Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Gerd und Angelika Witte aus Wyk haben gleich zwei Körbe ersteigert, auch den mit der Nummer 21. Ihr Sohn ist Tischlermeister, "den setzen wir ans Holz, dass er da ein bisschen Lackfarbe aufträgt.“ Foto: Julia Sassenberg
Schrauben prüfen, Favoriten notieren, Bieternummer hochhalten: Trotz Kälte und grauem Himmel sichern sich Käufer am Wyker Binnenhafen ausrangierte Strandkörbe – alles für den guten Zweck.
Das Wetter macht es den Schnäppchenjägern nicht leicht an diesem verhangenen Oktobertag: Tief und grau hängt der Himmel über dem Wyker Binnenhafen, dazu ist es empfindlich feuchtkalt. Doch wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann bei der vierten Föhrer Strandkorbversteigerung der Föhr Tourismus GmbH und des städtischen Bauhofs ein Stück Inselurlaub für den eigenen Garten oder die Terrasse ergattern – und gleichzeitig etwas Gutes tun. Der gesamte Erlös der Versteigerung wird gespendet.
Viel mehr als 30 Menschen dürften sich an diesem Nachmittag nicht auf dem „Auktionsgelände“ versammelt haben, wo in der Saison sonntags der Fischmarkt stattfindet. Doch wer gekommen ist, hat sich vorher mit Kennerblick umgeguckt. Hier mal vorsichtig gerüttelt – sind etwa Schrauben locker? Hält der Holzrahmen, der bunte Himmel? Dort das teils ausgeblichene Flechtwerk überprüft – muss hier noch was geflickt werden? Lassen sich Verschmutzungen entfernen? Dann Favoriten ausgesucht und deren Nummern notiert.
Es gibt grüne, weiße und blaue Strandkörbe zur Auswahl. Alle sehen ein bisschen mitgenommen aus, schließlich haben sie viele Jahre lang Saison für Saison ihren Dienst am Wyker Strand getan. Im Winter werden die Inselstrandkörbe in einer eigenen Werkstatt des städtischen Hafenbetriebs repariert – aber falls ein alter Strandkorb mehr als 10 Stunden Arbeit benötigen würde, rechnet sich der Aufwand nicht mehr – dann wird er aussortiert und geht zur Auktion. Letzte Chance auf ein zweites Leben.
Weiße Strandkörbe, innen ausgeschlagen mit rotweißen oder blauweißen Bezügen, sind heute besonders beliebt. „Das sieht so schön maritim aus“, erklärt Katharina, die mit Töchterchen Pheline (4) gekommen ist, um einen Strandkorb für ihren Garten in Wyk zu ergattern. Nun heißt es, die Bieternummer im richtigen Moment hochzuhalten. Das Startgebot pro Strandkorb liegt bei gerade mal 50 Euro. Findet sich kein Bieter, geht Auktionatorin Stella Runckel von der FTG bereitwillig in Zehnerschritten unter das Startgebot. So finden dann sogar Strandkörbe für nur 20 Euro ein neues Zuhause.
„Ich habe schon ein paar gefunden, die in Frage kommen“, sagt Ute Kohn, die auf Föhr lebt und bereits zum zweiten Mal bei der Versteigerung dabei ist. Prüfend schaut sie auf ihre Liste, verschiedene Nummern stehen darauf. Zwar muss man die Körbe nach dem Kauf erst einmal reinigen und mitunter aufarbeiten. Doch der Aufwand kann sich lohnen: „Man hat zwar keinen neuen Strandkorb, aber sie sind robust und halten noch ein paar Jahre.“
Auch Marianne und Friedrich Hinrichsen aus Midlum haben sich bereits Nummern notiert. Ihr Wunschkandidat ist möglichst weiß. „Farbige Körbe bleichen mit der Zeit aus und sehen dann oft nicht mehr so schön aus“, meint Marianne Hinrichsen. Der Korb soll auf die Terrasse, wo abends die Sonne scheint – zum Lesen oder für die Gäste ihrer Ferienwohnung.
Dass die Körbe nicht makellos sind, gehört zum Geschäft. Silke und Inge Roth aus Gütersloh sehen darin eher einen Anreiz als einen Nachteil. „Wenn man sich die Körbe anschaut, sind sie größtenteils noch völlig in Ordnung. Ein paar Kleinigkeiten muss man reparieren, aber das Geflecht hält einiges aus“, sagt Inge Roth. Ihre Tochter Silke ergänzt: „Es reizt einen schon, bei so wenig Geld für so ein schönes Stück mitzubieten. Wir haben hier allerdings kein Eigentum, sondern sind Feriengäste“, schiebt sie bedauernd hinterher. „Das lohnt sich ja mit dem Transport nicht.“
Dass sich die Mühe lohnen kann, zeigen Gerd und Angelika Witte. Sie ersteigern gleich zwei Strandkörbe, darunter einen der beliebten weißen Körbe mit blau-weiß gestreiftem Innenleben für ihren Garten in Wyk. Kleinere Arbeiten am Holz sollen kein Problem sein: „Unser Sohn hat gerade seine Tischlermeisterprüfung bestanden“, strahlt Angelika Witte. Für den Abtransport muss nur noch ein Anhänger organisiert werden.
Andere Käufer planen ebenfalls pragmatisch: Jan Boetius aus Wyk hat gleich zwei Strandkörbe ersteigert. Mit Mühe und Not quetschen er und sein Kollege, ebenfalls mit Vornamen Jan, je einen in seinen Hochdachkombi, die Klapptüren hinten werden einfach mit einem Seil zusammengebunden. „Fahren wir eben zweimal“, lacht er. Und wenn Werkzeug oder handwerkliches Geschick zur Aufarbeitung der alten Strandkörbe fehlen, helfen auf Föhr im Zweifel die Nachbarn. Wie das eben so ist auf einer Insel.
Der Erlös der Auktion geht an den Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB). Das Projekt ermöglicht schwerkranken Menschen, sich am Ende ihres Lebens noch einmal einen Herzenswunsch zu erfüllen – etwa eine Reise an einen Sehnsuchtsort. Am Ende stehen 1000 Euro auf der Habenseite, 26 der angebotenen 48 Körbe wurden verkauft.
Geschrieben von: admin
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todayOktober 22, 2026 1501 74
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Feierabend. Durchatmen. Musik genießen. Mit dem passenden Soundtrack und einem Hauch Nordsee begleiten wir euch entspannt durch den Abend. Träumt euch nach Föhr.
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Anja Lorenz am Oktober 22, 2026
Wer ist Frau Julia Sassenberg vom Inselboten? Es wäre toll wenn es Beschreibungen und Bilder der Autoren gebe