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Spielen ausdrücklich erwünscht: Anfang August testeten Föhrer Kinder in Alkersum die Finalisten des Deutschen Spielzeugpreises 2026. Inzwischen steht auch der Gesamtsieger fest.
Anfang August durften Kinder auf Föhr die Finalisten des Deutschen Spielzeugpreises 2026 testen und bewerten. Unsere Redaktion war bei der Finalrunde im Museum Kunst der Westküste dabei. Inzwischen steht fest, welches Spiel den Gesamtsieg geholt hat.
Was macht ein wirklich gutes Spielzeug aus? Muss es technisch besonders raffiniert sein, draußen für Begeisterung sorgen oder einfach so viel Spaß machen, dass Kinder gar nicht mehr aufhören möchten? Anfang August konnte unsere Redaktion im Museum Kunst der Westküste in Alkersum beobachten, wie diejenigen diese Fragen beantworten, für die Spielzeug schließlich gemacht wird: die Kinder selbst. Bei der Finalrunde des Deutschen Spielzeugpreises 2026 durften sie nach Herzenslust ausprobieren, vergleichen und anschließend ihre Punkte vergeben. Damals war völlig offen, welches Produkt am Ende ganz oben stehen würde – und während unseres Besuchs zeichnete sich sogar ein anderer Favorit ab. Inzwischen ist die Entscheidung gefallen: „Freiluftwelten – Das Insel-Abenteuer“ von Denkriesen ist Gesamtsieger des Deutschen Spielzeugpreises 2026.
Seit mehr als zwei Jahrzehnten werden mit dem Deutschen Spielzeugpreis neue, innovative, hochwertige und pädagogisch sinnvolle Spielwaren ausgezeichnet. Initiiert wurde die Auszeichnung von der Familienzeitschrift „familie&co“. Bei unserem Besuch in Alkersum erklärte uns Hauke Johannsen, wie aus einer Vielzahl neuer Produkte schließlich die wenigen Kandidaten werden, die es bis in die entscheidende Spielrunde schaffen. Der Prozess beginnt bereits zu Jahresanfang. Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg hält das Team Ausschau nach Neuheiten, gleichzeitig können Hersteller ihre Produkte für den Deutschen Spielzeugpreis einreichen. In diesem Jahr schafften es 55 Spielzeuge in sechs Kategorien in die Vorauswahl. Die Bandbreite reicht von „Alles fürs Kinderherz“ und „Für die ganze Familie“ über „Für die Kleinsten“, „Für Künstler und Baumeister“ und „Für meine Freunde und mich“ bis hin zu „Spiel und Technik“. Anschließend waren die Verbraucher gefragt: Bei einer Online-Abstimmung konnten sie ihre Favoriten wählen. Die jeweils zwei bestplatzierten Produkte jeder Kategorie erreichten schließlich die Finalrunde – und genau die fand Anfang August auf Föhr statt.
Dass eine bundesweite Spielzeugauszeichnung ihre entscheidende Runde auf Föhr austrägt, hat einen ganz persönlichen Hintergrund. Hauke Johannsen arbeitet inzwischen von der Insel aus im Homeoffice. Dadurch entstand die Möglichkeit, das Finale in Kooperation mit dem Museum Kunst der Westküste in Alkersum auf Föhr stattfinden zu lassen. Und ein stilles Finale mit einigen Erwachsenen, Bewertungsbögen und ernsten Gesichtern ist das ausdrücklich nicht. Schon während unseres Interviews mit Johannsen war im Hintergrund kaum zu überhören, was hier tatsächlich passiert: Kinder spielen. Laut, ausdauernd und mit ziemlich klaren Vorstellungen davon, was ihnen gefällt und was eben nicht.
Einige von ihnen sind sogar schon erfahrene Tester. „Viele sind auch schon Wiederholungstäter hier, die das zweite, dritte Mal dabei sind“, erzählte Johannsen. Einen gewissen Anteil daran hat offenbar seine Frau, die als Trainerin im Föhrer Hockeyverein bestens vernetzt ist und weiß, wo sich geeignete Nachwuchstester finden lassen.
