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Der Rendsburger Rettungshubschrauber „Christoph 42“ der DRF Luftrettung. Seit April 2026 führt die Besatzung Blutprodukte mit, die bei lebensbedrohlichem Blutverlust bereits direkt am Einsatzort verabreicht werden können.
Premiere für „Christoph 42“: Bei zwei schweren Verkehrsunfällen hat die Besatzung des Rendsburger Rettungshubschraubers erstmals Blutprodukte direkt am Unfallort verabreicht. Beide 18-jährigen Schwerverletzten konnten dadurch noch vor dem Transport in eine Klinik stabilisiert werden.
Bei lebensgefährlichen Verletzungen mit starkem Blutverlust kann jede Minute entscheidend sein. Die Besatzung des Rendsburger Rettungshubschraubers „Christoph 42“ kann deshalb seit April eine Behandlung beginnen, die früher in der Regel erst nach der Ankunft im Krankenhaus möglich war: die Gabe von Blutprodukten direkt am Einsatzort. Nun ist diese zusätzliche Therapiemöglichkeit innerhalb kurzer Zeit erstmals zum Einsatz gekommen. Bei zwei schweren Verkehrsunfällen wurden jeweils 18 Jahre alte Männer noch vor Ort mit Blutprodukten versorgt. In beiden Fällen gelang es den Luftrettern, den instabilen Kreislauf der Schwerverletzten zu stabilisieren und sie anschließend in Kliniken zu transportieren.
Beim ersten Einsatz war ein 18-Jähriger als Insasse eines Autos bei einem schweren Verkehrsunfall erheblich verletzt worden. Die Feuerwehr musste ihn mit großem Aufwand aus dem Fahrzeug befreien. Der junge Mann hatte schwere Mehrfachverletzungen erlitten und so viel Blut verloren, dass sein Kreislauf instabil wurde. Die medizinische Versorgung begann deshalb bereits umfassend an der Unfallstelle: Der Patient wurde chirurgisch behandelt und künstlich beatmet. Zusätzlich entschied sich die Besatzung von „Christoph 42“ für die Gabe von Erythrozytenkonzentraten und Plasma. Damit konnten die Luftretter den Blutverlust bereits vor dem Transport behandeln und den Kreislauf des Patienten stabilisieren. Erst anschließend ging es in das zuständige Krankenhaus.
Nur zwei Tage später wurde die Besatzung erneut zu einem ähnlich schweren Unfall gerufen. Wieder war ein 18 Jahre alter Autoinsasse betroffen, wieder musste die Feuerwehr bei der Befreiung aus dem Fahrzeug unterstützen. Auch dieser Patient hatte schwere Mehrfachverletzungen und einen erheblichen Blutverlust erlitten. Neben der chirurgischen Notfallversorgung und künstlichen Beatmung erhielt er noch am Unfallort Erythrozytenkonzentrate. Sein Kreislauf konnte ebenfalls so weit stabilisiert werden, dass anschließend der Transport in eine Klinik und die Übergabe an das dortige Schockraumteam möglich waren.
Die beiden Einsätze zeigen, was sich durch die Mitnahme von Blutprodukten im Rettungshubschrauber verändert. Bei schweren Verletzungen mit massivem Blutverlust muss nicht mehr zwangsläufig bis zum Eintreffen in einer Klinik gewartet werden, bevor entsprechende Präparate verabreicht werden können. Die Behandlung kann bereits dort beginnen, wo der Unfall passiert ist. Das ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn ein Patient einen instabilen Kreislauf entwickelt und der Weg in ein geeignetes Traumazentrum länger dauert. Neben den klassischen notfallmedizinischen Maßnahmen steht der Hubschrauberbesatzung damit eine weitere Möglichkeit zur Verfügung, schwer verletzte Menschen schon während der präklinischen Versorgung gezielt zu stabilisieren. Für Schleswig-Holstein spielt dabei auch die geografische Struktur eine Rolle. Das Land ist in weiten Teilen ländlich geprägt, die Wege zu spezialisierten Kliniken können entsprechend lang sein. Hinzu kommen die Nord- und Ostseeküsten sowie die Inseln. Gerade dort kann ein Rettungshubschrauber bei zeitkritischen Notfällen eine wichtige Verbindung zur spezialisierten medizinischen Versorgung auf dem Festland herstellen.
Die Voraussetzungen für die beiden erstmaligen Anwendungen wurden bereits zum 1. April 2026 geschaffen. Seitdem hält die Rendsburger Station im Rahmen des Projekts „Heliblut“ Blutprodukte für die Versorgung schwer verletzter oder erkrankter Patienten außerhalb einer Klinik vor. Mitgeführt werden Präparate, die aufgrund ihrer Blutgruppenmerkmale in Notfallsituationen besonders breit eingesetzt werden können. Zum Depot gehören Erythrozytenkonzentrate der Blutgruppe 0 sowie gefriergetrocknetes Plasma der Blutgruppe AB. Die Erythrozytenkonzentrate stammen von der Blutbank des Instituts für Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Das Plasma wird über die Apotheke der Schön Klinik Rendsburg bereitgestellt. Damit befindet sich an der Luftrettungsstation nicht einfach nur zusätzliches medizinisches Material. Blutprodukte stellen besondere Anforderungen an Lagerung, Dokumentation, Kontrolle und Anwendung. Das Konzept ermöglicht es dennoch, sie im Ernstfall unmittelbar für die präklinische Notfallversorgung verfügbar zu haben.
Für die DRF Luftrettung ist das Konzept nicht völlig neu. Bereits 2019 wurde am Standort Greifswald damit begonnen, Blut- und Plasmaprodukte standardmäßig im Rettungshubschrauber mitzuführen. Nach Angaben der Luftrettungsorganisation war dies damals der erste entsprechend ausgestattete Rettungshubschrauber Deutschlands. Das Verfahren wurde anschließend auf weitere Standorte ausgeweitet. Rendsburg ist mittlerweile die sechste Station der DRF Luftrettung, an der entsprechende Blutprodukte für die präklinische Versorgung bereitstehen. Die Erfahrungen mit den Einsätzen werden zudem wissenschaftlich erfasst. Dafür beteiligt sich die DRF Luftrettung am „Blut im Notarztdienst-Register“, kurz BiNAR.
Die Rendsburger Luftrettungsstation gehört zu den traditionsreichen Standorten in Schleswig-Holstein. Sie wurde bereits am 20. Februar 1975 gegründet. Seit dem 24. Juli 2020 befindet sich die Station am Flugplatz Rendsburg-Schachtholm. Mehr als 50 Jahre nach dem Start der Luftrettung in Rendsburg ist mit den Blutprodukten nun eine weitere medizinische Möglichkeit hinzugekommen. Wie schnell diese tatsächlich gebraucht werden kann, haben die beiden ersten Anwendungen eindrücklich gezeigt: Innerhalb von nur zwei Tagen mussten zwei gleichaltrige Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen noch vor Erreichen eines Krankenhauses mit Blutprodukten versorgt werden. Für beide 18-Jährigen bedeutete das, dass eine entscheidende Behandlung nicht erst hinter den Türen eines Schockraums beginnen konnte – sondern bereits unmittelbar am Unfallort.
Fotos: Stefan Gaul u. DRF Luftrettung
Geschrieben von: admin
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