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todayAugust 28, 2026 40 7 5
Zehn Tage Literatur auf der ganzen Insel: „Föhr erLesen“ geht vom 4. bis 13. September mit insgesamt 41 Veranstaltungen in seine sechste Auflage.
Bestsellerautorin Beatrix Gerstberger, Krimis, Lesungen im Bus und vier Sternenwanderungen: „Föhr erLesen“ verwandelt die Insel vom 4. bis 13. September mit 41 Veranstaltungen in eine große Literaturbühne.
Literatur im Kurgartensaal, Geschichten während einer Busfahrt, Musik unter dem Sternenhimmel und Lesungen an ungewöhnlichen Orten: Wenn Anfang September „Föhr erLesen“ beginnt, wird für zehn Tage nahezu die gesamte Insel zur Bühne. Vom 4. bis 13. September geht das Literaturfestival bereits in seine sechste Auflage – und fällt 2026 so umfangreich aus wie kaum zuvor. Unter dem Motto „GEZEITEN – Im Rhythmus von Ebbe und Flut“ stehen insgesamt 41 Veranstaltungen auf dem Programm. Mit dabei sind bekannte Autorinnen und Autoren, neue Literaturpreise und Formate, die bewusst über die klassische Lesung hinausgehen.
Was 2021 auf Initiative der Wyker Autorin Sabine Nielsen begann, hat sich damit innerhalb weniger Jahre fest im Föhrer Veranstaltungskalender etabliert. Zehn Aktive stemmen nach Angaben der Organisatoren inzwischen das Festival. „Es ist echt richtig viel Arbeit“, sagt Simone Welzien aus dem Vorstand des veranstaltenden Vereins erLesen – Föhrer Buchtage. Der Anspruch sei, das Festival an allen Stellen möglichst professionell aufzustellen.
Das diesjährige Motto ist dabei weit mehr als nur eine Überschrift. Ebbe und Flut stehen sinnbildlich für Kommen und Gehen, Wandel und Beständigkeit, Aufbruch und Sehnsucht. Genau diese Motive sollen sich vom 4. bis 13. September durch Lesungen, Gespräche, Geschichten, Musik und weitere Formate ziehen. Gleichzeitig wächst „Föhr erLesen“ auch inhaltlich weiter. Bereits ein Jahr nach der Premiere des Festivals wurden erste Literaturpreise ins Leben gerufen. 2026 kommen mit einem Jugendlyrikpreis und dem „Friisk Lüürik Pris“ für friesische Lyrik zwei weitere Auszeichnungen hinzu. Die Entscheidungen sind bereits gefallen – öffentlich gemacht werden sollen sie allerdings erst während der Buchtage. „Die Jurys haben schon getagt, aber wir dürfen natürlich noch nichts verraten“, sagt Welzien.
Zum Auftakt wartet direkt einer der prominentesten Namen des diesjährigen Programms. Beatrix Gerstberger eröffnet „Föhr erLesen“ am Freitag, 4. September. Die Journalistin und Autorin landete mit ihrem Roman „Die Hummerfrauen“ einen großen Erfolg: Das im US-Bundesstaat Maine angesiedelte Buch erreichte Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste. Um 19 Uhr liest Gerstberger im Kurgartensaal am Wyker Sandwall und kommt anschließend mit dem Publikum ins Gespräch. Für die Organisatoren passt ihr Besuch besonders gut, weil inzwischen auch ihr zweites Buch erschienen ist. Das Festival beginnt damit gleich am ersten Abend mit einer Autorin, deren Werke derzeit eine große Leserschaft erreichen.
Nur zwei Tage später wird es im Kurgartensaal kriminell. Am Sonntag, 6. September, ist dort ab 19 Uhr der Segeljournalist und Autor Detlef Jens zu Gast. In seinem zweiten Kriminalroman „Gefährliche Zeiten“ schickt er den Versicherungsdetektiv Fabian Timpe in die Bretagne, wo dieser einen mysteriösen Brand auf einer Yacht aufklären soll. Für den Föhrer Abend haben sich die Veranstalter eine passende Verbindung zur Insel überlegt: Das Bühnengespräch mit Jens führt Niko von der Lancken, langjähriger Vorsitzender des Wyker Yacht Clubs. Zuvor wollen beide sogar gemeinsam in den Gewässern des Wattenmeeres segeln – Gesprächsstoff für den Abend dürfte damit ausreichend vorhanden sein.
Dass „Föhr erLesen“ bewusst nicht nur auf klassische Veranstaltungsräume setzt, zeigt ein weiteres Format am 6. September. Gesa Hering nimmt die Literatur mit in den öffentlichen Nahverkehr: Zwischen 11 und 15 Uhr findet auf der Buslinie Wyk–Utersum–Wyk eine „Lesung im Bus“ statt. Wer mitfährt, bekommt Geschichten damit dort präsentiert, wo sonst der ganz normale Inselalltag stattfindet.
