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Unten, vlnr: Simon Lehrich, Ltd. Pilot und Stv. Stationsleiter, Melina Stührk, Ltd. Notfallsanitäterin und Stationsleiterin, Ernst Peleikis, Geschäftsführer der DRF Luftrettung, Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken, Florian Lorenzen, Landrat des Kreises Nordfriesland, Jens-Peter Lindner, Leiter Rettungsdienst des Kreises Nordfriesland, Jérôme Gehri, Geschäftsführer der DRF Luftrettung. Oben, vlnr: Dr. Stefanie Wailke, Notärztin, Dr. Carsten Thee, Ltd. Hubschrauberarzt.
Rund zwei Millionen Euro wurden in die Erweiterung der DRF-Luftrettungsstation Niebüll investiert. Christoph Europa 5 ist seit 2024 rund um die Uhr einsatzbereit – gerade für Föhr, Amrum und die Halligen ist der Standort von besonderer Bedeutung.
Wenn auf Föhr, Amrum oder einer der Halligen nachts ein medizinischer Notfall eintritt, kann Zeit zu einem entscheidenden Faktor werden. Fähren fahren nicht rund um die Uhr, auf dem Wasser sind die Wege länger und Ebbe und Flut richten sich nicht nach einem Notfall. Für genau solche Situationen ist Christoph Europa 5 längst zu einem wichtigen Bestandteil der notfallmedizinischen Versorgung im Norden geworden. Seit 2024 ist der Rettungshubschrauber der DRF Luftrettung in Niebüll rund um die Uhr einsatzbereit. Am 4. September wurde nun auch der dazugehörige Erweiterungsbau der Station offiziell eingeweiht. Rund 80 Gäste waren zu der Feierstunde gekommen, darunter Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken, Nordfrieslands Landrat Florian Lorenzen, Vertreter aus Dänemark sowie zahlreiche Partner aus Rettungsdienst und der weiteren „Blaulichtfamilie“. Unsere Redaktion war vor Ort und hat nach der offiziellen Einweihung mit der Stationsleitung, Piloten und der Gesundheitsministerin gesprochen.
Der Ausbau war eine unmittelbare Folge der Umstellung vom reinen Tag- auf den 24-Stunden-Betrieb im Jahr 2024. Denn mit der nächtlichen Einsatzbereitschaft veränderten sich auch die Anforderungen an die Station. Besatzungen müssen dort nicht mehr nur arbeiten, sondern zwischen den Einsätzen auch nachts ruhen können. Gleichzeitig wurden zusätzliche Funktions-, Umkleide- und Hygienebereiche benötigt. Rund zwei Millionen Euro, finanziert durch die Krankenkassen, wurden in die Erweiterung investiert. Entstanden sind unter anderem zusätzliche Ruheräume in einem neuen Stockwerk, moderne Funktionsräume mit Kühlung, ein Besprechungsraum, eine weitere Küche, neue Umkleiden sowie ein größerer Desinfektions- und Hygienebereich. Auch die Außenanlagen wurden angepasst.
Dass der Weg dorthin für die Besatzungen nicht immer komfortabel war, erzählt Melina Stührk, leitende Notfallsanitäterin und Stationsleiterin, mit einem Schmunzeln. Während der Bauphase diente eine Containeranlage als Interimsquartier. „Es war schon teilweise eine Herausforderung“, sagt sie. Die Wände seien dünn gewesen, die Nachbarn entsprechend gut zu hören. Wer nach einer Nachtschicht schlafen wollte, bekam mitunter schon wieder das Leben der Tagescrew mit. „Aber wir haben das alle als Team gut gemeistert und sind da zusammengewachsen.“ 2025 hatten die eigentlichen Bauarbeiten begonnen. Währenddessen lief der Luftrettungsbetrieb weiter. Ganz abgeschlossen sind die Arbeiten auch nach der Einweihung noch nicht: In einem weiteren Schritt soll der Hangar einen neuen Boden und eine neue Heizungsanlage erhalten.
Was der 24-Stunden-Betrieb gerade für die nordfriesischen Inseln bedeutet, wird im Gespräch mit Stührk besonders deutlich. 1.555 Einsätze flog Christoph Europa 5 nach ihren Angaben im Jahr 2025 insgesamt. Einen erheblichen Teil seiner Arbeit leistet der Hubschrauber dabei für die Inseln. Die geografische Lage macht den Unterschied. Patienten können vom Festland häufig auf dem Straßenweg in eine geeignete Klinik gebracht werden. Von einer Insel aus gibt es diese Möglichkeit nicht. Auch der Transport über das Wasser benötigt Zeit und ist von anderen Bedingungen abhängig. „Der Seenotkreuzer braucht auch ein bisschen mehr Vorlauf. Ebbe und Flut ist ein Thema für uns, aber da wartet der Notfall eben nicht drauf“, beschreibt Stührk die Situation. „Von daher ist die Luftrettung da unentbehrlich.“
Durch die Einsatzbereitschaft rund um die Uhr könne der Hubschrauber Patienten inzwischen auch nachts von den Inseln holen. Niemand müsse allein deshalb bis zum Sonnenaufgang warten. Professionelle notfallmedizinische Hilfe könne rund um die Uhr schnell zum Patienten gebracht werden – und bei Bedarf folge anschließend der schnelle Transport in eine geeignete Klinik.
