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Vom Probenraum zum Konzertsaal: Nach mehreren Tagen Arbeit an seiner neuen Arena-Show spielte Nico Santos in der Nationalparkhalle ein Secret Concert vor rund 400 Menschen. Direkt danach sprach er mit unserer Redaktion.
Eine Woche lang hat Nico Santos mit seiner Band in der Nationalparkhalle auf Föhr für seine neue Arena-Show geprobt. Zum Abschluss gab es ein Secret Concert vor rund 400 Menschen – inklusive noch unveröffentlichter Songs. Direkt danach sprach er mit unserer Redaktion.
Normalerweise braucht es für ein Konzert von Nico Santos monatelange Vorbereitungen, einen offiziellen Vorverkauf und Fans, die teilweise weite Strecken anreisen. Auf Föhr lief es diesmal anders. Seit dem 14. September hatte sich der Sänger gemeinsam mit seiner Band und seinem Team nahezu unbemerkt in die Nationalparkhalle zurückgezogen. Eine Woche lang wurde dort an neuen Songs und der kommenden Arena-Show gearbeitet. Dann passierte am Montagabend, 21. September, etwas, womit noch wenige Tage zuvor kaum jemand gerechnet hatte: Die Türen gingen auf und aus der Probenhalle wurde für einen Abend ein kleiner Konzertsaal. Rund 400 Menschen erlebten ein Secret Concert – mit Musik, die teilweise noch überhaupt nicht veröffentlicht ist.
Nur wenige Minuten nach dem letzten Song traf unsere Redaktion Nico Santos backstage. Die Anspannung der vergangenen Tage war da bereits einer sichtbaren Begeisterung gewichen. „Es hat so viel Spaß gemacht. Föhr, immer wieder für eine Überraschung gut“, sagte der Sänger. Für ihn und seine Band sei dieser Abend allein aufgrund seiner Größe außergewöhnlich gewesen. Eine derart kleine Zuschauerzahl habe seine Band in dieser Konstellation wohl noch nie erlebt. Und gerade weil bei diesem Konzert Songs getestet wurden, die erst Wochen später veröffentlicht werden, gab es für das Publikum eine ungewöhnliche Bitte: keine Handyvideos. „Wir haben vorher gesagt: Ey, das ist eine Probe für eine Arena-Tour. Es sind Songs, die heute gespielt werden, die man vorher noch nie gehört hat.“ Die Besucher hätten sich daran gehalten. Für Santos war es deshalb ein „wunderschönes“ Secret Concert.
Fast eine Woche lang hatte die Nationalparkhalle für die Musiker vor allem eine Funktion: Sie war Arbeitsplatz. Geprobt wurde für eine Produktion, die später unter völlig anderen Dimensionen auf die Bühne kommen soll. Während der Proben war der Zuschauerbereich weitgehend dunkel. Erst beim Secret Concert nahm Santos selbst richtig wahr, wie viele Menschen in den Raum passen. „Auf einmal siehst du, dass da hier 400 Leute reinpassen. Also das war mir erst mal ehrlich gesagt gar nicht bewusst.“ Ausgerechnet diese kleine Kulisse scheint für den Sänger einen besonderen Reiz gehabt zu haben. „Föhr hat irgendwas Magisches“, sagt Santos. Man komme auf der Insel herunter – und genau diese Entspanntheit habe er auch bei den Menschen vor der Bühne gespürt. Noch wichtiger für die eigentliche Arbeit der Woche: Was Band und Team zuvor ohne Publikum entwickelt hatten, funktionierte auch beim ersten Test vor Zuschauern. „Alle die Sachen, die wir uns so ausgedacht haben und die wir uns erhofft haben, die haben am Ende geklappt.“
Für die Nationalparkhalle war der Abend ebenfalls ein besonderer Test. Die beim Secret Concert vor Ort eingesetzte Veranstaltungstechnik kam aus der Halle selbst, auch das Licht wurde vom eigenen Team gefahren und gesteuert. Gleichzeitig hatte die Produktion von Santos jede Menge eigenes Material mit auf die Insel gebracht. Ein großer Truck stand für Instrumente und weitere Ausstattung bereit. Teile der eigentlichen Arena-Produktion – darunter Bühne und LED-Elemente – befinden sich nach Angaben des Sängers noch im Aufbau. Bis zum Tourstart soll die komplette Show fertig sein.
Dass eine der kommenden großen deutschen Arena-Produktionen ausgerechnet in einer vergleichsweise kleinen Halle auf Föhr vorbereitet wird, ist kein Zufall. Ein anderer Musiker hatte entscheidenden Anteil daran: Johannes Oerding. „Das haben wir alle Johannes Oerding zu verdanken“, verriet Santos unserer Redaktion. Oerding habe selbst bereits mit seiner Band auf Föhr geprobt und ihm den Aufenthalt empfohlen. Santos folgte dem Tipp und lernte die Insel im vergangenen Jahr zunächst bei einem deutlich kürzeren Besuch kennen. Gleichzeitig stand er 2025 als Abschlussact des Südstrand OpenAir auf der Bühne. Diesmal sollte aus dem kurzen Aufenthalt bewusst eine ganze Arbeitswoche werden.
