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Feuerwehr zum Anfassen: Seit mehr als zwölf Jahren gehört der Besuch des Evangelischen Kindergartens St. Nicolai bei der Freiwilligen Feuerwehr Wyk zu einer besonderen Tradition.
Feuerwehr zum Anfassen: Rund 45 Kinder des Evangelischen Kindergartens St. Nicolai besuchten in diesem Sommer die Freiwillige Feuerwehr Wyk. Hinter der seit mehr als zwölf Jahren bestehenden Tradition steckt mehr als ein spannender Ausflug – die Kinder sollen Vertrauen zu den Einsatzkräften gewinnen und vielleicht sogar selbst für die Feuerwehr begeistert werden.
Einmal selbst in ein Feuerwehrfahrzeug schauen, Einsatzkleidung aus nächster Nähe erleben und herausfinden, was Feuerwehrleute eigentlich machen: Für die Kinder des Evangelischen Kindergartens St. Nicolai in Wyk gehört ein Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Wyk inzwischen zu einer ganz besonderen Tradition. Seit mehr als zwölf Jahren öffnet die Wehr regelmäßig ihre Türen für die kleinen Gäste – von den Krippenkindern bis zu den Vorschulkindern.
Auch in diesem Sommer war es wieder so weit. In zwei Gruppen machten sich insgesamt rund 45 Kinder auf den Weg ins Wyker Gerätehaus. Mittendrin waren Marvin Wildemann und Sascha Werner von der Freiwilligen Feuerwehr Wyk, die den Tag begleiteten und den Kindern ihre Arbeit näherbrachten. Unsere Redaktion war ebenfalls dabei und sprach mit Wildemann sowie Natalie Ehrke-Andresen vom Evangelischen Kindergarten St. Nicolai über eine Aktion, die längst weit mehr ist als ein gewöhnlicher Kindergartenausflug.
Entstanden ist die Verbindung zwischen Kindergarten und Feuerwehr durch Marvin Wildemann selbst. Seine eigenen Kinder besuchten damals den Evangelischen Kindergarten St. Nicolai. Daraus entwickelte sich die Idee, den Kindergartenkindern die Feuerwehr einmal aus nächster Nähe zu zeigen. Aus einem Besuch wurde eine feste Tradition. Seit inzwischen mehr als zwölf Jahren nimmt sich Wildemann dafür während der Sommerferien Zeit. Früher fuhr er für die jüngsten Kinder teilweise noch mit einem kleinen Löschfahrzeug direkt zum Kindergarten. Inzwischen kommen auch die Krippenkinder ins Gerätehaus.
In diesem Jahr bekam Wildemann Unterstützung von Feuerwehrkamerad Sascha Werner. Die war angesichts der Größe der Gruppen durchaus willkommen: Am Vormittag kamen zunächst knapp 20 Kinder, anschließend folgte eine weitere Gruppe mit rund 25 kleinen Besucherinnen und Besuchern. Dass der Termin für viele Kinder etwas Besonderes ist, zeigte sich schon im Vorfeld. Einige kamen nach Angaben von Natalie Ehrke-Andresen eigens für den Feuerwehrausflug in den Kindergarten, obwohl sie eigentlich einen freien Ferientag gehabt hätten.
Hinter der Aktion steckt allerdings mehr als ein spannender Vormittag zwischen Einsatzfahrzeugen und Feuerwehrtechnik. „Einfach den Kindern die Feuerwehr näherbringen“, beschreibt Wildemann eines der wichtigsten Ziele. Gerade im Ernstfall sei es entscheidend, dass Kinder vor Feuerwehrleuten keine Angst haben. Einsatzkräfte treten dann schließlich nicht in Alltagskleidung auf, sondern möglicherweise mit Helm, schwerer Schutzkleidung und weiterer Ausrüstung.
