Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Dr. Matthias Hüppauff (l.), Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Nordfriesland, und Amtsdirektor Christian Stemmer freuen sich über die Entscheidung, für Neu-Insulaner eine feste „Kümmererfunktion“ zu schaffen. Foto: Amt Föhr-Amrum
Ein neuer Job allein reicht häufig nicht für den Umzug auf eine Insel. MOINBoard wird deshalb 2027 erweitert: Feste Ansprechpartner sollen Neu-Insulaner unterstützen, während die Wirtschaftsförderung Nordfriesland die Koordination übernimmt.
Fachkräfte für Föhr, Amrum und die anderen nordfriesischen Inseln zu gewinnen, scheitert längst nicht immer am fehlenden Arbeitsplatz. Wer für einen neuen Job auf eine Insel ziehen möchte, muss eine Wohnung finden, Behördengänge organisieren und sich in einer neuen Umgebung zurechtfinden. Genau an diesen Hürden soll MOINBoard künftig noch stärker ansetzen. Nach dem digitalen Start im April beginnt 2027 die nächste Phase des Projekts: Die Wirtschaftsförderung Nordfriesland übernimmt die inselübergreifende Koordination der Arbeitskräftegewinnung – und für Neu-Insulaner soll es auf jeder Insel eine feste Ansprechperson geben.
MOINBoard verbindet bislang drei Säulen miteinander: eine Jobsuche mit KI-gestütztem Job-Finder, digitale Amtsgänge über den „Move Planner“ sowie eine digitale Willkommenskultur mit Inseltyp-Checker und Insel-Guides. Nach Angaben des Amtes Föhr-Amrum fällt die Bilanz der ersten 180 Tage positiv aus. Die Plattform werde deutschlandweit genutzt, am häufigsten allerdings der Job-Finder.
Hinter dem Projekt steht eine Untersuchung zur sogenannten Workforce-Mobility mit 2.000 Erwerbspersonen. Danach sinkt die Bereitschaft zu einem Wechsel, sobald dafür ein Umzug auf eine Insel oder Hallig erforderlich wird. Zusätzlich wurden 120 Betriebe befragt. Als besonders große Herausforderungen nennt das Amt die Personalgewinnung und die anschließende Bindung der Beschäftigten.
Die Konsequenz daraus: Eine Stellenanzeige allein reicht nicht. Wer tatsächlich den Schritt auf eine Insel wagt, braucht Unterstützung bei Themen wie Wohnraum, digitalen Behördengängen und der Orientierung vor Ort. „Digitalisierung ohne Menschen ist nur die halbe Miete“, sagt Amtsdirektor Christian Stemmer. MOINBoard verbinde deshalb die digitale Plattform mit einer echten Ansprechperson auf der Insel. „Das ist die Kombination, die funktioniert.“
Genau dieser persönliche Teil soll ab 2027 deutlich ausgebaut werden. Dann beginnt nach Angaben des Amtes die zweite Phase von MOINBoard. Für die kommenden drei Jahre soll es eine inselübergreifende Koordination geben. Gleichzeitig soll auf jeder Insel künftig eine Ansprechpartnerin oder ein Ansprechpartner für Zuzügler zur Verfügung stehen – vom Amt als „Lotsin für Neu-Insulaner“ bezeichnet. Sie soll beim Ankommen begleiten, Stammtische mit Arbeitgebern organisieren und der digitalen Plattform ein persönliches Gesicht geben. Bestehende Strukturen sollen dabei gebündelt werden.
Die Koordination geht ab Januar 2027 an die Wirtschaftsförderung Nordfriesland über. Damit soll das Projekt nach der Förderphase dauerhaft verankert werden. Für deren Geschäftsführer Dr. Matthias Hüppauff ist die Fachkräftefrage unmittelbar mit der Zukunft der Region verbunden. Ohne genügend Personal funktionierten weder Tourismus noch Daseinsvorsorge. Mit MOINBoard und einer klaren Koordination vor Ort sieht er für die Inseln deshalb eine Chance, Arbeitskräfte nicht nur zu gewinnen, sondern langfristig in der Region zu halten.
Bis Ende 2026 soll MOINBoard auf allen nordfriesischen Inseln ausgerollt sein. Dazu gehören sämtliche drei digitalen Werkzeuge, Informationen zu allen Inseln in möglichst barrierearmer und mehrsprachiger Form sowie eine spezielle Kampagne. Unter dem Motto „Arbeiten, wo andere Urlaub machen – mit digitaler Unterstützung und klaren Ansprechpersonen vor Ort“ sollen erste Geschichten von Menschen erzählt werden, die den Schritt auf die Insel bereits gewagt haben. Das endgültige Verstetigungskonzept soll im Dezember vorgestellt werden.
Digitalisierungsminister Dirk Schrödter sieht in dem Projekt eine Möglichkeit, Lösungen auch über die Region hinaus nutzbar zu machen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Modellregion Amt Föhr-Amrum bezeichnet er als gelebte Kooperation. Die Erfahrungen der Inseln könnten später auch anderen Regionen Schleswig-Holsteins zugutekommen.
Genau darauf ist das Projekt von Beginn an ausgelegt. Die entwickelten Lösungen sollen nach Abschluss des Projekts 2026 als Open Source zur Verfügung stehen. Damit könnten beispielsweise Küstenregionen, Flächenländer oder andere Gebiete mit Problemen bei Fachkräftegewinnung und Mobilität einzelne Bausteine übernehmen. Nach Angaben des Amtes sollen die Lösungen später auch für Dorfentwicklung, Mittelstand und Regionalentwicklung nutzbar sein. Auch die IHK Flensburg unterstützt den Ansatz. Michael Lohmann, Geschäftsstellenleiter der IHK in Husum, verweist darauf, dass MOINBoard bereits vorhandene digitale Angebote wie „Starthafen.sh“ oder die Förderscouting-Plattform „Projektkompass“ ergänze.
Für Föhr und Amrum soll die nächste Ausbaustufe damit vor allem eines schaffen: Hinter der digitalen Suche nach Job, Informationen und Behördendienstleistungen soll künftig ein Mensch stehen, der beim tatsächlichen Ankommen hilft. Das Amt verbindet damit auch konkrete Erwartungen für die Inseln – qualifiziertes Personal unter anderem für Pflege, Gastronomie, Handwerk und Verwaltung und damit langfristig eine Stärkung von Daseinsvorsorge und Wirtschaftskraft.
Foto: Andreas Hansen/Amt Föhr-Amrum
Geschrieben von: admin
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