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BSH-Präsident Helge Heegewaldt (li) und der gerade aus dem Amt geschiedene IHO-Generalsekretär Mathias Jonas stehen vor dem Forschungsschiff «Deneb». Foto: Bernd Wüstneck/dpa
Rostock (dpa) – Die internationale Zusammenarbeit ist für die Vermessung und Kartierung der Weltmeere und für die Sicherheit der Seeschifffahrt entscheidend. Die Seeleute auf den Schiffen müssten sich darauf verlassen können, dass Tiefenangaben korrekt und auch alle Hindernisse erfasst seien, unabhängig davon, in welchem Land die Seekarte entstanden sei, sagte BSH-Präsident Helge Heegewaldt bei einem Festakt in Rostock. «Denn Meere enden nicht an Staatsgrenzen.»
Internationale Zusammenarbeit sei dabei keine Selbstverständlichkeit. «Sie braucht Staaten, die bereit sind, gemeinsame Verfahren und Standards zu entwickeln und diese auch umzusetzen, Wissen zu teilen und über nationale Perspektiven und Egoismen hinauszudenken. Das ist gerade in der heutigen Zeit wichtig», so Heegewaldt. Das BSH feierte in Rostock an Bord des Forschungsschiffes «Deneb» den Beitritt Deutschlands zur Internationalen Hydrographischen Organisation (IHO) vor 100 Jahren.
Die IHO setzt weltweit die Standards für die Vermessung der Meere und die Erstellung von Seekarten. Der neueste Standard heißt «S-100» und schafft den Angaben zufolge den gemeinsamen Rahmen für die nächste Generation der digitalen Seekarte. Dabei würden Tiefen, Wasserstände und Strömungen verknüpft und auf der Schiffsbrücke bereitgestellt.
In der Schiffsnavigation würden Echtzeitdaten mit Kartendaten so verschmolzen, wie man das in etwa vom Navigationsgerät im Auto kenne, veranschaulichte der im August aus dem Amt geschiedene IHO-Generalsekretär Mathias Jonas den Ansatz. Auch beim Auto-Navi werde dem Fahrer nicht nur die Karte angezeigt, sondern auch Baustellen, Unfallmeldungen und Ausweichrouten zur Stauvermeidung.
Der Leiter der BSH-Dienststelle in Rostock, Thomas Dehling, bezeichnete es als großen Schritt, dass hochdynamische Daten auf die Schiffsbrücke gebracht würden. Vor allem in flachen Gewässern und engen Revieren wie in Häfen sei das von Bedeutung. Hier beeinflussten schon geringe Änderungen der Wasserstände eine sichere Navigation.
Die neuen dynamischen Wasserstandinformationen in der elektronischen Seekarte erweiterten den schiffbaren Bereich für ein Schiff und das maßgeschneidert auf das jeweilige Schiff unter Berücksichtigung von Größe und Tiefgang. Die Daten müssen punktgenau sein. In der Ostsee beträgt die Rasterdichte zehn Meter. In der stark befahrenen Kadetrinne liegt sie bei einem Meter und in Hafengebieten noch darunter.
Jonas, der neun Jahre IHO-Generalsekretär war, verwies darauf, dass die Erde zu 70 Prozent von Meeren und Ozeanen bedeckt sei. In seiner Amtszeit sei der Anteil des weltweit vermessenen Meeresbodens um circa das Fünffache und die Zahl der Mitgliedstaaten von 87 auf 104 gestiegen. Während vergleichbare Datenerhebung und Kartendienste an Land hochgradig in kommerzieller Hand lägen, sei es in der Seeschifffahrt gelungen, die staatliche Datenhoheit mit der durch die IHO organisierten Zusammenarbeit weitgehend in zu bewahren.
Dafür gebe es historische und politische Gründe: «Hydrographisches Wissen ist Herrschaftswissen», so Jonas. Das zeige sich auch daran, dass etwa die Hälfte der 104 Mitgliedsstaaten ihre hydrographischen Dienste bei der jeweiligen nationalen Marine angesiedelt hätten. Die IHO bringt die nationalen hydrographischen Dienste zusammen und entwickelt gemeinsame Standards für Vermessungen, Seekarten und nautische Informationen.
Die Arbeit geht den Hydrographen nicht aus. Auch Meeresböden und Strömungen verändern sich. So wird die Kadetrinne etwa alle zehn Jahre neu vermessen. Die Vorgängerorganisation der IHO nahm 1921 in Monaco die Arbeit auf. Deutschland trat ihr erstmals am 19. Oktober 1926 bei. Unter dem NS-Regime endete die Mitgliedschaft 1933; seit dem 1. Januar 1952 gehört Deutschland der Organisation wieder an.
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