Erneuter Rückschlag für St. Pauli: «Müssen es besser machen»
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Viele Stationen und viele Inselthemen: Innenministerin Magdalena Finke informierte sich auf Föhr unter anderem über Wohnungsbau, Katastrophenschutz, Energieversorgung und Digitalisierung.
41 von insgesamt 59 neuen Wohnungen am Fehrstieg in Wyk sollen öffentlich gefördert werden. Bei ihrem Besuch auf Föhr sprach Innenministerin Magdalena Finke außerdem über Katastrophenschutz, Energie, Digitalisierung und die besonderen Herausforderungen der Insel.
Bezahlbarer Dauerwohnraum gehört seit Jahren zu den großen Herausforderungen auf Föhr. Nun könnte ein Bauprojekt in Wyk zumindest ein Stück Entlastung bringen: Von insgesamt 59 geplanten Wohnungen am Fehrstieg sollen 41 öffentlich gefördert werden. Schleswig-Holsteins Innenministerin Magdalena Finke machte bei ihrem Besuch auf der Insel deutlich, dass das Land das Vorhaben unterstützen möchte. Doch ihre Inseltour am Montag, 10. August, führte sie noch zu zahlreichen weiteren Themen, die Föhr bewegen – vom Katastrophenschutz über die Energieversorgung bis zur Digitalisierung und zur Arbeit der Feuerwehren.
Das Wetter machte es der Innenministerin bei ihrer Ankunft zunächst nicht gerade leicht. Heftiger Regen begleitete den Start in den Tag – die Stimmung konnte das allerdings offenbar nicht trüben. „Ich hatte sofort ein Gefühl, dass ich sagte, ich kann mich hier sofort erholen“, erzählte Finke im Gespräch mit den Pressevertretern der Insel. Genau das sei für sie das Besondere: „Dass man dieses Gefühl hier von der ersten Sekunde an spürt.“
Noch stärker als Landschaft und Atmosphäre blieben der Ministerin die persönlichen Begegnungen während ihres Besuchs in Erinnerung. Sie habe „großartige Menschen“ kennengelernt, die mit hoher Professionalität und großem Engagement für die Insel und ihre Bewohner arbeiteten. Genau solche Begegnungen seien es, die sie von ihren Terminen besonders mitnehme. Die Föhrer hätten, wie sie es schließlich sehr deutlich formulierte, einen „verdammt guten Eindruck“ bei ihr hinterlassen.
Doch hinter der Inseltour steckte natürlich weit mehr als das Kennenlernen von Land und Leuten. Die Innenministerin hatte mehrere konkrete Themen auf ihrer Agenda. „Mir war es wichtig, die Themen bezahlbarer Wohnraum und das Thema kommunale Haushalte, aber auch Katastrophenschutz zu besprechen“, erklärte Finke. Besonders interessant für die Insel dürfte dabei das geplante Wohnungsbauprojekt am Fehrstieg in Wyk sein. Insgesamt 59 Wohnungen sollen dort entstehen – 41 davon sollen nach den derzeitigen Plänen öffentlich gefördert werden. Finke machte deutlich, dass das Land das Projekt unterstützen möchte: „Wir würden auch gerne ein Projekt hier auf der Insel fördern. 41 Wohneinheiten würden wir gerne fördern. Da sind wir auch im Gespräch, wie das dann gelingen kann.“ Die Notwendigkeit sieht die Ministerin eindeutig: „Natürlich braucht die Insel bezahlbaren Wohnraum.“
Auf dem Gelände laufen bereits Arbeiten. Erste Kanäle und Leitungen werden verlegt. Hinter dem Projekt stehen mehrere Unternehmer, darunter die beiden Föhrer Ole Jensen und Niklas Rechert, die sich bereits seit mehreren Jahren mit dem Vorhaben beschäftigen.
