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Ausbildung

Ausbildung mit Leidenschaft: W.D.R.-Azubi Carl-Richard Günther begeistert mit außergewöhnlicher Geschichte

todayAugust 5, 2026 336 1 169 4

Hintergrund
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Vom Klassenzimmer aufs Wattenmeer: Warum ein W.D.R.-Azubi mit seinem mutigen Weg ganz Schleswig-Holstein beeindruckt

Vor einem Jahr drückte Carl-Richard Günther noch die Schulbank in Thüringen, heute absolviert er seine Ausbildung zum Schiffsmechaniker bei der Wyker Dampfschiffs-Reederei auf Föhr. Für seinen persönlichen Beitrag zum vocatium-Ausbildungspreis wurde er jetzt mit dem 2. Platz ausgezeichnet. Im Gespräch mit dem Inselradio Föhr erzählt er von seinem mutigen Neuanfang, seiner Begeisterung für die Schifffahrt und seinem großen Traum.

Vor gut einem Jahr saß Carl-Richard Günther noch im Klassenzimmer in Thüringen und interpretierte Gedichte für das Abitur. Heute trägt er Arbeitskleidung an Bord der MS Norderaue, weist Lastwagen auf das Autodeck ein, unterstützt im Maschinenraum, übernimmt Verantwortung auf der Brücke und sorgt gemeinsam mit der Besatzung dafür, dass täglich tausende Fahrgäste sicher zwischen Föhr, Amrum und dem Festland unterwegs sind. Für diesen außergewöhnlichen Weg wurde der angehende Schiffsmechaniker der Wyker Dampfschiffs-Reederei (W.D.R.) jetzt mit dem 2. Platz beim regionalen vocatium-Ausbildungspreis 2026 ausgezeichnet. Mit seinem persönlichen Beitrag zum Thema „Warum ich meine Ausbildung liebe?“ überzeugte er die Jury und erhielt neben der Ehrung auch ein Preisgeld von 400 Euro. Unsere Redaktion hat Carl-Richard während einer Überfahrt an Bord der MS Norderaue getroffen und mit ihm über seinen ungewöhnlichen Lebensweg, seine Begeisterung für die Schifffahrt und seine Zukunftspläne gesprochen.

Ein mutiger Schritt, der das Leben komplett verändert hat

Dass Carl-Richard einmal Schiffsmechaniker werden würde, hätte er selbst lange nicht gedacht. Eigentlich wollte er nach dem Abitur direkt studieren und später Nautiker werden. Eine Ausbildung kam für ihn zunächst überhaupt nicht infrage. Wie viele junge Menschen hatte auch er Vorurteile gegenüber diesem Weg und glaubte, dass ein Studium die bessere Wahl sei. Erst ein Gespräch mit dem Berufsberater seiner Schule brachte ihn zum Umdenken. Dieser empfahl ihm, zunächst eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker zu absolvieren und anschließend Nautik zu studieren. Rückblickend bezeichnet Carl-Richard diesen Rat heute als einen der wichtigsten seines bisherigen Lebens. Die Bewerbung bei der W.D.R. entstand eher zufällig. Auf der Suche nach Ausbildungsplätzen stieß er im Internet auf die Reederei. Vom Wattenmeer hatte der Thüringer damals kaum eine Vorstellung. „Ich wusste ehrlich gesagt vorher nicht einmal so richtig, dass es Föhr überhaupt gibt“, erzählt er lachend. Heute spricht er mit großer Begeisterung über die Inseln und sagt sogar: „Föhr und Amrum gehören für mich zu den schönsten Sandstränden Deutschlands.“

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Zwischen Brücke, Maschinenraum und Autodeck

