürfen Fischer mit passivem Fanggerät, also etwa Stellnetzen, weiterhin gezielt Heringe fischen. Ansonsten darf Hering dort nur noch als unbeabsichtigter Beifang angelandet werden.
Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, die dabei erlaubte Fangmenge im kommenden Jahr auf 437 Tonnen fast zu halbieren (2026: 788 Tonnen). Einem ähnlichen Vorschlag waren die zuständigen Ministerinnen und Minister im vergangenen Jahr nicht gefolgt. Die Verhandlungen über die Fangquoten sind traditionell schwierig und ziehen sich oft über Stunden bis in die Nacht, manchmal auch in den nächsten Tag.
Rainer sagte, es sei wichtig, zwei Ziele unter einen Hut zu bekommen: «Nämlich die Erholung der Bestände in der Ostsee und Erhalt der wirtschaftlichen Grundlage für die deutsche Küstenfischerei.» Er warnte vor dem Verlust von der Existenzgrundlage der Fischer, sollte der westliche Hering wegfallen. Auch das Thünen-Institut sehe dort durch die Ausnahmen keine Gefahr für die Erholung des Bestandes.
Fischereiexperte Christopher Zimmermann, der das Rostocker Thünen-Institut für Ostseefischerei leitet, hatte der Deutschen Presse-Agentur gesagt, dass die zuletzt noch zugelassene Fangmenge für Hering der westlichen Ostsee keinen messbaren Einfluss mehr auf die Bestandsentwicklung habe.
Der Naturschutzbund (Nabu) sieht das anders. «Angesichts der dramatischen Bestandssituation kommt es heute auf jede Tonne laichbereiten Herings an, damit sich die Bestände trotz der zusätzlichen Belastungen durch die Klimakrise erholen können», sagte Kim Cornelius Detloff, Leiter Meeresschutz beim Nabu Bundesverband. «Vor diesem Hintergrund wirken auch die bisherigen Ausnahmen für die passive Heringsfischerei in der westlichen Ostsee nicht mehr zeitgemäß.»
Minister Rainer verwies mit Blick auf die Lage der Fischer zudem darauf, dass Deutschland der Küstenfischerei zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit 21 Cent je Liter Diesel erstattet habe. Die Beihilfen wurden jüngst wegen der hohen Diesel-Preise bis Ende des Jahres verlängert.
Agrar Deutschland EU Europa Fischerei Mecklenburg-Vorpommern Schleswig-Holstein
Die perfekte Begleitung für euren Nachmittag. Gute Musik, beste Unterhaltung und die passende Portion Inselgefühl bis zum Feierabend.
close
Beitrags-Kommentare (0)