Auch der Himmel über Föhr wird Teil des Festivals. Vier Sternenwanderungen sind in Wyk, am Südstrand, in Nieblum und Utersum vorgesehen. Begleitet werden sie vom Sternenlotsen Holger Everding. Dabei soll es ausdrücklich nicht allein um astronomische Fakten gehen. Everding verbindet den Blick in den Nachthimmel auch mit den Geschichten und Sagen, die sich seit Jahrhunderten um Sternbilder ranken. „Er erzählt auch etwas zu den Sagen um die Sternbilder“, beschreibt Simone Welzien das Konzept. Damit verbindet sich wissenschaftlicher Blick mit Erzähltradition – passend zu einem Literaturfestival, das in diesem Jahr immer wieder die Verbindung zwischen Mensch, Natur und Zeit sucht.
Ein besonderer Abend ist für Montag, 7. September, geplant. Unter dem Titel „Musik unterm Sternenhimmel“ treffen im Upstalsboom ab 21 Uhr Literatur- und Naturerlebnis auf Musik. Die auf der Insel bekannte Organistin Birgit Wildeman und die Violinistin Tatjana Pavlenko begleiten den Abend musikalisch, während Holger Everding den Blick der Besucher anschließend beziehungsweise begleitend auf den weiten Föhrer Himmel richtet. Auch Gertrude von Holdt beschäftigt sich mit Weite, Aufbruch und Sehnsucht. Die vielen als „Hallig-Pastorin“ bekannte Autorin ist am 12. September zu Gast auf Föhr. In ihrem Buch „Auf hoher See“ berichtet sie mit Humor über Seeleute, ihre Kapitänsverwandtschaft, schweren Seegang, ferne Länder – und über den Mut, den es als junge Frau brauchte, selbst auf einem Schiff anzuheuern.
Eine bekannte Teilnehmerin des Festivals kehrt ebenfalls zurück. Andrea Paluch ist am Mittwoch, 9. September, um 19 Uhr im Haus des Gastes in Nieblum zu erleben. Im Mittelpunkt steht ihr Roman „Alles für einen: Ruth Berlau“. Darin widmet sie sich der außergewöhnlichen Biografie der Dänin Ruth Berlau. Die Journalistin, Schauspielerin und Regisseurin führte ein eigenständiges und bewegtes Leben, ist jedoch bis heute besonders durch ihre intensive Beziehung zu Bertolt Brecht bekannt. Paluch zeichnet ihren Weg von Kopenhagen bis Paris nach und rückt dabei eine Frau in den Mittelpunkt, die lange vor allem über den berühmten Dramatiker wahrgenommen wurde. Einen ganz anderen, sehr persönlichen Blick auf das Leben verspricht die Veranstaltung mit Alexander Köllner und Lovis Wiefelspütz. Köllner, der eine enge Verbindung zu Föhr hat, schlägt gemeinsam mit seinem schwerbehinderten besten Freund Lovis ein Jahr lang einen ungewöhnlichen Weg ein. Ihr gemeinsames Lese-Gespräch am 7. September soll von Herausforderungen, Freundschaft und neuen Perspektiven erzählen.
Auch Mona Harry ist dem Föhrer Publikum bereits bekannt. Am Freitag, 11. September, kehrt sie mit einer Lesung aus „Nur Fliegen ist schöner“ auf die Insel zurück. In Kooperation mit dem Museum Kunst der Westküste stellt sie neue Texte vor. Bekannt wurde die Autorin und Poetry-Slammerin unter anderem durch ihren Text „Mein Norden“. Überhaupt wollen die Organisatoren Literatur erneut möglichst breit denken. Neben klassischen Lesungen und Autorengesprächen gehören deshalb auch Kinoformate, musikalische Veranstaltungen und weitere kreative Angebote zu den Buchtagen. Selbst im Kino am Sandwall und auf Instagram wird das Festival mit eigens produzierten Trailern begleitet.
Hinter diesem Programm steckt erheblicher ehrenamtlicher Aufwand. Zehn Aktive kümmern sich in diesem Jahr um die Organisation der insgesamt 41 Veranstaltungen. Veranstaltungsorte, Künstler, Technik, Werbung und zahlreiche unterschiedliche Formate müssen über zehn Festivaltage hinweg koordiniert werden. Gerade die Vielfalt gehört inzwischen zum Konzept von „Föhr erLesen“. Literatur soll nicht ausschließlich dort stattfinden, wo man sie erwartet. Ein Bus kann ebenso zum Lesesaal werden wie der Föhrer Nachthimmel zum Schauplatz für Geschichten. Museen, Hotels und klassische Veranstaltungsräume kommen hinzu.
Am Sonntag, 13. September, schließt sich schließlich der Kreis. Zum Abschluss der sechsten Föhrer Buchtage wird es noch einmal inszeniert: Um 18 Uhr beginnt im Friesenmuseum in Wyk die Lesung „Auflaufende Wasser“ mit Amrei Schnock, Torsten Tews und Annamária Cserepka. Nach zehn Tagen endet damit ein Festival, das sein diesjähriges Motto bis zum Schluss aufgreift: Alles hat seine Zeit – und zwischen Ebbe und Flut wird Föhr im September für einige Tage vor allem eines sein: eine Insel voller Geschichten.
Fotos: Stefan Gaul u. Föhr erLesen
Geschrieben von: admin
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