Der Arbeitsalltag an Bord beginnt häufig schon lange vor Sonnenaufgang. Je nach Fahrplan startet der Dienst bereits in den frühen Morgenstunden und endet manchmal erst am Abend. Für Carl-Richard unterscheidet sich der Tagesablauf kaum von dem der erfahrenen Besatzungsmitglieder. Schon im ersten Ausbildungsjahr übernimmt er Verantwortung auf dem Autodeck, hilft im Maschinenraum und arbeitet auf der Brücke mit. Besonders beeindruckend war für ihn der Moment, als er das erste Mal selbst das Schiff steuern durfte. „Wenn man oben sitzt und merkt, dass sich dieses tausend Tonnen schwere Schiff durch eine kleine Bewegung am Steuerrad verändert, dann hat man riesigen Respekt davor“, erzählt er. Genau dieses Vertrauen, das ihm seine Kollegen entgegenbringen, motiviert ihn jeden Tag aufs Neue. Natürlich passieren in einer Ausbildung auch Fehler, sagt er offen. Doch gerade daraus lerne man am meisten. Besonders schätzt er die vielen kleinen Momente des Bordalltags – den Zusammenhalt innerhalb der Crew, das Vertrauen der Kollegen und die Begegnungen mit den Fahrgästen, denen er täglich helfen kann.

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Warum eine Ausbildung viel mehr sein kann als nur ein Berufsstart

Mit seinem Siegertext wollte Carl-Richard vor allem ein Vorurteil ausräumen. Viele junge Menschen würden eine Ausbildung unterschätzen und ausschließlich das Studium als richtigen Weg ansehen. Dabei könne eine Ausbildung gerade dann ein perfektes Sprungbrett sein, wenn man später ohnehin studieren möchte. Man sammle praktische Erfahrungen, übernehme früh Verantwortung, verdiene eigenes Geld und starte mit einem ganz anderen Wissen in das Studium. Gerade für angehende Nautiker sei dieser Weg ein großer Vorteil. Wer später als Kapitän Verantwortung übernehme, verstehe die Arbeit seiner Besatzung wesentlich besser, wenn er selbst einmal auf dem Autodeck gearbeitet, Maschinen gewartet und die Abläufe an Bord kennengelernt habe. Genau diese Ehrlichkeit überzeugte auch die Jury des vocatium-Ausbildungspreises. Carl-Richard selbst wusste bis zur Preisverleihung lediglich, dass sein Beitrag zu den vier besten gehörte. Als schließlich sein Name für den zweiten Platz aufgerufen wurde, sei die Freude riesig gewesen. Für ihn sei diese Auszeichnung vor allem eine Bestätigung dafür gewesen, dass sich Mut und Ehrlichkeit auszahlen.

Beitrag 2 mit Carl-Richard Günther anhören
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Der Traum von der großen Seefahrt lebt weiter

Die Ausbildung bei der W.D.R. versteht Carl-Richard deshalb keineswegs als Endstation, sondern als Fundament für seinen weiteren Weg. Nach dem Abschluss möchte er Nautik studieren und später am liebsten Kapitän auf einem Kreuzfahrtschiff werden. Bis dahin sammelt er auf den Fähren zwischen Föhr, Amrum und Dagebüll jeden Tag Erfahrungen, die ihm später niemand mehr nehmen kann. Das Preisgeld in Höhe von 400 Euro möchte er deshalb auch nicht sofort ausgeben. Stattdessen spart er es für einen ganz besonderen Traum: eine Schiffsreise nach Amerika. Zum Abschluss unseres Gesprächs wollte ich von ihm wissen, welchen Rat er jungen Menschen geben würde, die gerade zwischen Ausbildung und Studium schwanken. Seine Antwort kam ohne langes Nachdenken: Man solle sich daran erinnern, wovon man als Kind geträumt habe. Oft seien genau diese Träume der beste Kompass für den eigenen Berufsweg. Auf meine letzte Frage, warum er seine Ausbildung liebe, antwortete er schließlich mit einem einzigen Satz, der wohl besser als jede Urkunde erklärt, warum er den vocatium-Ausbildungspreis verdient hat: „Ich liebe meine Ausbildung, weil ich endlich das machen kann und dort bin, wo ich schon immer sein wollte.“

Fotos: Stefan Gaul

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Geschrieben von: admin

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