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Tischlerei Jensen aus Alkersum expandiert nach Amrum – so organisiert der Föhrer Handwerksbetrieb die Arbeit auf zwei Inseln

todaySeptember 16, 2026 66 11 5

Hintergrund
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Von Alkersum über das Wattenmeer: Warum die Tischlerei Jensen jetzt auch auf Amrum durchstartet

Die Tischlerei Jensen aus Alkersum wird künftig auch auf Amrum tätig. Produziert wird weiterhin auf Föhr, ein Mitarbeiter ist dauerhaft auf der Nachbarinsel vor Ort. Geschäftsführer Ole Jensen erklärt, warum das Unternehmen diesen Schritt jetzt geht.

Nur wenige Kilometer Luftlinie trennen Föhr und Amrum voneinander. Für einen Handwerksbetrieb können daraus allerdings schnell einige Stunden Planung werden: Material, Werkzeug und Mitarbeiter müssen aufs Schiff, Termine müssen zum Fahrplan passen und was auf dem Festland mit einer kurzen Autofahrt erledigt wäre, führt zwischen den beiden Nachbarinseln zwangsläufig übers Wattenmeer. Genau diesen Schritt geht jetzt die Tischlerei Jensen aus Alkersum. Das Föhrer Unternehmen erweitert seinen Tätigkeitsbereich und wird künftig auch auf Amrum unter eigenem Namen aktiv. Ganz unbekannt ist die Nachbarinsel für Geschäftsführer Ole Jensen und sein Team allerdings nicht – im Gegenteil. Hinter der Entscheidung steckt eine jahrelange Zusammenarbeit, die nun in ein neues Kapitel übergeht.

Denn bereits in den vergangenen Jahren war die Tischlerei Jensen regelmäßig für die Tischlerei von Bernd Dell-Missier auf Amrum tätig. In Alkersum wurden Arbeiten vorproduziert, anschließend auf die Nachbarinsel geliefert und bei Bedarf unterstützten auch Föhrer Mitarbeiter vor Ort. Als feststand, dass Dell-Missier seinen Betrieb nicht fortführen wird, stellte sich für Jensen deshalb die Frage, wie es mit den über Jahre entstandenen Verbindungen weitergehen soll. Die Antwort fiel ziemlich schnell: selbst nach Amrum gehen. „Wir haben da wirklich jahrelang gute Geschäftsbeziehungen pflegen dürfen und haben da tolle Kunden gehabt“, erzählt Ole Jensen im Gespräch mit Inselradio Föhr. Für ihn sei deshalb klar gewesen: „Das können wir nicht einfach so ins Nichts verschwinden lassen.“

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Von Fenstern und Treppen bis zum kompletten Dachstuhl

Ganz ohne Tischlerhandwerk steht Amrum auch künftig nicht da. Weitere Betriebe sind auf der Insel vorhanden. Jensen sieht allerdings Bereiche, in denen zusätzliche Kapazitäten benötigt werden könnten. Gerade bei Arbeiten wie Fenster- oder Treppenbau seien nicht alle Leistungen unmittelbar auf Amrum selbst herstellbar. Hier kommt dem Föhrer Unternehmen zugute, dass die komplette Produktion weiterhin in Alkersum bleibt und von dort aus auf beide Inseln geliefert werden kann.

Das Angebot auf Amrum soll deshalb praktisch das gesamte Leistungsspektrum des Unternehmens umfassen. Neben der Tischlerei wird auch die Zimmerei-Abteilung auf der Nachbarinsel tätig. Kunden können unter anderem Treppen, Haustüren und Fenster, Möbel- und Innenausbau, Fußböden und Innentüren sowie Arbeiten aus dem Bereich der Glaserei beauftragen. Hinzu kommen klassische Zimmererarbeiten bis hin zu Dachstühlen. „Eigentlich alles, was die klassischen Tätigkeitsbereiche sind“, fasst Jensen das Angebot zusammen. Erste Aufträge gibt es bereits. Nach Angaben des Geschäftsführers liegen mehrere Anfragen von Amrum vor, einige Arbeiten befinden sich sogar schon in der Fertigung in Alkersum und sollen noch in diesem Jahr auf der Nachbarinsel eingebaut werden. Die Erweiterung beginnt damit nicht erst irgendwann auf dem Papier – die ersten Projekte laufen bereits.

