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Die Mitgliederversammlung findet auf Sylt statt. Foto: picture alliance /dpa
Wie bleibt das Leben auf den Inseln und Halligen auch in Zukunft bezahlbar, sicher und lebenswert? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Insel- und Halligkonferenz (IHKo) seit Jahren. Bei ihrer Mitgliederversammlung in Kampen auf Sylt haben die Vertreter der Insel- und Halliggemeinden jetzt klare Forderungen an die Landespolitik formuliert. Im Mittelpunkt standen die medizinische Versorgung, bezahlbarer Wohnraum, die Energiewende und der Küstenschutz.
Die Herausforderungen sind vielfältig: Während bezahlbarer Wohnraum vielerorts knapp ist, wächst die Sorge um die medizinische Versorgung. Gleichzeitig müssen sich die Inseln und Halligen auf die Folgen des Klimawandels einstellen und ihre Energieversorgung zukunftsfähig gestalten.
Auf ihrer Mitgliederversammlung in Kampen auf Sylt brachte die Insel- und Halligkonferenz deshalb Vertreter verschiedener Landtagsparteien mit den Verantwortlichen der Insel- und Halliggemeinden zusammen. In mehreren Gesprächsrunden ging es darum, welche politischen Entscheidungen notwendig sind, um die besonderen Lebensbedingungen in der Nordsee besser zu berücksichtigen.
In der IHKo haben sich 26 Gemeinden der nordfriesischen Inseln und Halligen sowie Helgolands zusammengeschlossen. Die Vorsitzende Heidi Braun, zugleich Amtsvorsteherin des Amtes Föhr-Amrum, zeigte sich nach der Veranstaltung sehr zufrieden mit dem Austausch.
Besonders dringlich ist aus Sicht der Insel- und Halligkonferenz die Zukunft der medizinischen Grund- und Notfallversorgung. Die geplante Krankenhausreform sorgt für erhebliche Unsicherheit, insbesondere auf Föhr und Helgoland.
Die dortigen Krankenhäuser sollen künftig als sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen weitergeführt werden. Die IHKo befürchtet, dass dabei die besonderen Anforderungen einer medizinischen Versorgung auf Inseln nicht ausreichend berücksichtigt werden.
Anders als auf dem Festland ist das nächste Krankenhaus nicht einfach über eine Straße erreichbar. Fähren, Wetterbedingungen und Entfernungen können im Ernstfall entscheidend sein. Deshalb fordert die Konferenz eine moderne, wohnortnahe medizinische Versorgung, die auch die Notfallversorgung unter den besonderen Bedingungen der Insellage sicherstellt.
Die Verantwortlichen machen deutlich, dass sich Inseln und Halligen nicht mit gewöhnlichen ländlichen Regionen vergleichen lassen. Genau diese Unterschiede müssten bei der Krankenhausplanung stärker berücksichtigt werden.
Ein weiteres großes Thema ist die Wohnraumsituation. Auf vielen Inseln konkurrieren Dauerwohnungen mit Ferienunterkünften und Zweitwohnsitzen. Für Einheimische wird es dadurch zunehmend schwierig, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden.
Die Insel- und Halligkonferenz fordert deshalb bessere rechtliche und planerische Rahmenbedingungen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Dauerwohnraum, Ferienwohnungen und Zweitwohnsitzen zu ermöglichen.
Dabei geht es nicht allein um die Wohnsituation der Bevölkerung. Auch Betriebe und touristische Einrichtungen sind darauf angewiesen, dass Beschäftigte dauerhaft auf den Inseln leben können. Bezahlbarer Wohnraum ist damit eine wesentliche Voraussetzung für funktionierende Gemeinden und eine stabile Wirtschaft.
Von der Landespolitik erwartet die IHKo insbesondere mehr Rechts- und Planungssicherheit, damit die Kommunen ihre Entwicklung langfristig gestalten können.
Auch bei der Energie- und Wärmeversorgung wünschen sich die Inseln und Halligen mehr Eigenständigkeit. Nach Auffassung der IHKo müssen die Gemeinden die Möglichkeit erhalten, selbst über geeignete Lösungen für eine erneuerbare, bedarfsgerechte und am Gemeinwohl orientierte Energieversorgung zu entscheiden.
Dabei spielt auch die Windenergie eine Rolle. Heidi Braun machte deutlich, dass man Windkraft auf den Inseln weiterhin ermöglichen möchte.
Dem stehen allerdings die derzeitigen landesplanerischen Vorgaben gegenüber. Der Landesentwicklungsplan sieht aufgrund der besonderen Bedeutung der Inseln für den Vogelschutz und den Tourismus grundsätzlich keine reguläre Ausweisung von Windenergiegebieten vor.
Die IHKo fordert deshalb von der Landesregierung, die besonderen Voraussetzungen der Inseln und Halligen bei der Energiewende stärker zu berücksichtigen und den Gemeinden entsprechende Gestaltungsmöglichkeiten einzuräumen.
Beim Küstenschutz geht es für die Inseln und Halligen um eine existenzielle Frage. Sie sind den Kräften der Nordsee unmittelbar ausgesetzt und übernehmen zugleich eine wichtige Schutzfunktion für das Festland.
Angesichts des steigenden Meeresspiegels sind langfristige Investitionen unverzichtbar. Mit Klimadeichen und der Anpassung von Warften auf den Halligen hat das Land bereits Maßnahmen auf den Weg gebracht.
Der Insel- und Halligkonferenz reicht das jedoch als langfristige Perspektive nicht aus. Sie fordert ein klares politisches Bekenntnis, die Inseln und Halligen dauerhaft als Wohn- und Arbeitsorte zu erhalten.
Dazu gehört aus ihrer Sicht auch eine verlässliche Finanzierung künftiger Küstenschutzmaßnahmen. Außerdem wünscht sich die IHKo Ausnahmeregelungen bei bestimmten naturschutzrechtlichen Ausgleichs- und Kohärenzmaßnahmen, damit notwendige Schutzprojekte umgesetzt werden können.
Ob Krankenhausversorgung, Wohnraum, erneuerbare Energien oder Küstenschutz: Die Forderungen der Insel- und Halligkonferenz haben einen gemeinsamen Kern. Die besonderen geografischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Inseln und Halligen sollen bei politischen Entscheidungen stärker berücksichtigt werden.
Die Mitgliederversammlung auf Sylt bot den Kommunalvertretern Gelegenheit, diese Anliegen unmittelbar mit Landespolitikern zu diskutieren. Welche konkreten politischen Schritte daraus entstehen, bleibt abzuwarten.
Für die Insel- und Halliggemeinden steht jedenfalls fest: Wer ihre Zukunft gestalten will, muss auch ihre besonderen Lebensbedingungen berücksichtigen.

Reporter & Redaktion | Inselradio Föhr
Stefan Gaul ist mit Mikrofon, Kamera und Notizblock auf Föhr unterwegs. Als Gründer und Betreiber vom Inselradio Föhr berichtet er als Radiomoderator und Reporter über das Leben auf der Insel. Besonders am Herzen liegen ihm die Menschen und ihre Geschichten – von den kleinen Momenten des Alltags bis zu den großen Themen, die Föhr bewegen. Ein besonderes Interesse gilt auch der Blaulichtberichterstattung und der Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Seit 2026 schreibt er als freier Mitarbeiter für den Insel-Boten. Er ist überzeugt, dass sich durch die journalistische Zusammenarbeit noch aktueller und vielfältiger über das Geschehen auf den Inseln berichten lässt.
Geschrieben von: admin
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