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Fast 2.000 Euro sollten die Inselengel Föhr aufgrund eines vermeintlichen Gerichtsschreibens überweisen. Der Blick auf die spanische IBAN entlarvte den Betrugsversuch.
Die neu gegründeten Inselengel Föhr warten auf ihre Eintragung als Verein – und erhielten plötzlich eine vermeintliche Rechnung über 1.975,90 Euro. Erst der Blick auf eine spanische IBAN entlarvte den Betrugsversuch. Die 1. Vorsitzende Annette Striewski hat Anzeige erstattet und warnt jetzt andere.
Die „Inselengel Föhr“ sind gerade erst gestartet und haben sich ein klares Ziel gesetzt: Familien und Kindern auf der Insel in schwierigen Lebenssituationen diskret und unbürokratisch zu helfen. Der neu gegründete Verein um die 1. Vorsitzende Annette Striewski wartete zu diesem Zeitpunkt noch auf die Eintragung als e.V. – und damit auch auf entsprechende Post vom Amtsgericht. Genau diese Situation haben sich offenbar Betrüger zunutze gemacht. Bei Striewski landete ein Schreiben im Briefkasten, das auf den ersten Blick so echt wirkte, dass selbst sie zunächst von offizieller Gerichtspost ausging. „Meine Tochter sagte gleich: Hier, da hast du einen Brief bekommen wegen der Inselengel“, erzählt Striewski im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie setzte sich hin, öffnete den Umschlag – und musste beim Blick auf die vermeintliche Rechnung erst einmal schlucken.
Denn gefordert wurden von den Inselengeln stolze 1.975,90 Euro. Eine Summe, mit der im Verein niemand gerechnet hatte. Striewski und ihre Mitstreiter hatten sich zuvor informiert und waren davon ausgegangen, dass für die notwendigen Schritte rund um die Eintragung Kosten von einigen hundert Euro entstehen könnten. „Ich habe zweimal geschluckt und gedacht: Denen brennt der Helm“, erzählt sie. Trotzdem war ihr erster Gedanke noch nicht, dass Betrüger hinter dem Schreiben stecken könnten. Vielmehr vermutete sie zunächst einen Fehler beim Gericht oder Notar. Klar war für sie allerdings sofort: Knapp 2.000 Euro würde sie nicht einfach überweisen.
Besonders perfide ist, wie gut das Schreiben auf die aktuelle Situation des Vereins zugeschnitten war. Nach Angaben von Striewski waren ihr Name und ihre Anschrift ebenso korrekt aufgeführt wie die Angaben zu den Inselengeln. Dazu kam die vermeintlich amtliche Gestaltung des Schreibens. Striewski selbst ist gelernte Rechtsanwalts- und Notargehilfin und kennt entsprechende Dokumente aus ihrem früheren Berufsleben. Auch das graue Papier, der Briefkopf und die maschinelle Gestaltung wirkten auf sie zunächst vertraut. Genau das macht den Fall aus Sicht der Inselengel so gefährlich: Wer tatsächlich auf eine Rechnung oder Bestätigung wartet, könnte bei einem solchen Schreiben wesentlich weniger misstrauisch sein als bei einer völlig unerwarteten Zahlungsaufforderung.
Striewski fotografierte das Schreiben und schickte es an den 2. Vorsitzenden der Inselengel, Björn Maar. Der brauchte nach ihren Worten keine zehn Minuten, um auf das entscheidende Detail aufmerksam zu werden: die Bankverbindung. Die angegebene IBAN beginnt nicht mit dem deutschen Länderkürzel DE, sondern mit ES – dem Kürzel für Spanien. Spätestens damit war für die Verantwortlichen klar, dass mit der vermeintlichen Gerichtspost etwas nicht stimmen konnte. „Da kam uns das aber spanisch vor“, sagt Striewski mit einem Schmunzeln – bei einem Vorfall, dessen Folgen für den jungen Verein durchaus ernst hätten sein können.
Weitere Auffälligkeiten kamen hinzu. So wurde laut Striewski erheblicher Zeitdruck aufgebaut: Innerhalb von nur drei Werktagen sollte die Summe gezahlt werden, andernfalls wurden unter anderem weitere Kosten und eine zwangsweise Einziehung in Aussicht gestellt. Das Schreiben trug nach ihren Angaben das Datum 31. Juli, war bei ihr aber erst am darauffolgenden Dienstag angekommen. Die genannte Frist wäre damit praktisch bereits abgelaufen gewesen. Genau dieser Druck ist für Striewski ein weiterer Grund, jetzt andere zu sensibilisieren. Wer sich durch kurze Zahlungsfristen einschüchtern lässt und möglichst schnell reagieren möchte, schaut möglicherweise nicht mehr genau genug hin.
Die Inselengel entschieden sich deshalb, nicht nur auf keinen Fall zu zahlen, sondern den Vorgang auch zur Polizei zu bringen. Striewski erstattete Anzeige und legte das Schreiben dort vor. Besonders beschäftigt den Verein dabei die Frage, wie die Absender an die zutreffenden Daten gelangen konnten. Nach ihren Angaben wurde der Sachverhalt von der Polizei aufgenommen und dabei auch festgehalten, dass die Inselengel tatsächlich auf Post im Zusammenhang mit ihrer Eintragung gewartet hatten. Ob und woher die Täter ihre Informationen bezogen haben, ist bislang offen.
Für die Inselengel ist der Vorfall ausgerechnet in der Gründungsphase ein unschönes Erlebnis. Entmutigen lassen möchte sich der Verein davon aber nicht. Stattdessen soll aus dem eigenen Beinahe-Schaden zumindest eine Warnung für andere werden. „Auch wenn das auf den ersten Blick echt aussieht: niemals gleich überweisen“, appelliert Striewski. Im Zweifel solle man ein Schreiben zunächst in Ruhe prüfen, eine zweite Person darauf schauen lassen und sich bei Unsicherheit an die vermeintlich ausstellende Stelle oder die Polizei wenden. Genau dieser zweite Blick hat die Inselengel in diesem Fall möglicherweise vor einem Schaden von fast 2.000 Euro bewahrt.
Dass selbst ein auf den ersten Blick professionelles Schreiben gefälscht sein kann, ist für Striewski die wichtigste Erkenntnis aus dem Vorfall. Ihr Rat lautet deshalb, sich von vermeintlichen Zahlungsfristen nicht unter Druck setzen zu lassen und insbesondere die Bankverbindung genau zu kontrollieren. Im Fall der Inselengel war das spanische „ES“ am Anfang der IBAN schließlich das deutlichste Warnsignal. Wer unsicher ist, könne ein entsprechendes Schreiben auch fotografieren und zunächst einer anderen Person zeigen. „Lieber einen Tag warten, als dass das Geld futsch ist“, bringt Striewski ihre Warnung auf den Punkt.
Und die Geschichte hat inzwischen noch eine erfreuliche Fortsetzung: Wenige Tage nach unserem Gespräch mit Annette Striewski kam tatsächlich die Post, auf die die Inselengel die ganze Zeit gewartet hatten – diesmal die richtige. Die Eintragung ist erfolgt und aus den „Inselengeln Föhr – Gemeinsam helfen“ ist nun auch offiziell ein eingetragener Verein geworden. Die Inselengel dürfen damit ab sofort den Zusatz „e.V.“ tragen. Nach dem falschen Schreiben mit einer Forderung von fast 2.000 Euro gab es für das noch junge Team also doch noch erfreuliche Post. Und vermutlich wurde bei diesem Brief die Bankverbindung besonders gründlich kontrolliert.
Foto: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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