Auch die Stadt Wyk unterstützt das Vorhaben. Bürgermeister Hans-Ulrich Hess erklärte, dass inzwischen alle Zeichen auf Grün stünden. Die Stadt habe das Projekt der Föhrer Unternehmer unter anderem mit einer Stellungnahme unterstützt. Bei den öffentlich geförderten Wohnungen handelt es sich um Wohnraum, der nicht einfach frei vermietet werden kann. „Das werden dann Wohnungen sein, für die man einen Wohnberechtigungsschein benötigt“, erklärte Hess. Bis das Projekt diesen Punkt erreichen konnte, mussten zahlreiche Voraussetzungen erfüllt werden. Dazu gehörten Gespräche mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein sowie verschiedene Auflagen und Genehmigungsverfahren. Der Bürgermeister würdigt dabei ausdrücklich die Eigeninitiative der Unternehmer: „Die haben die Idee von sich aus formuliert und die Anträge gestellt.“
Gerade auf Föhr dürfte entscheidend sein, zu welchen Preisen die Wohnungen später angeboten werden können. Nach den Angaben der Innenministerin sind bei öffentlich gefördertem Wohnraum Kaltmieten zwischen 6,80 und 9,80 Euro pro Quadratmeter vorgesehen. Das Land unterstützt solche Vorhaben mit Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen. Finke verwies während ihres Besuchs auf die umfangreiche Wohnraumförderung Schleswig-Holsteins. Insgesamt sollen zwischen 2023 und 2027 rund 1,7 Milliarden Euro in den sozialen Wohnungsbau fließen. Für das laufende Jahr erwartet das Land rund 1.800 geförderte Wohneinheiten. Im kommenden Jahr sollen etwa 2.000 weitere Wohnungen mit langfristiger Mietpreisbindung hinzukommen. Für Föhr könnte das Projekt am Fehrstieg deshalb mehr sein als lediglich ein weiteres Neubauvorhaben: Es schafft Wohnraum in einem Preissegment, das auf der Insel dringend benötigt wird.
Für Wyks Bürgermeister soll es allerdings nicht bei diesem einen Projekt bleiben. Hess spricht sich dafür aus, weitere Möglichkeiten für öffentlich geförderten Wohnungsbau auf der Insel zu untersuchen. „Wir sollten ausloten, wo sonst noch sozialer Wohnungsbau möglich ist“, erklärte er. Dabei müsse sich der Blick nicht ausschließlich auf Wyk richten. Nach Ansicht des Bürgermeisters könnten möglicherweise auch auf Föhr-Land geeignete Standorte gefunden werden. Zusätzliche Entlastung für den angespannten Wohnungsmarkt erwartet Hess außerdem durch die Aktivitäten der Wohnungsbaugenossenschaft Föhr-Amrum. Unter anderem entstehen am Fliederweg weitere Wohnungen. Damit könnten gleich mehrere Projekte dazu beitragen, das Angebot an dauerhaft nutzbarem und bezahlbarem Wohnraum auf Föhr Schritt für Schritt zu vergrößern.
Dass das Thema Wohnen während ihres Besuchs eine große Rolle spielte, bekam Magdalena Finke sogar ganz persönlich zu spüren. Bei der Besichtigung eines anderen Neubauprojekts wurde ihr kurzerhand selbst eine Wohnung angeboten. Die sei zwar etwas groß für sie gewesen, erzählte die Ministerin mit einem Augenzwinkern. Grundsätzlich scheint sie sich ein Leben auf Föhr allerdings durchaus vorstellen zu können: Sie würde „sofort einziehen, wenn der Arbeitsweg nicht so lang wäre“. Neben dem Neubauprojekt beschäftigten sich Ministerin und Vertreter des Amtes auch grundsätzlich mit den besonderen Schwierigkeiten beim Wohnungsbau auf den Inseln. Dazu gehören beispielsweise der Insellage geschuldete Herausforderungen bei der Entwicklung von Wohngebieten sowie zusätzliche Anforderungen und Auflagen.
Ein weiterer großer Schwerpunkt des Besuchs war der Katastrophenschutz. Das Amt Föhr-Amrum hat hierzu nach eigenen Angaben im September 2025 einen Katastrophenschutzstab neu aufgestellt. Parallel wird an einem Gefahrenabwehr-Bedarfsplan mit einem entsprechenden Maßnahmenkatalog gearbeitet. In Alkersum informierte sich Finke über die Vorbereitungen für mögliche Krisensituationen. Dort hat das Amt einen Teil einer Lagerhalle angemietet. Inzwischen wurden unter anderem rund 450 Feldbetten eingelagert. Weitere Ausrüstung soll folgen. Vorgesehen sind beispielsweise Großpumpen, Aggregate und Satellitentelefone. Für 2027 sind Lehrgänge für Mitglieder des Katastrophenschutzstabes sowie Evakuierungspläne und Stabsübungen vorgesehen. Eine vollständige Einsatzbereitschaft soll nach den Planungen bis Ende 2028 erreicht werden.
Parallel beschäftigt sich das Amt mit der Frage, wie die Bevölkerung in einer größeren Krisensituation versorgt werden könnte. Dazu gehören auch Überlegungen zur Verpflegung im Katastrophenfall. Die Ministerin nutzte den Termin zugleich, um auf die landesweite Kampagne „KommKlar SH“ hinzuweisen. Sie soll die Bevölkerung dafür sensibilisieren, sich im Ernstfall für mindestens 72 Stunden selbst versorgen zu können.