Genau darin unterscheidet sich der Deutsche Spielzeugpreis nach Angaben von Johansen von vielen anderen Auszeichnungen. Die Bewertung soll ausdrücklich kein objektiver Produkttest nach Art einer Prüforganisation sein. Natürlich beschäftigen sich auch Redaktion, Eltern, Erzieherinnen und pädagogische Fachkräfte mit den Finalisten. Beim Deutschen Spielzeugpreis steht aber bewusst die praktische Erfahrung der Kinder im Mittelpunkt. Johannsen bezeichnet die Auszeichnung deshalb ganz offen als subjektiven Preis. Und sollte es bei der späteren Entscheidung zwischen zwei Produkten besonders knapp werden, gibt es eine klare Regel: Das Urteil der Kinder gibt den Ausschlag. Nach Angaben des Organisators handelt es sich um den einzigen deutschen Spielzeugpreis, bei dem Verbraucher an der Auswahl beteiligt werden. Bei der Finalrunde erhält jedes Kind insgesamt 20 Punkte. Wie diese auf die unterschiedlichen Spielzeuge verteilt werden, dürfen die jungen Tester selbst entscheiden. Wer einen eindeutigen Favoriten hat, kann entsprechend viele Punkte dort platzieren. Wer mehrere Produkte gleichermaßen gut findet, verteilt seine Stimmen breiter.
Wie unterschiedlich Kinder Spielzeug beurteilen, zeigte sich bei unseren Gesprächen mitten in der Finalrunde. Lene Horster hatte an diesem Tag bereits fast alle Angebote ausprobiert. Ganz genau wusste sie irgendwann selbst nicht mehr, wie viele es eigentlich gewesen waren. Nur einige Stationen hatte sie ausgelassen. Bei bestem Sommerwetter hatte es ihr vor allem die große Wasserbahn draußen angetan. Die gehörte für Lene eindeutig zu den Favoriten. Gleichzeitig machte sie aber deutlich, dass ihre Entscheidung durchaus vom Wetter abhängen würde. Auch unter den Angeboten im Innenbereich hatte sie etwas gefunden, das ihr besonders gefiel: Eine kleine Murmelbahn, die selbst aufgebaut werden konnte, hatte bei ihr ebenfalls ordentlich Punkte gesammelt. Genau diese unmittelbaren Reaktionen sind es, die das Finale für die Organisatoren so wertvoll machen. Ein Spielzeug kann auf dem Papier noch so durchdacht erscheinen – erst wenn Kinder freiwillig immer wieder dorthin zurückkehren, lange damit beschäftigt sind und anschließend ihre wenigen Punkte dafür hergeben, zeigt sich, wie gut eine Idee tatsächlich funktioniert.
Als wir uns anschließend bei weiteren Kindern umhörten, entwickelte sich allerdings ziemlich schnell ein auffälliges Muster. Auf die Frage nach dem bisherigen Lieblingsspiel fiel immer wieder derselbe Name: Tonieplay. Andere Kinder nannten zusätzlich die Arztpraxis oder einzelne weitere Angebote, doch die Weiterentwicklung rund um die bekannte Toniebox schien an diesem Nachmittag ausgesprochen gut im Rennen zu liegen. Das war auch Hauke Johannsen bereits aufgefallen. Tonieplay erweitert das bekannte Prinzip der Toniebox um interaktive Spielelemente. Während die Box ursprünglich vor allem zum Abspielen von Geschichten und Musik gedacht war, eröffnet das zusätzliche Spielkonzept weitere Möglichkeiten. Bei den jungen Testern in Alkersum kam das offensichtlich an. So sehr sogar, dass auch unsere Redaktion irgendwann glaubte, den möglichen Sieger bereits entdeckt zu haben. „Vielleicht wird es am Ende die Toniebox“, lautete unsere damalige Prognose mitten im Getümmel. Johannsen wollte sich verständlicherweise nicht festlegen. Schließlich standen zu diesem Zeitpunkt weder die abschließende Punktevergabe noch die spätere Auswertung fest.
