Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Warten seit Jahren auf ihren Glasfaseranschluss: Lothar Schmidt (links) und Michael Schlender aus Borgsum. Während viele Nachbarn längst schnelles Internet nutzen, werden die beiden von Anbieter Lünecom weiterhin vertröstet. Schmidt zeigt die schriftliche Auftragsbestätigung für seinen bereits im Februar 2025 bestellten Anschluss. Foto: Stefan Gaul
Borgsum gilt als Glasfaser-Musterdorf auf Föhr, doch in einer Sackgasse warten Nachbarn vergebens auf schnelles Internet. Warum der Anbieter Lünecom die Anwohner vertröstet.
Fußballspiele im TV anzuschauen, ist für Lothar Schmidt aus Borgsum nicht immer die reine Freude. Denn trotz 50 Mbit/s Leitung vom Anbieter Lünecom kann es immer mal wieder passieren, dass mitten im spannendsten Spielzug der Bildschirm schwarz wird. Und auch sein Nachbar in der kleinen Stichstraße des Neiwoi in Borgsum, Michael Schlender, kann ein Lied davon singen, dass die Datenleitung öfter mal zusammenbricht. „Und schon dreht sich die Eieruhr, wenn man einmal etwas gucken will“, sagt der 64-jährige Handwerker.
Kein Wunder, dass die beiden Nachbarn in die technologische Zukunft investieren wollten. Sie bestellten Glasfaser vom Anbieter Lünecom, der auf Föhr-Land in dieser Hinsicht tätig ist. Und Borgsum gilt als Glasfaser-Musterdorf auf der Insel. Denn viele Haushalte sind hier schon angeschlossen, an die schnelle Faser. Bei Schmidt hat die Bestellung neben dem privaten auch noch einen beruflichen Hintergrund. Denn der Unternehmer hat ein Ingenieurbüro für Haustechnik im nordrhein-westfälischen Siegen, das er von Föhr aus leitet. Beziehungsweise leiten möchte.
„Auf einmal fällt dann trotz der 50.000er-Leitung der Videocall aus“, klagt der 65-jährige Wahlföhrer. Bereits im Februar 2025 bestellte Schmidt daher bei dem niedersächsischen Unternehmen Lünecom einen „Fiber1000“-Anschluss und erhielt dazu auch schriftlich eine Auftragsbestätigung, die zugleich auch als Vertragsabschluss in dem Schreiben bezeichnet wurde. Da hatte Nachbar Schlender schon drei Jahre zuvor den entsprechenden Antrag gestellt. Doch ebenso wie bei Schlender tat sich bei Schmidt erst mal gar nichts.
Kein Bagger, keine Leitung, kein schnelles Internet. Immer wieder versuchten die Nachbarn, über E-Mails oder Gespräche mit der Hotline nachzufragen, wann denn der ersehnte schnelle Anschluss kommen sollte. Die Antwort war immer die gleiche. „Der Vorgang ist in Bearbeitung, wurde uns immer wieder gesagt“, klagt Schmidt. Dann aber ein Funken Hoffnung. Eine Nachricht vom ausführenden Tiefbauunternehmen, dass die Bagger am Dienstag, 6. Oktober, endlich rollen sollten. Doch wieder einmal tat sich nichts. Der ersehnte Bagger rollte erneut nicht.
„Die Hotline von Lünecom hat uns erklärt, der Tiefbau habe gar keinen Auftrag, hier zu graben“, sagt Schmidt. Inzwischen fühlen sich die Nachbarn – und auch ein drittes Haus in der Sackgasse ist nicht angeschlossen – nicht mehr ernst genommen. „Sonst haben alle um uns herum funktionsfähige Glasfaseranschlüsse“, erklärt Schmidt. „Wir werden verarscht“, drückt es Michael Schlender drastisch aus.
Selbst den Bürgermeister von Borgsum hat Schmidt schon auf die unendliche Geschichte im Neiwoi angesprochen. „Und ich war schon so weit, die Bundesnetzagentur einzuschalten“, sagt der Glasfaserkunde ohne Glasfaser. Bei Lünecom will man von einem Tiefbauauftrag nichts wissen. „Nach Rückfrage mit dem Tiefbauunternehmen gab es die Information, dass es bei Telefonaten durch Dienstleister eine Aussage gegeben haben muss, dass der Tiefbauer ab dem 6. Oktober wieder auf Föhr sei. Es wurde jedoch kein fester Kundentermin erstellt oder bestätigt“, schreibt Claudia Burkhardt vom Presseteam des Unternehmens.
Aktuell würden für Borgsum noch keine verbindlichen Kundentermine vergeben. „Wir bitten hier weiterhin um Geduld, auch wenn das für die wartenden Kunden nicht zufriedenstellend sein wird“, schreibt die Pressestelle. Nur in enger Abstimmung mit dem Breitbandkompetenzzentrum Schleswig-Holstein und den Verwaltungen vor Ort würden die Inseln weiter bearbeitet. Was in der Kurzfassung dann wohl bedeutet, dass es mit dem Glasfaserausbau in der kleinen Stichstraße noch dauern kann.
Keine guten Nachrichten für die glasfaserfreien Haushalte am Neiwoi. „Immerhin weiß man jetzt, wo man dran ist“, hat für Michael Schlender die Nachfrage ein Gutes. Eines versteht der 64-Jährige allerdings immer noch nicht: „Man kann doch nicht damit werben, dass alles super läuft“, sagt der Borgsumer.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
Borgsum Breitbandausbau Breitbandkompetenzzentrum Schleswig-Holstein Bundesnetzagentur Föhr Föhr-Land Glasfaser Borgsum Glasfaser Föhr Glasfaseranschluss Glasfaserausbau Internet Föhr Internetprobleme Lünecom Lünecom Föhr Neiwoi Borgsum Nordfriesland Schnelles Internet Telekommunikation
todayOktober 15, 2026 131 37
todayOktober 15, 2026 285 122
Ob Hammer oder Papier, Werkstatt oder Büro – wir begleiten euch mit guter Musik durch den Arbeitstag und schaffen kleine Urlaubsinseln für die Ohren.
close
Beitrags-Kommentare (0)