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Was andere als Rost sehen, verwandelt Irmgard Jacobs-Gibau in beeindruckende Kunstwerke. Ihre Ausstellung „Natur küsst Phantasie – RostArt“ ist noch bis zum 11. Juli im Pavillon im Park an der Mühle in Wyk zu sehen.
Wer im Wyker Hafen unterwegs ist, läuft fast täglich an ihnen vorbei: den alten, rostigen Metallpfählen entlang der Kaimauer. Die meisten schenken ihnen kaum einen Blick. Für Irmgard Jacobs-Gibau sind sie dagegen eine unerschöpfliche Quelle der Inspiration. Mit ihrer Kamera entdeckt sie dort Farben, Formen und Strukturen, aus denen beeindruckende Kunstwerke entstehen. Unsere Redaktion hat die Künstlerin in ihrer Ausstellung „Natur küsst Phantasie – RostArt“ im Pavillon im Park an der Mühle besucht und mit ihr über ihre außergewöhnliche Leidenschaft gesprochen.
Angefangen hat alles vor einigen Jahren eigentlich mit einem ganz anderen Fotothema. Zunächst fotografierte Irmgard Spiegelungen, bis ihr die verrosteten Spundwände im Wyker Hafen immer häufiger ins Auge fielen. Aus Neugier machte sie erste Aufnahmen – und war überrascht, was auf den vergrößerten Bildern plötzlich sichtbar wurde. Reliefs, Strukturen und eine faszinierende Dreidimensionalität eröffneten ihr eine völlig neue Welt.
Je näher sie den alten Metallpfählen kam, desto mehr entdeckte sie. Heute robbt sie mit ihrer Kamera teilweise direkt an den Spundwänden entlang, um genau den richtigen Bildausschnitt einzufangen. Dabei entstehen keine nachbearbeiteten Kunstwerke am Computer – sondern Motive, die ausschließlich durch Licht, Perspektive und den perfekten Moment entstehen.
Was viele lediglich als Rost wahrnehmen, sieht Irmgard mit ganz anderen Augen. Für sie sind es Farben, Muster und Formen, die sich ständig verändern. Gelb, Rot, Grün oder Braun verschmelzen zu abstrakten Landschaften, Figuren oder Fantasiewesen. Wind, Salz, Sonne, Sauerstoff und die Gezeiten werden dabei zu den eigentlichen Künstlern.
Besonders faszinierend findet sie, dass jeder Betrachter etwas anderes in ihren Bildern entdeckt. Während manche Tiere erkennen, sehen andere Gesichter, Landschaften oder ganze Geschichten. Selbst sie selbst entdeckt bei Gesprächen mit Besuchern immer wieder neue Details, die ihr zuvor noch nie aufgefallen waren. Genau dieses gemeinsame Entdecken macht für sie einen großen Reiz ihrer Ausstellung aus.
Seit mehreren Wochen präsentiert Irmgard Jacobs-Gibau ihre Werke im Pavillon im Park an der Mühle in Wyk. Für sie ist dieser besondere Ort die perfekte Kulisse. Vor allem die vielen Begegnungen mit den Besuchern haben die Ausstellung für sie zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht.
Immer wieder erlebt sie, dass Menschen gestresst hereinkommen, vor den Bildern zur Ruhe finden und miteinander ins Gespräch kommen. Oft stehen mehrere Besucher gemeinsam vor einem Werk und diskutieren darüber, was sie darin erkennen. Genau das war ihr Wunsch: Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen und ihnen mit ihrer Kunst ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Viele ihrer beliebtesten Werke haben inzwischen bereits neue Besitzer gefunden. Dennoch, sagt sie, habe jedes Bild seinen ganz eigenen Reiz – weil jeder Besucher darin etwas völlig anderes entdeckt.
Auch wenn die aktuelle Ausstellung bald endet, wird das Thema Rost Irmgard Jacobs-Gibau weiterhin begleiten. Im Wyker Hafen warten noch unzählige Motive darauf, entdeckt zu werden. Gleichzeitig arbeitet sie bereits an einem neuen Projekt. Unter dem Titel „Galaxien und ferne Universen“ möchte sie erneut zeigen, wie eng die Strukturen der Natur miteinander verbunden sind und welche faszinierenden Muster überall verborgen liegen. Eines steht für sie schon jetzt fest: Ihre Kamera wird sie auch künftig immer wieder an die alten Hafenpfähle führen.
Wer die Ausstellung „Natur küsst Phantasie – RostArt“ noch besuchen möchte, hat nur noch bis Samstag, 11. Juli, Gelegenheit dazu. Geöffnet ist der Pavillon im Park an der Mühle täglich von 11 bis 14 Uhr, weitere Termine sind nach Absprache möglich.
Vielleicht geht es euch danach wie vielen anderen Besuchern: Beim nächsten Spaziergang am Wyker Hafen schaut ihr die alten Spundwände mit völlig anderen Augen an.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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