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Ein außergewöhnlicher Blick in Föhrs Vergangenheit: Bei Ausgrabungen in Wrixum haben Archäologen neun rund 1500 Jahre alte Körpergräber entdeckt. Die sogenannten Leichenschatten und zahlreiche Grabbeigaben liefern wertvolle Hinweise auf das Leben der Menschen während der Völkerwanderungszeit.
Auf Föhr wurden Gräber aus dem 5. bis 7. Jahrhundert entdeckt. Archäologen fanden neun Körpergräber mit „Leichenschatten“ und seltenen Beigaben.
Selbst am Vormittag liegt noch leichter Dunst über den Feldern. Man hört nur das Schaben und Kratzen der fünf Grabungsfacharbeiter. Mit kleinen Pinseln und Schabern legen die Experten des Archäologischen Landesamtes Schleswig-Holstein mit Sitz in Schleswig vorsichtig Schicht um Schicht die alten Gräber frei. Ziemlich genau so, wie sich ein Laie Archäologie vorstellt. Kniend arbeiten die fünf Männer und Frauen an und in den rechteckigen Gruben. Dort, wo einmal die Körper und Knochen der bestatteten Früh-Föhrer gelegen haben, befinden sich auf hellem Sand nur noch dunkle Umrisse.
„Möglicherweise war dies ein Frauengrab. Wir haben Glasperlen, Ärmelschließen und Fibeln (Klemmen zum Halten des Gewandes, Anm. Red.) gefunden“, sagt Katerine Hencke und deutet auf eine der Grabstätten.
Bei Männern fände man eher Waffenbeigaben, erklärt die Archäologin, die die Ausgrabungsarbeiten auf Föhr begleitet. „Diese Funde sind schon eine kleine Sensation“, sagt die 36-Jährige Niedersächsin. Denn bislang habe man auf der Insel nur Urnengräber gefunden. Und auch das Alter der Funde ist außergewöhnlich, denn die insgesamt neun Körpergräber stammen aus dem Zeitraum zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert. „Das ist Spätantike“, erklärt die Archäologin Hencke.
Allerdings sind Knochen und Zähne der Bestatteten kaum noch zu finden. Die Toten haben sich im Laufe der anderthalb Jahrtausende aufgelöst und sind im Boden aufgegangen. Asche zu Asche eben. „Aber man sieht eben noch die Abzeichnungen der Leichen im Boden“, sagt Hencke und deutet auf eine Grube, in der gerade die Facharbeiter Katrin Zimmer und Olaf Christiansen arbeiten. Der Schatten im Boden zeige das, was einst das Skelett des Toten gewesen sei, erklärt Hencke.
Doch auch wenn Knochen und Körpergewebe bis auf die Abdrücke verschwunden sind: Nicht organische Fundstücke konnten reichlich aus den Gräbern geborgen werden. Glasperlen, Messer und Fibeln konnten von den archäologischen Facharbeitern geborgen werden. Und auch organische Materialien wie Textilien, Leder, Holz und Geweih wurden an dieser Stelle gefunden.
„Möglicherweise haben wir hier einen „missing link“ nach England herstellen können“, freut sich Archäologin Hencke. Denn die Funde stammen aus der Zeit der Völkerwanderung, als Gruppen und Stämme umherzogen. Durch solche Funde wie auf Föhr kann auch die Frühgeschichte der Insel ein Stück weit neu geschrieben werden. „Früher hat man gedacht, hier seien alle Menschen ausgewandert“, sagt Hencke. Aber offensichtlich hätten hier mehr Menschen gelebt, als ursprünglich einmal angenommen“, so die Archäologin.
Dass hier schon früh reges Leben geherrscht haben muss, belegen auch weitere Funde. Insgesamt 200 archäologische Befunde wurden bis jetzt schon auf den 6700 Quadratmetern dokumentiert. Dazu gehören drei Gebäudegrundrisse, ein Sodenbrunnen (ein Schacht bis zum Grundwasser), Gruben mit teilweise vollständig erhaltenen Keramikgefäßen, ein Ofen und fünf Urnen. Die meisten Funde stammen aus der Römischen Kaiserzeit. Sie müssen in das 2. und 3. Jahrhundert datiert werden.
Aber die Sensation sind nun einmal die neun Körpergräber. Denn gerade aus der Zeit nach dem 5. Jahrhundert und lange Zeit danach gibt es wenige Funde aus Schleswig-Holstein. Und eigentlich wurde seinerzeit mehr verbrannt als erdbestattet. Mehr als 15.000 bekannte Verbrennungen von Leichen stehen nur 50 Körpergräbern aus der Zeit zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert gegenüber. Von daher ist der Föhrer Fund nicht nur für die Frühgeschichte Föhrs von Bedeutung.
Archäologin Hencke vermutet sogar noch weitere Gräber in den angrenzenden Wrixumer Gärten Richtung Boldixumer Kirche St. Nicolai. Als archäologisch bedeutsam war die jetzige Fundstelle schon im September 2024 eingestuft worden. Da waren bei einer Voruntersuchung durch das Landesamt Pfosten, Gruben und zwei Urnen gefunden worden.
Grund genug, jetzt zwischen August und Oktober dieses Jahres noch einmal genauer zu gucken und zu graben. Jetzt werden die gefundenen Gräber dokumentiert und die Funde gesichert. „In den nächsten Monaten werten wir dann die Funde im Amt in Schleswig aus“, freut sich Katerina Hencke. Bis zum 23. Oktober bleiben die Experten noch auf der Fundstelle. Danach kann es mit den Bauarbeiten in Wrixum weitergehen.
Dass hier schon früh reges Leben geherrscht haben muss, belegen auch weitere Funde. Insgesamt 200 archäologische Befunde wurden bis jetzt schon auf den 6700 Quadratmetern dokumentiert. Dazu gehören drei Gebäudegrundrisse, ein Sodenbrunnen (ein Schacht bis zum Grundwasser), Gruben mit teilweise vollständig erhaltenen Keramikgefäßen, ein Ofen und fünf Urnen. Die meisten Funde stammen aus der Römischen Kaiserzeit. Sie müssen in das 2. und 3. Jahrhundert datiert werden.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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