Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Wie geht es weiter mit der Insel-Klinik Föhr-Amrum? Insider von der Insel machen sich große Sorgen. Foto: Jörg Brökel
Die Inselklinik auf Föhr soll ihre rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme verlieren. Gegen die Pläne des Landes regt sich breiter Widerstand – mit deutlichen Warnungen von einem früheren Klinikarzt.
Und erstens kommt es anders. Und zweitens als man denkt. Das haben sich die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium in Kiel vielleicht doch etwas leichter vorgestellt, wenn es darum geht, die Inselklinik auf Föhr zu einer „sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung“ umzubauen. In einer am Donnerstag, 1. Oktober, von Husum aus übertragenen Digitalkonferenz wurden die Krankenhauspläne des Landes, was die Versorgungsregion West angeht, verkündet.
Demnach – so erklärte es die zuständige Beamtin aus dem Referat „Gesundheitsversorgung“, Aenn Hachmeyer – sei die Abstimmung dazu eingeleitet. Das Krankenhaus biete demnach noch internistisch-geriatrische und ambulante Angebote an. Künftig sollen Krankenhaus, niedergelassene Hausärzte und Rettungsdienste gemeinsam die Notfallversorgung auf der Insel stemmen. Zur Wahrheit gehört auch, dass es dann keine 24/7-zentrale Notaufnahme an der Klinik auf Föhr mehr gibt.
Ersetzt durch ein Konstrukt, „zu dem es bislang nur theoretische Absätze gibt, aber noch keine praktische Erfahrung“, so die Pressestelle des Klinikums Nordfriesland, zu dem die Inselklinik Föhr-Amrum gehört. Seitdem laufen zahlreiche Föhrer Sturm gegen diese Entscheidung, hier die Notaufnahme zu verlieren. Bereits am Dienstag, 6. Oktober, überreichte eine Delegation des Amtes Föhr-Amrum und der niedergelassenen Hausärzte von Föhr in Kiel einen offenen Brief an die Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken, in dem die Veränderungen als „hochproblematisch“ gekennzeichnet werden.
Dem schließt sich auch die Inselinitiative „Merret reicht’s“ an, die in einer öffentlichen Stellungnahme von unsäglichen Krankenhausplänen des Landes spricht. „Von Föhr aus kann ein anderes Krankenhaus im Notfall nicht mal eben erreicht werden, weder mit dem Privatauto noch mit dem Rettungswagen. Eine Schließung der Notaufnahme auf der Insel wird deshalb vermehrt teure Hubschrauberflüge zur Folge haben, der Rettungshubschrauber wird dann womöglich für andere wichtige Fälle auf dem Festland nicht verfügbar sein“, schreiben die Verfasser.
Auch die touristische Dimension der Urlaubsinsel Föhr beschreibt die Initiative. „Föhr hat zwar nur 8500 Einwohner, aber dazu kommen rund 1700 Zweitwohnsitze und pro Jahr rund 200.000 Gäste. Wenn die Insel im Juli und August ausgebucht ist, halten sich oft über 30.000 Menschen gleichzeitig auf Föhr auf, in der Wyker Notaufnahme herrscht im Sommer regelmäßig Hochbetrieb. Zum Vergleich: Der Krankenhausstandort Husum hat 24.000 Einwohner, der Krankenhausstandort Niebüll 10.000 und der Krankenhausstandort Heide 22.000. Es käme wohl niemand ernsthaft auf die Idee, die dortigen Notaufnahmen zu schließen“, so „Merret reicht’s“.
Doch damit nicht genug. Nach einem gemeinsamen Aufruf von Radio und Zeitung haben sich bis zum Dienstag, 13. Oktober, um die 70 Leser und Hörer zu den Schließungsplänen der Notaufnahme geäußert. Ein besonderes Gewicht hat hierbei sicherlich auch das Wort von Dr. Andreas Müller, der ein Jahrzehnt als chirurgischer Chefarzt an der Inselklinik auf Föhr tätig war und der heute noch auf der Insel lebt. „Es wird damit sehenden Auges Gefahr für Leib und Seele der Menschen auf der Insel in Kauf genommen“, warnt der Mediziner Müller.
Der ehemalige CDU-Stadtvertreter Nils Twardziok verweist in einem Facebook-Post auf die rechtliche Dimension der geplanten Umstrukturierung und zieht sogar das Grundgesetz heran. Die Notfallversorgung berühre auch wichtige rechtliche Verpflichtungen. „Dazu gehören der staatliche Schutz von Leben und körperlicher Unversehrtheit nach Artikel 2 Absatz 2 des Grundgesetzes“, schreibt der frühere Politiker. Benthe und Markus Herpich von der Containertankstelle in Wyk wünschen sich eine solidarische Bewegung der Menschen auf der Insel. „Wir finden, wir müssen langsam den Schritt vom Darüber-Aufregen zum tatsächlichen Handeln schaffen“, schreiben die beiden. Sonst bleibe es am Ende bei ein paar Kommentaren, während die Entscheidungen längst getroffen seien.
Auch Christof Buck, der Geschäftsführer des Hauses Schöneberg, ist besorgt. Er leitet die insulare Einrichtung mit 120 Menschen mit Behinderungen. „Wir sind dringend darauf angewiesen, die Notaufnahme zu behalten“, erklärt Buck am Telefon. Es sei eine große Gefährdung für die vielen Menschen, die vom Haus Schöneberg betreut würden.
Und auch Gäste der Insel äußern sich besorgt über die Entwicklung. Michaela Zobel ist selbst Krankenschwester und arbeitet auf dem Festland in einer Notaufnahme. Sie ist sich sicher: „Durch die fehlende Notfallversorgung würde es zu einer Verzögerung der medizinischen Versorgung kommen.“ Die langjährige Urlauberin Birgit Hörnle aus Frankfurt am Main leidet am Post-Covid-Syndrom. Sie erklärt, dass es ihr passieren kann, dass sie die Notaufnahme bei einem Urlaubsaufenthalt in Anspruch nehmen muss. „Eine Schließung wäre drastisch. Und wenn das so sein sollte, müsste ich mir als Feriengast … überlegen, ob ich die Insel dann noch weiter besuchen kann.“
Die geplanten Veränderungen an der Inselklinik Föhr-Amrum sorgen für Diskussionen und Widerstand. Auch eine Online-Petition setzt sich für den Erhalt der rund um die Uhr verfügbaren Notfallversorgung auf Föhr ein.
Wer sich über die Initiative informieren oder die Petition unterstützen möchte, findet diese unter folgendem Link:
Hinweis der Redaktion: Die Petition ist eine unabhängige Initiative Dritter. Das Inselradio Föhr ist weder Initiator noch Betreiber der Petition und übernimmt keine Verantwortung für deren Inhalte oder die Verarbeitung personenbezogener Daten auf der externen Plattform.
Geschrieben von: admin
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