Bei einem anderen wichtigen Zukunftsthema konnte die Ministerin dagegen keine guten Nachrichten mitbringen. Während ihrer Inseltour besichtigte Finke auch die drei Föhrer Windkraftanlagen in der Marsch. Der Wunsch nach weiteren Anlagen ist auf der Insel durchaus vorhanden. Doch Finke machte gegenüber unserer Redaktion deutlich, dass die derzeitigen Rahmenbedingungen kaum Spielraum lassen. „Wir können im Moment aufgrund der Kriterien hier keine weiteren Windkraftanlagen zulassen“, erklärte die Innenministerin. Gleichzeitig würdigte sie, mit welcher Professionalität, welchem Engagement und welcher Geduld das Thema Energieunabhängigkeit und Energiesicherheit auf Föhr vorangetrieben werde. Wichtig sei deshalb auch die Frage, warum zusätzliche Anlagen momentan nicht möglich seien und welche Perspektiven sich möglicherweise künftig ergeben könnten.
Wie die Energiewende auf Föhr bereits heute praktisch umgesetzt wird, konnte sich Finke anschließend in Oldsum ansehen. Dort besuchte sie das neue Kraftwerk der Energiegenossenschaft Föhr eG. Gemeinsam mit Vertretern vor Ort informierte sie sich unter anderem über die hocheffiziente Solarthermie-Großanlage. Damit bekam die Ministerin neben den politischen Diskussionen um zusätzliche Windkraft auch einen konkreten Einblick in Projekte, mit denen auf der Insel bereits an einer möglichst nachhaltigen Energieversorgung gearbeitet wird.
Ein weiterer Programmpunkt führte die Ministerin zurück ins Amtsgebäude. Dort stellte das Amt Föhr-Amrum seine Zusammenarbeit mit dem Land Schleswig-Holstein bei der Digitalisierung vor. Nach Angaben des Amtes sind inzwischen mehr als 30 digitale Dienstleistungen online verfügbar. Hinzukommen soll unter anderem ein Pilotprojekt zur „Digitalen Tourismusabgabe“. Bis 2027 soll die Zahl der angebotenen digitalen Dienste auf 50 anwachsen. Finke bekam außerdem die „Digitalen Knotenpunkte“ vorgestellt. Damit sollen Bürgerinnen und Bürger einen niedrigschwelligen Zugang zu digitalen Verwaltungsleistungen und Technologien erhalten.
Nach der Pressekonferenz im Amtsgebäude führte der Weg der Ministerin am Abend noch einmal nach Oldsum. Dort traf sie sich mit den Wehrführungen der Föhrer Freiwilligen Feuerwehren. Für Finke war dieser Termin nach eigenen Worten ein besonderes Anliegen. Bereits im Gespräch mit der Inselpresse hatte sie betont, dass sie während ihrer Inseltour unbedingt die Feuerwehr besuchen wolle. Auch die Polizeidienststelle in Wyk stand am folgenden Tag auf ihrem Programm.
Beim Treffen in Oldsum dankte die Innenministerin den Feuerwehrleuten ausdrücklich für ihr ehrenamtliches Engagement. Es sei nicht selbstverständlich, was die Einsatzkräfte und auch ihre Familien leisteten. Ihre Begeisterung brachte sie schließlich mit einem ziemlich eindeutigen Satz zum Ausdruck: „Ich bin Euer größter Fan!“
Der Besuch von Magdalena Finke hat damit gezeigt, wie breit die Herausforderungen auf Föhr aufgestellt sind: bezahlbarer Wohnraum, Energieversorgung, Katastrophenschutz, Digitalisierung, Feuerwehr und Polizei gehören zu Themen, bei denen Inselkommunen teilweise ganz andere Voraussetzungen haben als Städte und Gemeinden auf dem Festland.
Für viele Föhrer dürfte dennoch besonders eine Zahl aus dem Besuch hängen bleiben: 41. So viele der insgesamt 59 geplanten Wohnungen am Fehrstieg sollen öffentlich gefördert werden. Hinzu kommen weitere Wohnungsbauprojekte auf der Insel. Und wenn es nach Bürgermeister Hans-Ulrich Hess geht, soll die Suche nach geeigneten Flächen für sozialen Wohnungsbau damit noch lange nicht beendet sein. Für einen Wohnungsmarkt, auf dem bezahlbarer Dauerwohnraum seit Jahren zu den knappsten Gütern gehört, wäre das zumindest ein weiterer wichtiger Schritt.
Fotos: Stefan Gaul u. Andreas Hansen
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Geschrieben von: admin
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