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Mit einem auffälligen Banner an ihrer Containertankstelle in Wyk machen Benthe Herpich (hinter dem Banner) und ihr Mann Markus auf ihre Sorgen um die Zukunft der Notaufnahme auf Föhr aufmerksam. Die Botschaft zwischen Totenköpfen und Halloween-Dekoration soll auch nach dem Fest sichtbar bleiben. Foto: Stefan Gaul
Auf Föhr und Amrum formiert sich ein breites Aktionsbündnis gegen den Wegfall der Notaufnahme. Warum Tankstellenbetreiber, Gastronomen und Inselpolitiker im Notfall um Menschenleben bangen.
Wer in diesen Tagen auf den Kreisverkehr in Wyk zufährt, sieht den Frust der Insulaner schon von Weitem. Zwischen Halloween-Dekoration und Totenköpfen haben Benthe und Markus Herpich an ihrer Containertankstelle ein unübersehbares Banner aufgehängt: „Notaufnahme zu – Kiel spart – wir zahlen mit dem Leben“. Es ist der lautstarke Auftakt eines Protests, der die Inseln Föhr und Amrum tief erfasst hat.
Der Anlass für die Aufregung liegt in der Landeshauptstadt: Das Gesundheitsministerium in Kiel plant, die Inselklinik Föhr-Amrum zum 1. Januar 2028 umzustrukturieren. Aus dem bisherigen Krankenhaus soll eine sogenannte „sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“ werden. Für die Bevölkerung bedeutet das einen harten Einschnitt: Die gewohnte, rund um die Uhr besetzte Notaufnahme fällt in dieser Form weg. Künftig sollen Klinik, Hausärzte und Rettungsdienste die Notfälle gemeinsam auffangen – ein Modell, zu dem es laut dem Klinikum Nordfriesland „bislang nur theoretische Ansätze gibt, aber noch keine praktische Erfahrung“.
Wie unverzichtbar eine schnelle Hilfe vor Ort ist, erlebte Tankstellenbetreiberin Benthe Herpich erst kürzlich selbst, als sich ihr Sohn tief in den Finger schnitt: „Wir sind da jedes Mal gut aufgehoben gewesen.“ Wenn die Notaufnahme schließt, zählt im Ernstfall jede Minute. „Ich bin der Meinung, dass, wenn Leute erst grundsätzlich immer ausgeflogen werden müssen, da einfach Minuten zählen und dass das auch Leben kosten kann“, warnt sie.
Auch die Inselpolitik läuft Sturm. Wyks Bürgermeister Uli Hess und der Amrumer Kreistagsabgeordnete Jürgen Jungclaus fordern drastische Ausnahmeregelungen für die Insellage. Denn anders als auf dem Festland helfe im Notfall kein Ausweichen auf die nächste Klinik, wenn das Wetter umschlägt. Jungclaus bringt die große Sorge auf den Punkt: „Wir reden ja über Jahreszeiten, wo eben keine Fähre fährt, wo auch kein Rettungskreuzer mehr fahren kann, wo auch kein Hubschrauber mehr fliegen kann.“
Mit dem Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Schleswig-Holstein bekommt der Protest nun Rückendeckung aus der Wirtschaft. Der Verband lehnt den Wegfall der Notaufnahme strikt ab.
„Eine Verschlechterung der Notfallversorgung auf unseren Inseln wäre ein politisches Armutszeugnis“, findet Dehoga-Hauptgeschäftsführer Andreas Tedsen deutliche Worte. „Eine Insel ist kein Stadtteil, aus dem man einfach mit dem Rettungswagen zur nächsten Klinik fährt. Ein medizinischer Notfall wartet weder auf die nächste Fähre noch auf besseres Wetter. Deshalb brauchen wir vor Ort Strukturen, die auch nachts, am Wochenende und unter schwierigen Bedingungen tragen.“ Der Verband sorgt sich zudem um den Tourismus: Wer für die Inseln als attraktive Urlaubsregion werbe, müsse Gästen und Beschäftigten auch eine verlässliche medizinische Sicherheit bieten.
Damit der Unmut nicht verpufft, haben Insulaner Nägel mit Köpfen gemacht. Auf Anregung der Bürgerinitiative „Merret reicht’s Föhr“ haben sich knapp 25 Insulaner aus den unterschiedlichsten Bereichen getroffen und das „Aktionsbündnis Krankenhaus Föhr-Amrum“ ins Leben gerufen.
Alle Beteiligten eint das Ziel, die rund um die Uhr geöffnete Notaufnahme zu erhalten. „Den Politikern auf dem Festland fehlt schlicht die Einsicht in die Auswirkung der Insellage. Hier kann man nicht notfalls einfach ins Auto steigen, um eine andere Klinik anzusteuern“, hieß es auf dem Gründungstreffen.
Als ersten Schritt will das Bündnis nun Vereine und Organisationen auf Föhr und Amrum einbinden sowie den Kontakt zur Insel Helgoland suchen, der ähnliche Streichungen drohen. Wichtig ist den Machern vor allem eines: Durchhaltevermögen. Um die nächsten Schritte zu planen, lädt das Aktionsbündnis alle interessierten Bürger zum nächsten Treffen ein. Dieses findet am Donnerstag, 29. Oktober, ab 19 Uhr in der Teestube des Hauses Schöneberg in Wyk auf Föhr statt.
Geschrieben von: admin
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Anja Lorenz am Oktober 23, 2026
Kämpft für eure Notaufnahme