Auch Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kerstin von der Decken stellte bei ihrem Besuch die besondere Rolle Niebülls heraus. Die Einweihung sei mehr als die Eröffnung eines neuen Gebäudeteils. „Es ist ein super Zeichen, nicht nur für die Crew von Christoph Europa 5, sondern für die gesamte Region“, sagte sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Auf die Bedeutung des Standortes angesprochen, wurde die Ministerin noch deutlicher: „Diese Station ist absolut essenziell.“
Das Einsatzgebiet endet schließlich weder an der Küste noch an der Bundesgrenze. Von Niebüll aus werden neben dem nördlichen Festland die Inseln und Halligen versorgt. Hinzu kommt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Dänemark. Christoph Europa 5 kann auch im südlichen Teil des Nachbarlandes eingesetzt werden. Für von der Decken zeigen auch die Einsatzzahlen, dass die Entscheidung für einen Rund-um-die-Uhr-Standort richtig gewesen sei: „Wir brauchen diesen Standort 24/7 tatsächlich so und er rettet Menschenleben, jeden Tag.“ Auf die Frage, ob sie sich auch künftig für den Standort einsetzen werde, antwortete sie eindeutig: „Absolut.“ Der Standort sei als 24-Stunden-Station ausgeschrieben worden, die Umsetzung habe funktioniert – „und das wird in dieser Form auch weitergehen“.
Wie eng die Zusammenarbeit über die Grenze hinweg inzwischen geworden ist, zeigte sich auch bei der Einweihung. Zahlreiche dänische Partner waren nach Niebüll gekommen. Stationsleiterin Stührk freute sich besonders darüber, dass neben den regionalen Kooperationspartnern auch „unsere Partner und Freunde aus Dänemark“ der Einladung gefolgt waren. Auch DRF-Geschäftsführer Ernst Peleikis bezeichnete Schleswig-Holstein während der Feierstunde als ein Bundesland mit einer besonderen Stellung in der Luftrettung. Vier Luftrettungsstandorte und zwei Stationen mit 24-Stunden-Betrieb sowie die Zusammenarbeit mit der Koordinierten Regionalleitstelle Nord seien wichtige Bausteine. Gleichzeitig verwies er auf Herausforderungen bei Finanzierung und gesetzlichen Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung der Luftrettung. Landrat Florian Lorenzen hob ebenfalls die Bedeutung von Christoph Europa 5 für Nordfriesland und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Dänemark hervor.
Mit der Einweihung hat damit auch eine Übergangszeit für die Crew ihr Ende gefunden. Wo zwischenzeitlich Container als Schlaf- und Arbeitsräume herhalten mussten, stehen den Besatzungen nun Räumlichkeiten zur Verfügung, die auf den 24-Stunden-Betrieb zugeschnitten sind. Simon Lehrich, leitender Pilot und stellvertretender Stationsleiter, und Markus Sandmann, Leiter Stationsbetrieb Region Nord und Hubschrauberführer, gehören zu denjenigen, für die diese Bedingungen zum täglichen Arbeitsumfeld gehören. Sandmann sprach bei der Einweihung deshalb von einer „großen Feierstunde“ für die Station.
Und Gesundheitsministerin von der Decken, die sich im Zuge der Rettungsdienstreform selbst unterschiedliche Bereiche des Rettungswesens angesehen hat, nutzte den Besuch auch für ein ausdrückliches Dankeschön an die Einsatzkräfte. Sie habe „absolute Hochachtung“ vor der Professionalität und Ruhe, mit der die Retter ihre Einsätze bewältigten.
Für die Besatzungen in Niebüll ist der Neubau vor allem ein neues Zuhause zwischen ihren Einsätzen. Für die Menschen auf Föhr, Amrum, den Halligen, dem Festland und bis hinein nach Dänemark steckt dahinter jedoch mehr: Christoph Europa 5 kann weiterhin an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr starten – auch dann, wenn nachts auf einer Insel schnelle Hilfe gebraucht wird.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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Wenn die Insel schläft, sind wir für euch da. Musik, die euch durch die Nacht begleitet.
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