Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Ulf Kämpfer stellte sich im Studio des Inselradio Föhr den Fragen zu seinen politischen Zielen und den Herausforderungen für Föhr und Schleswig-Holstein.
Schleswig-Holstein wählt am 18. April 2027 einen neuen Landtag – und für die SPD geht Ulf Kämpfer als Spitzenkandidat ins Rennen. Auf seiner Sommerreise durch alle Landesteile machte der langjährige Kieler Oberbürgermeister jetzt auch Station auf Föhr und nahm sich im Studio des Inselradio Föhr ausführlich Zeit für ein Gespräch. Dabei ging es nicht nur um seine Bewerbung um das höchste politische Amt im Land, sondern vor allem um die Themen, die die Menschen auf den Inseln bewegen: bezahlbarer Wohnraum, medizinische Versorgung, Tourismus, Mobilität und die Zukunft des ländlichen Raums. Gleichzeitig gewährte Kämpfer auch persönliche Einblicke und erklärte, warum er überzeugt ist, Schleswig-Holstein künftig führen zu können.
Schon die Anreise mit der Fähre weckte bei Ulf Kämpfer Erinnerungen. Bereits als Zehnjähriger verbrachte er Urlaub auf Föhr, viele Jahre später kehrte er als Staatssekretär im Rahmen einer Sandvorspülung auf die Insel zurück. Dass Föhr Teil seiner Sommerreise geworden ist, sei deshalb keine zufällige Entscheidung gewesen. Schleswig-Holstein sei geprägt von seiner Vielfalt – und gerade die Inseln und Halligen hätten für ihn eine besondere Bedeutung.
Sein Ziel sei es ausdrücklich nicht, ein Wahlprogramm am Schreibtisch zu schreiben. Stattdessen wolle er zuhören und erfahren, welche Sorgen und Erwartungen die Menschen tatsächlich beschäftigen. Themen wie bezahlbarer Wohnraum, Gesundheitsversorgung oder die Zukunft des Tourismus würden sich auf Föhr besonders deutlich zeigen. Gleichzeitig betonte Kämpfer, dass Schleswig-Holstein nach 80 Jahren Landesgeschichte vor der Aufgabe stehe, neue Antworten auf neue Herausforderungen zu finden. Sein Leitsatz dabei: Man brauche neue Lösungen, damit das Land auch künftig das bleiben könne, was die Menschen an Schleswig-Holstein schätzen.
Zwölf Jahre lang stand Ulf Kämpfer an der Spitze der Landeshauptstadt Kiel. Rückblickend bezeichnete er das Amt des Oberbürgermeisters als den schönsten Beruf, den er bisher ausgeübt habe. Gerade die unmittelbaren Rückmeldungen der Bürgerinnen und Bürger sowie die Möglichkeit, Veränderungen direkt zu erleben, hätten ihn geprägt.
Den Wunsch, Ministerpräsident zu werden, beschreibt er deshalb nicht als spontane Entscheidung, sondern als Entwicklung über mehrere Jahre. Nach seinen Erfahrungen als Richter, Staatssekretär und Oberbürgermeister wolle er nun Verantwortung für ganz Schleswig-Holstein übernehmen. Gleichzeitig bereite ihm die zunehmende Vertrauenskrise in die Demokratie große Sorgen. Gerade angesichts wachsender Zustimmung für politische Ränder möchte Kämpfer nach eigenen Worten den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken und wieder mehr Vertrauen in die Politik schaffen. Dabei setzt er vor allem auf Themen wie Bildung, bezahlbares Leben, Bürokratieabbau und eine stärkere Unterstützung der Kommunen.
Besonders ausführlich sprach Kämpfer über die Herausforderungen auf Föhr. Beim Thema Wohnen lobte er zwar die aktuellen Projekte mit öffentlich gefördertem Wohnraum auf der Insel, kritisierte jedoch gleichzeitig, dass landesweit zu wenig Fördermittel für den sozialen Wohnungsbau bereitgestellt würden. Viele Bauvorhaben scheiterten inzwischen nicht am fehlenden Willen, sondern an zu kleinen Förderprogrammen.
