Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Die Zukunft der zentralen Notaufnahme an der Inselklinik Föhr-Amrum ist ungewiss. In seinem Kommentar kritisiert Insel-Boten-Reporter Jörg Brökel die geplante Krankenhausreform und warnt davor, die Insel zum Versuchslabor der Gesundheitspolitik zu machen. Foto: Stefan Gaul
Die geplante Umwandlung der Inselklinik Föhr-Amrum könnte das Aus für die zentrale Notaufnahme bedeuten. Ab 2028 soll ein bislang unerprobtes Versorgungsmodell greifen. Doch darf ausgerechnet auf einer Insel ohne Landanbindung mit der medizinischen Versorgung experimentiert werden? Insel-Boten Reporter Jörg Brökel findet dazu klare Worte.
Föhr könnte zum Experimentierfeld der Gesundheitspolitik werden. Die geplante Umwandlung der Inselklinik zur sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung droht die Notaufnahme zu schließen.
Spätestens seitdem bekannt wurde, dass die Inselklinik Föhr-Amrum zu einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung (SüV) „weiterentwickelt“ werden soll, läuten die Alarmglocken auf der Insel. Denn damit droht die Schließung der zentralen Notaufnahme. Und damit soll ab 2028 die grüne-Tisch-Kopfgeburt „SüV“ real werden. Dieses Konstrukt haben gesetzliche Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft im März dieses Jahres in Berlin beschlossen.
Damit werden ausgerechnet die Inseln Föhr und auch Helgoland – auch hier soll es eine SüV geben – zum Experimentierfeld für die feuchten Kostendämpfungsträume von Gesundheitspolitikern. Und zu welchem Preis? Selbst die Pressestelle des Klinikums Nordfriesland weist darauf hin, dass es für diese Form der Versorgung bislang nur theoretische Ansätze gibt, aber keinerlei praktische Erfahrungen. Aber ist das in Ordnung, gerade auf der größten deutschen Insel ohne Landanbindung solche gesundheitspolitischen Experimente durchzuführen? Ich meine: nein.
Denn wenn Sturm und Nebel Rettungshubschrauberflüge über Stunden verhindern – alles schon passiert –, dann besteht hier eben nicht die Möglichkeit, mit einem Krankenwagen das nächste Krankenhaus anzusteuern, weil die zentrale Notaufnahme auf der Insel nicht mehr existiert. Hinzu kommt der touristische Faktor. 30.000 Menschen in der Hochsaison – das ist eine mittelgroße Stadt und eben kein ländlicher Bezirk. Es steht zu befürchten, dass die immer älter werdende Gästeschar der Insel den Rücken kehrt, weil ihr das Risiko zu groß ist, im Notfall eines Notfalles eben nicht vernünftig behandelt zu werden.
Damit geht das Risiko einher, dass die „Disneylandisierung“ der Insel voranschreitet. Gern kommen Gäste für einen Tagesbesuch vorbei. Aber 14 Tage am Stück ist den meisten dann doch zu riskant. Wenn der Arzt im Krankenhaus ab 16 Uhr nicht mehr erreichbar ist und der Hausarzt vielleicht gar nicht die notwendigen Apparate hat, um eine vernünftige Unfalldiagnostik durchzuführen. Von daher sollten die Gesundheitspolitiker aus Kiel die Hände von diesem Experiment lassen. Zumindest auf einer Insel.
Auch wenn der Bund diesmal die gesetzlichen Vorgaben macht, wann ein Krankenhaus ein Krankenhaus sein darf. Trotzdem stellt sich die legitime Frage, ob das Land dem „schlechten Handwerk“ (Zitat aus der Gesundheitskonferenz am 1. Oktober in Husum) einfach so sklavisch nachgeben muss. Oder nicht doch nach anderen Lösungen sucht. Sich hinter der Bundesgesetzgebung zu verstecken, ist freilich die einfachste Lösung.
Geschrieben von: admin
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Wenn die Insel schläft, sind wir für euch da. Musik, die euch durch die Nacht begleitet.
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TorstenT am Oktober 14, 2026
Auch sehr guter Kommentar Jörg