Produziert wird auf Föhr – Tim ist auf Amrum vor Ort

Die wohl spannendste Frage stellt sich hinter den Kulissen: Wie betreibt man eine Tischlerei und Zimmerei gleichzeitig auf zwei Inseln, wenn zwischen Werkstatt und Baustelle das Wattenmeer liegt? Eine zweite Produktion auf Amrum ist zunächst nicht vorgesehen. Gesteuert und gefertigt wird weiterhin vollständig in Alkersum. Für den Transport setzt Jensen vor allem auf Plananhänger. Weil viele Arbeiten festen Produktionszyklen folgen, könne das Unternehmen relativ genau planen, wann einzelne Bauteile fertig sind und auf die Nachbarinsel gebracht werden müssen.

Einen entscheidenden Vorteil hat Jensen dabei direkt auf Amrum: Mit Tim konnte ein Mitarbeiter übernommen werden, der künftig vor Ort arbeitet. Ihm steht dort auch ein eigenes Fahrzeug zur Verfügung. Kleinere Aufmaße und Angelegenheiten kann er selbst übernehmen und für Kunden ist damit ein direkter Ansprechpartner auf der Insel vorhanden. Größere Termine werden weiterhin aus Alkersum betreut. Dafür sollen feste Tage im Monat eingeplant werden; bei umfangreicheren Projekten oder entsprechendem Bedarf fährt zusätzlich jemand aus dem Föhrer Büro nach Amrum.

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Das reduziert zumindest einen Teil der logistischen Herausforderung. Statt für jeden Einsatz Mitarbeiter, Fahrzeug, Material und Werkzeug komplett von Föhr aus zu bewegen, kann ein Teil der Infrastruktur auf Amrum bleiben. Größere Bauteile müssen trotzdem übers Wasser. Jensen beschreibt das Prinzip entsprechend pragmatisch: Im Grunde müsse man dann „nur“ noch den fertig beladenen Anhänger auf die Nachbarinsel transportieren. Dass dieses „nur“ im Inselhandwerk etwas mehr Organisation bedeutet als eine Fahrt über die nächste Landstraße, gehört zum neuen Geschäftsmodell dazu.

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Die Expansion könnte auch neue Arbeitsplätze bringen

Sollte sich das Amrumer Geschäft so entwickeln wie erhofft, könnte die Erweiterung zugleich Auswirkungen auf die Größe des Unternehmens haben. Auf die Frage, ob langfristig zusätzliche Mitarbeiter benötigt werden, antwortet Jensen eindeutig: „Selbstverständlich.“ Sowohl für die Tischlerei als auch für die Zimmerei sei das Unternehmen grundsätzlich offen für Verstärkung. „Wenn wir die Möglichkeit bekommen, Menschen von uns begeistern zu dürfen, freuen wir uns natürlich immer über neue Mitarbeiter.“

Wie groß das zusätzliche Auftragsvolumen tatsächlich wird, muss sich in den kommenden Monaten zeigen. Die ersten Reaktionen stimmen Jensen jedenfalls optimistisch. Mehrere Anfragen sind bereits eingegangen, Aufträge werden gefertigt – und damit knüpft das Unternehmen letztlich dort an, wo die Geschichte überhaupt begonnen hat. Denn völlig neu müssen sich die Föhrer auf Amrum nicht vorstellen. Kunden und Geschäftsbeziehungen sind teilweise schon seit Jahren vorhanden, nur stand bislang ein anderer Name über der Zusammenarbeit.

Eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, wann er die Entscheidung als Erfolg verbuchen würde, hat Ole Jensen ebenfalls. Wenn das Team in einem Jahr etwa alle zwei Wochen nach Amrum fährt, um dort Termine wahrzunehmen, wäre das für ihn ein gutes Zeichen. Mindestens genauso wichtig ist ihm aber, welchen Ruf sich das Unternehmen auf der Nachbarinsel erarbeitet. Die Amrumer sollen merken, „dass wir zuverlässig sind und auch allen Ansprüchen gerecht werden können“.

Damit beginnt für die Tischlerei Jensen kein völlig unbekanntes Abenteuer, sondern vielmehr die Fortsetzung einer gewachsenen Verbindung unter neuen Vorzeichen. Produziert wird weiterhin in Alkersum, ein Mitarbeiter hält auf Amrum die Stellung – und dazwischen pendeln künftig Material, Anhänger und Kollegen übers Wattenmeer. Aus wenigen Kilometern Nordsee wird organisatorisch zwar manchmal eine ziemlich große Entfernung. Für Ole Jensen und sein Team soll sie künftig aber zum ganz normalen Arbeitsweg gehören.

Fotos: Stefan Gaul u. Tischlerei Jensen

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Geschrieben von: admin

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