Interessant ist aus heutiger Sicht allerdings eine andere Aussage aus unserem Gespräch. Während die Kinder auffällig häufig Tonieplay nannten, berichtete Johannsen, dass bei Redaktion, Eltern und Erzieherinnen ein anderes Spiel bereits sehr weit oben auf der Liste stand: „Freiluftwelten – Das Insel-Abenteuer“ von Denkriesen. Das Konzept unterscheidet sich deutlich von klassischen Brett- oder Technikspielen. Die Spieler sollen ihre Umgebung selbst zum Bestandteil des Spiels machen. Draußen werden beispielsweise Stöcke, Blätter und Steine gesammelt und anschließend für gemeinsame Aufgaben genutzt. Aus Naturmaterialien entstehen unter anderem Boote, Schätze oder andere Elemente einer eigenen Abenteuerwelt. Dabei wird nicht gegeneinander, sondern gemeinsam gespielt. Und sollte das norddeutsche Wetter einmal nicht mitspielen, muss die Partie nicht ausfallen. Ein zusätzlicher Indoor-Modus verlagert das Abenteuer ins Haus. Dann können Haushaltsgegenstände, Bauklötze, Bastelmaterial und die eigene Fantasie die Naturfunde ersetzen. Dadurch verändert sich das Spiel mit der jeweiligen Umgebung – und eine Runde kann völlig anders aussehen als die nächste. Johannsen sagte uns bereits Anfang August, das Konzept erscheine ihm durchaus „prämierungswert“. Zu diesem Zeitpunkt war das lediglich seine persönliche Einschätzung. Heute wissen wir: Damit lag er ziemlich richtig.
Nach der Finalrunde wurden die Punkte der Kinder ausgewertet und die Ergebnisse noch einmal innerhalb der Redaktion betrachtet. Erst danach fiel die endgültige Entscheidung über die Kategoriegewinner und den Gesamtsieg. Was bei unserem Besuch in Alkersum also noch völlig offen war, steht inzwischen fest: „Freiluftwelten – Das Insel-Abenteuer“ von Denkriesen hat den Deutschen Spielzeugpreis 2026 als Gesamtsieger gewonnen.
Damit setzte sich am Ende nicht der Kandidat durch, dessen Name während unserer spontanen Befragung besonders häufig gefallen war. Gewonnen hat ein Spiel, das Kinder und Erwachsene gemeinsam nach draußen schicken kann, Kreativität und Wahrnehmung fördern soll und vor allem auf gemeinsames Entdecken und Konstruieren setzt. Weil Umgebung, Wetter und Ideen der Spieler immer wieder wechseln, gibt es keinen starren Spielplan, der jede Runde identisch ablaufen lässt. Gerade der gemeinschaftliche Ansatz gehörte bereits bei der Finalrunde zu den Punkten, die Johannsen positiv hervorhob: Die Kinder spielen miteinander und lösen die Aufgaben gemeinsam, statt ausschließlich gegeneinander um den Sieg zu kämpfen.
Für Hauke Johannsen liegt genau darin der Reiz der Auszeichnung. Nicht allein eine Fachjury entscheidet am Schreibtisch darüber, welches Produkt ein Siegel bekommt. Leserinnen und Leser stimmen bereits während der Vorauswahl ab, anschließend landen die Finalisten tatsächlich in den Händen der Kinder. Auch Erzieherinnen und das pädagogische Team des Museums Kunst der Westküste bringen ihre Einschätzungen ein. Wenn am Ende ein Produkt mit der Auszeichnung des Deutschen Spielzeugpreises versehen wird, soll deshalb vor allem eines dahinterstehen: Es wurde tatsächlich ausprobiert. Und wer Anfang August in Alkersum dabei war, konnte sehen und vor allem hören, wie ernst die jungen Jurorinnen und Juroren diese Aufgabe nahmen. Und manchmal haben die Fachleute eben doch den richtigen Riecher – auch wenn beim Deutschen Spielzeugpreis am Ende vor allem zählt, was die Kinder vom Spielen halten.
Fotos: Stefan Gaul



Geschrieben von: admin
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