Der entscheidende Vorteil war für Santos dabei ausgerechnet das, was Föhr im Vergleich zu einer Großstadt nicht bietet: Ablenkung. In Berlin gebe es während einer solchen Produktionsphase immer wieder Termine, Besucher oder andere Verpflichtungen. Auf der Insel konnte sich das Team dagegen weitgehend abschotten. „So waren wir wirklich nur für uns.“ Das bedeutete allerdings keineswegs eine entspannte Urlaubswoche. Einen Vierteltag frei habe das Team während des Aufenthalts gehabt, erzählt Santos. Trotzdem entwickelte sich ein tägliches kleines Inselritual: Vom Frühstück aus ging es zu Fuß zur Nationalparkhalle – am Strand entlang. Rund 40 Minuten dauerte der Weg, bei Santos nach eigener Aussage gerne auch etwas länger.
Gerade diese Momente abseits der Bühne sind es offenbar, die Santos von Föhr besonders mitnehmen wird. Auf die Frage, woran er denken möchte, wenn er wenige Wochen später mit der fertigen Show vor Tausenden Menschen in einer Arena steht, muss er nicht lange überlegen. Zunächst bekommt die Föhrer Gastronomie ein ausgesprochen gutes Zeugnis. In seiner Band gebe es einige „Feinschmecker“, erzählt Santos – und während der gesamten Woche sei niemand enttäuscht worden. Dass die Stimmung beim Essen entsprechend gut blieb, entwickelte sich innerhalb des Teams bereits zum Running Gag. „Erst mal Props an die Köche hier auf Föhr.“
Und dann gab es noch ein Ritual, das mit der späteren Arena-Produktion überhaupt nichts zu tun hatte. Zwischen dem Ende eines Probentages und dem gemeinsamen Abendessen nutzte die Band freie Zeit gelegentlich für einen Saunagang. Danach ging es direkt in die Nordsee. Für Santos sind genau solche Erlebnisse mehr als eine nette Begleiterscheinung einer Probenwoche. „Das sind genau die Sachen, die eine Band zusammenschweißen und machen, dass wir uns am Ende immer daran erinnern werden.“ Damit war dieser Aufenthalt deutlich mehr als die Rückkehr an einen bekannten Konzertort. Beim Südstrand OpenAir 2025 kam Nico Santos für seinen Auftritt nach Föhr. Diesmal lebte und arbeitete sein Team mehrere Tage gemeinsam auf der Insel. Und während Besucher später auf der Tour eine fertig ausgearbeitete Produktion erleben werden, war in der Nationalparkhalle noch der Entstehungsprozess zu sehen.
Das machte das Secret Concert auch musikalisch außergewöhnlich. Das Publikum bekam nicht nur bekannte Songs zu hören, sondern durfte bereits Titel erleben, die zu diesem Zeitpunkt noch niemand regulär hören konnte. Mehrere davon gehören zum kommenden Album „POV“, das am 30. Oktober erscheinen soll. Geplant sind 18 Songs auf einem Doppelalbum, aufgeteilt auf zwei Seiten mit jeweils neun Titeln. Eine Seite beschreibt Santos als besonders ruhig und persönlich, die andere soll die optimistischere Seite des Musikers zeigen. Im Gespräch erklärt er das Konzept mit „P für Personal, O für Optimist“ – was genau hinter dem „V“ stehen wird, wollte beziehungsweise konnte er an diesem Abend noch nicht endgültig verraten. „Das V ist noch in der Mache.“
Für die rund 400 Menschen in der Nationalparkhalle bedeutete das: Sie bekamen einen Vorgeschmack auf Musik, die der Rest des Publikums erst später kennenlernen wird. Dass dabei tatsächlich keine Aufnahmen der unveröffentlichten Stücke nach außen drangen, war für Santos nach der Show ausdrücklich erwähnenswert. Und so liegen zwischen diesem Abend und dem, was in wenigen Wochen folgen soll, musikalisch Welten: hier die Nationalparkhalle auf Föhr mit wenigen Hundert Menschen, dort große Arenen mit Tausenden Zuschauern. Dazwischen liegt eine Show, an der auf der Insel mehrere Tage lang gearbeitet, ausprobiert und verändert wurde.
Für Föhr war es bereits die zweite Begegnung mit Nico Santos innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit – und eine dritte scheint alles andere als ausgeschlossen. Denn als unser Gespräch backstage endet und wir uns bewusst nicht mit einem endgültigen „Tschüss“, sondern mit einem „Bis bald“ verabschieden, kommt die Antwort ohne Zögern.
Nach einer Woche mit langen Probentagen, Strandwegen am Morgen, gutem Essen, Sauna und Sprüngen in die Nordsee klingt das weniger nach einer höflichen Abschiedsfloskel als nach einem ziemlich guten Fazit seines zweiten längeren Kontakts mit der Insel. Und vielleicht wird sich Nico Santos tatsächlich irgendwann mitten in einer großen Arena an diese Septemberwoche erinnern: an eine dunkle Nationalparkhalle, in der eine neue Show Stück für Stück Form annahm. An rund 400 Menschen, die unveröffentlichte Songs hörten und ihre Handys trotzdem stecken ließen. Und an eine Insel, über die er unmittelbar nach dem Konzert einen Satz sagte, der den gesamten Aufenthalt ziemlich gut zusammenfasst:
„Föhr hat irgendwas Magisches.“
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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