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Das Hamburger Krebsregister hat seit 1985 über 800.000 Erkrankungsfälle erfasst. (Symbolbild) Foto: Hannibal Hanschke/dpa
Hamburg (dpa/lno) – Das Hamburgische Krebsregister wird im kommenden Frühjahr 100 Jahre alt. Es sei das älteste Krebsregister der Welt, teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Die Einrichtung hat den Auftrag, Angaben zu Diagnose, Therapie und Verlauf von allen in Hamburg behandelten Krebspatienten zu erfassen und sie der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung zu stellen. Seit 1985 sind über 800.000 Erkrankungsfälle zu mehr als 780.000 Menschen aufgenommen worden.
Den Aufbau der Statistiken hatte die Hamburger Gesundheitsbehörde am 1. April 1927 verfügt, wie die Leiterin des Krebsregisters, Alice Nennecke, sagte. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts habe sich das Krankheitsspektrum in Deutschland verändert. Durch die erfolgreiche Bekämpfung anderer Leiden sei Krebs stärker in den Vordergrund getreten, erklärte Nennecke. Das erste Krebsforschungsinstitut sei in Berlin gegründet worden. Hamburg folgte 1912 mit einem Institut am Allgemeinen Krankenhaus Eppendorf, dem späteren Universitätsklinikum.
Der damalige Leiter des Instituts, Prof. Robert Bierich, und der «Stadtphysikus» Georg Herman Sieveking begannen nach Angaben von Nennecke mit der Datensammlung, für die sie einen «Geschwulstfragebogen» entwarfen. 1927 verpflichtete die Gesundheitsbehörde staatliche Stellen, das Register zu unterstützen.
Das Krebsregister sei bis 1942 weitergeführt worden. Nach zehnjähriger Unterbrechung wurde die Datensammlung 1952 wieder aufgenommen. Die Arbeit der Einrichtung im Nationalsozialismus werde zurzeit erforscht, sagte Nennecke.
Das zweite Krebsregister sei in Ostdeutschland zu DDR-Zeiten aufgebaut worden. Dann folgte 1967 das Saarland. Erst ab den 1980er Jahren hätten die übrigen Bundesländer diesen Schritt gemacht.
Zum Jubiläum der Hamburger Gründung finden eine Reihe von Veranstaltungen statt, wie die Wissenschaftsbehörde weiter mitteilte. Auftakt ist am 20. Oktober mit dem Thema «Über Krebs sprechen – mit Literatur und Geschichte» in der Freien Akademie der Künste am Klosterwall.
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