Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
todayOktober 11, 2026 46 41 5
Medizinischer Fortschritt am UKSH in Lübeck: Ein neuartiger Netzhaut-Chip soll einer 80-jährigen Patientin helfen, nach jahrelanger schwerer Sehbehinderung wieder Buchstaben erkennen und lesen zu können.
Medizinischer Meilenstein am UKSH in Lübeck: Einer 80-jährigen Patientin wurde erstmals seit der EU-Zulassung ein neuartiger Netzhaut-Chip eingesetzt. Die Technologie soll ihr ermöglichen, nach Jahren schwerer Sehbehinderung wieder Buchstaben zu lesen.
Eine 80-jährige Frau, die seit Jahren nicht mehr lesen oder Gesichter erkennen kann, schöpft neue Hoffnung. Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck haben Ärzte ihr einen winzigen Netzhaut-Chip eingesetzt, der zerstörte Sehzellen teilweise ersetzen soll. Es ist nach Angaben des Klinikums der weltweit erste Eingriff dieser Art seit der EU-Zulassung der Technologie im Juli 2026. Für die Augenheilkunde könnte das Verfahren einen wichtigen Fortschritt bedeuten. Ob die Patientin tatsächlich wieder lesen kann, muss sich allerdings erst zeigen.
Gisela Sudhop leidet seit mehr als zehn Jahren an einer sogenannten geografischen Atrophie. Dabei handelt es sich um eine Spätform der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD), bei der Sehzellen im Bereich des schärfsten Sehens absterben. Betroffene verlieren zunehmend die Fähigkeit, Gesichter zu erkennen, Details wahrzunehmen oder Texte zu lesen. Die altersbedingte Makuladegeneration gehört zu den häufigsten Ursachen für schwere Sehbehinderungen im höheren Lebensalter.
Für die 80-Jährige waren alltägliche Dinge wie das Lesen zuletzt nicht mehr möglich. Nun haben Klinikdirektor Prof. Dr. Salvatore Grisanti und sein Team am UKSH-Campus Lübeck einen neuartigen Chip mit dem Namen „PRIMA“ unter ihre Netzhaut eingesetzt. Das Implantat misst lediglich zwei mal zwei Millimeter und soll einen Teil der Funktion der zerstörten Sehzellen übernehmen.
Die Technik funktioniert im Zusammenspiel mit einer speziell angepassten Brille. Eine darin integrierte Mikrokamera erfasst Bilder und überträgt die entsprechenden Signale sowie die benötigte Energie an den Chip. Dieser stimuliert die noch funktionsfähigen Nervenzellen der Netzhaut, sodass visuelle Informationen wieder an das Gehirn weitergeleitet werden können. Das Verfahren gehört zu den besonders anspruchsvollen Eingriffen der Augenheilkunde und wird nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt.
Für Gisela Sudhop ist der Eingriff mit großen Hoffnungen verbunden. Als die Klinik ihr die Teilnahme anbot, habe sie nicht lange überlegen müssen. „Als ich die Anfrage der Klinik bekam, ob ich zur OP bereit bin, habe ich nicht gezögert. Die Chance, einen ganz wesentlichen Teil meines Sehvermögens zurückzubekommen, grenzt für mich an ein medizinisches Wunder“, sagt die Patientin.
Sie bedankt sich ausdrücklich beim Behandlungsteam des UKSH für die medizinische Leistung und die Betreuung. Die Operation selbst ist allerdings nur der erste Schritt auf dem Weg zu einem möglichen neuen Sehvermögen.
Denn das Gehirn muss erst lernen, die durch den Chip erzeugten visuellen Informationen zu verarbeiten. Dafür steht der Seniorin ein intensives Rehabilitationstraining bevor. Ziel ist es, dass sie künftig wieder mittelgroße Buchstaben erkennen und lesen kann. Ob und in welchem Umfang dies gelingt, wird sich erst im weiteren Verlauf zeigen.
Das Lübecker Ärzteteam bringt bereits Erfahrung mit der neuen Technologie mit. Die Augenklinik des UKSH war an der internationalen Zulassungsstudie des Implantats beteiligt und begleitet auch die weitere Entwicklung des Verfahrens. „Wir freuen uns sehr, dass wir den weltweit ersten Eingriff dieser Art nach der Zulassung des Chips erfolgreich durchführen konnten“, erklärt Klinikdirektor Prof. Dr. Salvatore Grisanti. Er sieht in der Technologie einen bedeutenden Fortschritt und eine neue Perspektive für Menschen, die durch bestimmte Netzhauterkrankungen einen großen Teil ihres Sehvermögens verloren haben.
Bislang konzentrierten sich Behandlungsmöglichkeiten bei der geografischen Atrophie vor allem darauf, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Bereits zerstörte Sehzellen konnten dadurch nicht wiederhergestellt werden. Der neue Ansatz setzt deshalb nicht an der Ursache der Erkrankung an, sondern versucht, die ausgefallene Funktion mithilfe elektronischer Technik teilweise zu ersetzen. Noch handelt es sich um ein hoch spezialisiertes Verfahren, das nicht für jede Form der Erblindung geeignet ist. Auch ein vollständiges Wiedererlangen des natürlichen Sehvermögens ist damit nicht zu erwarten. Für geeignete Patientinnen und Patienten könnte der Netzhaut-Chip jedoch neue Möglichkeiten eröffnen, verlorene visuelle Fähigkeiten zumindest teilweise zurückzugewinnen.
Für Gisela Sudhop beginnt nach dem erfolgreichen Eingriff nun die entscheidende Phase. Mit gezieltem Training soll sie lernen, die neuen Seheindrücke zu nutzen. Ihr großes Ziel: nach vielen Jahren wieder selbst Buchstaben und Wörter lesen zu können.
Fotos: UKSH Campus Lübeck
Geschrieben von: admin
AMD Augenheilkunde Forschung geografische Atrophie Gisela Sudhop Makuladegeneration Medizin medizinische Weltneuheit Netzhaut-Chip Netzhautimplantat PRIMA Chip Salvatore Grisanti Schleswig-Holstein Sehvermögen UKSH Lübeck Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
Föhr am Wochenende – Der passende Musikmix, aktuelle Inselinformationen und jede Menge Wochenendgefühl für Föhr und seine Gäste.
close
Beitrags-Kommentare (0)