Auch die medizinische Versorgung bezeichnete der SPD-Politiker als entscheidend für die Zukunft der Insel. Er machte deutlich, dass die Krankenhausreform viele Kliniken unter Druck setze und sprach sich gegen einen ungeplanten Strukturwandel aus. Sein Ziel sei eine dauerhaft verlässliche medizinische Versorgung auf Föhr. Dazu gehöre aus seiner Sicht unter anderem auch, wieder eine Kinderärztin oder einen Kinderarzt auf die Insel zu bringen. Gleichzeitig müsse gemeinsam mit allen Beteiligten ein langfristiges Konzept für die Zukunft der Inselklinik entwickelt werden.
Beim Tourismus sprach sich Kämpfer dafür aus, den eigenen Charakter Föhrs zu bewahren. Die Insel solle nicht versuchen, „das südliche Sylt“ zu werden. Tourismus bleibe zwar die wirtschaftliche Grundlage, gleichzeitig müsse jedoch sichergestellt werden, dass Einheimische sich das Leben auf Föhr weiterhin leisten könnten. Bezahlbarer Wohnraum sei deshalb auch ein wichtiger Baustein, um die Lebensqualität der Insel dauerhaft zu sichern.
Neben den klassischen Inselschwerpunkten sprach Kämpfer auch über Themen, die viele Kommunen in Schleswig-Holstein beschäftigen. Als Beispiel nannte er die Diskussion um den Gänsefraß in der Landwirtschaft. Allein höhere Entschädigungen seien aus seiner Sicht keine dauerhafte Lösung. Ebenso forderte er mehr Flexibilität bei Sandvorspülungen und sprach sich dafür aus, den Kommunen grundsätzlich mehr Gestaltungsspielraum einzuräumen.
Nach seiner Auffassung werde den Städten und Gemeinden häufig zu wenig Vertrauen entgegengebracht. Gerade kleinere Kommunen benötigten mehr Möglichkeiten beim Wohnungsbau und weniger bürokratische Vorgaben. Deshalb könne er sich vorstellen, zahlreiche Förderprogramme abzuschaffen und die Mittel stattdessen direkt und unbürokratisch an die Kommunen weiterzugeben.
Im Interview wurde Kämpfer auch deutlich politischer. Obwohl er das persönliche Verhältnis zu Ministerpräsident Daniel Günther als gut bezeichnete, sieht er inhaltlich erhebliche Unterschiede. Seine Kritik: Die Landesregierung gehe viele schwierige Zukunftsthemen nicht entschlossen genug an.
Er wolle nicht unbedingt der beliebteste Ministerpräsident Schleswig-Holsteins werden, sondern der erfolgreichste. Politik müsse aus seiner Sicht wieder klar erkennbare Schwerpunkte setzen und auch unbequeme Entscheidungen treffen. Als Beispiele nannte er den Wohnungsbau, die Bildungspolitik, die Zukunft der Krankenhäuser sowie eine stärkere Unterstützung der Wirtschaft. Gleichzeitig betonte er, dass demokratische Parteien zwar respektvoll miteinander umgehen sollten, für die Wählerinnen und Wähler aber dennoch klar unterscheidbar bleiben müssten.
Zum Abschluss des Gesprächs blickte Ulf Kämpfer noch einmal auf die Bedeutung der Inseln und der Westküste. Ein konkretes Geldversprechen wollte er bewusst nicht geben. Stattdessen versprach er, die besonderen Herausforderungen der Inseln niemals aus den Augen zu verlieren.
Die Westküste und die Halligen seien für Schleswig-Holstein von großer Bedeutung und verdienten auch künftig besondere Aufmerksamkeit. Wenn die Menschen am Ende seiner möglichen Amtszeit das Gefühl hätten, dass ihnen weniger Steine in den Weg gelegt und stattdessen Hürden aus dem Weg geräumt worden seien, dann wäre das für ihn ein Erfolg. Sein Ziel sei ein Schleswig-Holstein, das Zuversicht ausstrahlt und auch künftig als lebenswerte und starke Region Vorbild für andere sein könne.
Geschrieben von: admin
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todayAugust 24, 2026 240 132
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