Die regelmäßigen Besuche sollen deshalb Vertrauen schaffen. Die Kinder sollen wissen, wer ihnen im Notfall gegenübersteht – und dass sie zu diesen Menschen gehen können, wenn sie Hilfe brauchen. Für Wildemann war genau das auch ein entscheidender Maßstab für den gelungenen Besuch: Wenn Kinder, die vorher vielleicht noch etwas Respekt vor der Feuerwehr hatten, anschließend weniger Angst haben, habe die Aktion bereits viel erreicht.
Die langjährige Zusammenarbeit hat noch einen weiteren Effekt. Weil sämtliche Altersgruppen vom Kindergarten bis zur Vorschule teilnehmen, kommen einige Kinder während ihrer Kindergartenzeit gleich mehrfach zur Feuerwehr. Wer mit drei Jahren zum ersten Mal dabei ist, hat das Gerätehaus bis zum Schuleintritt unter Umständen bereits drei- oder viermal besucht. Und das merkt man, wie Ehrke-Andresen erzählt: Einige kennen die Abläufe bereits, wissen, was sie erwartet, und können damit sogar den Kindern etwas Sicherheit geben, die zum ersten Mal dabei sind. Fast schon „halbe Feuerwehrkinder“, scherzte Marvin Wildemann im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei einigen bleibt es offenbar nicht beim Zuschauen. Natalie Ehrke-Andresen berichtete von einem Jungen aus ihrer Bärengruppe, dessen großer Bruder bereits bei der Feuerwehr aktiv ist. Er selbst warte sehnsüchtig darauf, endlich sechs Jahre alt zu werden und ebenfalls mitmachen zu dürfen.
Denn bei der Nachwuchsarbeit gibt es auf Föhr eine Besonderheit: Bereits ab einem Alter von sechs Jahren können Kinder in die Feuerwehr aufgenommen werden. Möglich macht das nach Angaben Wildemanns eine entsprechende Sonderregelung auf der Insel. Dann gibt es nicht nur die passende Feuerwehrkleidung, sondern auch einen Dienstplan. Und Marvin Wildemann wäre nicht Wildemann, wenn er die Gelegenheit zur Nachwuchsgewinnung beim Kindergartenbesuch ungenutzt ließe: Die entsprechenden Informationen liegen bereits griffbereit und werden dem Kindergarten mitgegeben. Nachwuchs könne die Feuerwehr schließlich immer gebrauchen. Manche Mitglieder entwickeln später andere Interessen, andere verlassen für Ausbildung oder Studium die Insel. Umso wichtiger sei es, Kinder möglichst früh für die Feuerwehr zu begeistern.
Dass die Besuche tatsächlich etwas bewirken können, zeigt nicht nur der Nachwuchs, der bereits auf seinen sechsten Geburtstag wartet. Durch die wiederkehrenden Termine wird Feuerwehr für die Kinder zu etwas Vertrautem – und vielleicht entsteht aus der Begeisterung eines Kindergartenkindes einige Jahre später tatsächlich ein neues aktives Mitglied.
Für den Evangelischen Kindergarten St. Nicolai ist der Besuch mittlerweile ein fester Bestandteil der gemeinsamen Aktivitäten. Und auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Wyk gibt es wenig Zweifel daran, dass diese Tradition fortgesetzt wird. Der Termin liegt üblicherweise in der ersten oder zweiten Woche der Föhrer Sommerferien. Dass Marvin Wildemann dafür regelmäßig einen Teil seiner freien Zeit einsetzt, nimmt er mit Humor: Statt bei sommerlichen Temperaturen am Strand zu liegen, schwitzt er eben im Gerätehaus in der Einsatzkleidung.
Am Ende zählte ohnehin etwas anderes: begeisterte Kinder, viele neue Eindrücke und vielleicht ein bisschen weniger Scheu vor den Menschen, die kommen, wenn Hilfe gebraucht wird. Und wenn dabei gleichzeitig bei dem einen oder anderen Kind der Wunsch entsteht, später selbst einmal die Feuerwehrkleidung anzuziehen, dürfte gegen eine Fortsetzung dieser inzwischen mehr als zwölf Jahre alten Wyker Tradition erst recht nichts sprechen.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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