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Auf einer Gedenkveranstaltung in der Untersuchungshaftanstalt Hamburg hat Justizsenatorin Anna Gallina zwei in der NS-Zeit zum Tode verurteilte und hingerichtete Kommunisten gewürdigt. (Archivbild) Foto: Georg Wendt/dpa
Hamburg (dpa/lno) – Mit einer Gedenkveranstaltung und zwei neuen Stolpersteinen ehrt die Hamburger Justizbehörde die beiden kommunistischen Widerstandskämpfer Fiete Schulze und Etkar André. Auf einer Veranstaltung in der Kirche der Untersuchungshaftanstalt sagte Justizsenatorin Anna Gallina (Grüne), das Gedenken an die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus solle uns immer wieder bewusst machen, «dass unsere freiheitliche demokratische Grundordnung und unser Rechtsstaat keine Selbstverständlichkeiten sind».
Die Justiz sei Teil der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten gewesen. «Das heutige Gedenken soll uns deshalb Erinnerung und Mahnung zugleich sein, damit unser Rechtsstaat nie wieder seine moralische Grundlage verliert», sagte die Senatorin laut einer Pressemitteilung. Die Veranstaltung wurde nach Angaben der Justizbehörde von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) organisiert.
Nach Angaben der Landeszentrale für politische Bildung war Schulze 1935 vom Hanseatischen Oberlandesgericht wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Landfriedensbruch zum Tode verurteilt und im Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis hingerichtet worden. Der einstige Bürgerschaftsabgeordnete André wurde 1936 in einem Schauprozess wegen Hochverrats und der angeblichen Beteiligung am gewaltsamen Tod mehrerer SA-Angehöriger zum Tode verurteilt und enthauptet.
Beide waren führende Mitglieder der Hamburger KPD um Ernst Thälmann. Während des Hamburger Aufstandes gegen die Weimarer Republik im Oktober 1923 leitete Schulze den Angaben zufolge die bewaffneten Aktionen im östlichen Stadtteil Schiffbek. Nach der Niederschlagung des Aufstandes, der rund 100 Menschen das Leben kostete, konnte er ins Ausland flüchten. Er studierte Gesellschaftswissenschaften in der Sowjetunion, war in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) unter Stalin aktiv und lehrte zeitweise an der Parteihochschule in Moskau.
André war 1923 in die KPD eingetreten und nahm ebenfalls am Hamburger Aufstand teil. Nach drei Monaten «Schutzhaft» kam er wieder frei und stieg in die Führung der Hamburger KPD und des paramilitärischen Roten Frontkämpferbundes auf. Seine letzten Worte vor der Hinrichtung waren den Angaben zufolge: «Es lebe der Kommunismus!»
Am Samstagvormittag sollen vor der Untersuchungshaftanstalt zwei Stolpersteine für die beiden Widerstandskämpfer verlegt werden. Für Schulze gibt es bereits einen solchen Gedenkstein vor seinem ehemaligen Wohnhaus in Hamburg-Billstedt. An André erinnern schon zwei Stolpersteine: Einer liegt im Pflaster vor dem Rathaus, ein weiterer vor seinem ehemaligen Wohnhaus in Barmbek-Nord.
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