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Ein besonderer Moment für die medizinische Versorgung auf Föhr: Dr. Hark Weber übergibt die Praxis im Meer an Sohn Dr. Thies Weber. Gemeinsam mit Dr. Moritz Hemicker startet die Praxis in eine neue Generation.
34 Jahre lang war Dr. Hark Weber für unzählige Menschen auf Föhr weit mehr als nur Hausarzt. Er war Begleiter in guten und schweren Zeiten, Vertrauensperson über Generationen hinweg und für viele Familien ein fester Bestandteil ihres Lebens. Jetzt beginnt in der Praxis im Meer in Utersum ein neues Kapitel: Sohn Dr. Thies Weber übernimmt den kassenärztlichen Sitz seines Vaters und führt die Praxis gemeinsam mit Dr. Moritz Hemicker in die Zukunft. Für die Patienten ist das eine beruhigende Nachricht – denn die medizinische Versorgung bleibt erhalten und auch der Name Weber wird weiterhin an der Praxistür stehen. Unsere Redaktion hat die drei Ärzte in der Praxis besucht und mit ihnen über Abschied, Neuanfang und die Zukunft der medizinischen Versorgung auf Föhr gesprochen.
Für Hark Weber ist der Abschied alles andere als ein gewöhnlicher Praxiswechsel. Vor genau 34 Jahren übernahm er selbst die Hausarztpraxis seiner Mutter Renate und führte sie über Jahrzehnte mit großer Leidenschaft weiter. Aus der damaligen Einzelpraxis entstand später die heutige Praxis im Meer in Utersum, die längst Patienten aus der gesamten Insel betreut. Wenn er heute auf diese Zeit zurückblickt, denkt er vor allem an die vielen Begegnungen mit den Menschen. „Die Zeit ist eigentlich viel zu schnell vergangen“, sagt er nachdenklich. Gemeinsam mit seinen Patienten habe er viele schöne, aber auch schwierige Momente erlebt. Gerade auf einer Insel entstünden über Jahrzehnte ganz besondere Beziehungen. Viele Familien kennt Hark Weber seit Generationen. Kinder, die er einst behandelt hat, kamen später selbst mit ihren eigenen Kindern in seine Sprechstunde. Genau das mache den Beruf des Hausarztes auf Föhr so besonders.
Dass ausgerechnet sein eigener Sohn die Praxis übernehmen würde, war keineswegs selbstverständlich. Thies Weber schlug zunächst einen ganz anderen Weg ein, studierte Medizin, spezialisierte sich auf die Urologie und arbeitete zuletzt als Oberarzt in einer Hamburger Klinik. Erst später reifte gemeinsam mit seiner Frau, die ebenfalls auf Föhr aufgewachsen ist, der Entschluss, auf die Insel zurückzukehren. Ausschlaggebend waren vor allem die Familie und die eigenen Kinder. „Wir wollten ihnen die Kindheit ermöglichen, die wir selbst hier erleben durften“, erzählt Thies Weber. Zwei Jahre lang arbeitete er anschließend Seite an Seite mit seinem Vater, der ihn zum Facharzt für Allgemeinmedizin ausbildete. Für beide war diese besondere Zeit weit mehr als nur Ausbildung. „Das war ein sehr kollegiales Miteinander“, beschreibt Hark Weber die Zusammenarbeit. Natürlich habe es auch unterschiedliche Meinungen gegeben, erzählt Thies schmunzelnd, doch am Ende habe immer das Wohl der Patienten im Mittelpunkt gestanden.
An der Seite von Thies Weber bleibt auch Dr. Moritz Hemicker, der bereits seit 2022 Teil der Praxis ist. Für ihn war die Zusage des neuen Kollegen ein echter Glücksfall. Schon bei seinem Einstieg stellte sich die Frage, ob sich langfristig ein Nachfolger finden würde. „Als Thies gesagt hat, dass er sich das vorstellen kann, war ich sofort total happy“, erzählt Hemicker. Gemeinsam wollen beide die Praxis behutsam weiterentwickeln. Vieles soll so bleiben, wie die Patienten es kennen und schätzen, gleichzeitig möchten sie eigene Ideen einbringen und die Praxis Schritt für Schritt weiter modernisieren. Für Hemicker ist gerade die Arbeit als Hausarzt auf einer Insel etwas ganz Besonderes. Die Mischung aus unterschiedlichsten Krankheitsbildern, der enge Kontakt zu den Menschen und die große Bandbreite medizinischer Aufgaben machten den Beruf jeden Tag aufs Neue spannend.
Ganz ohne Sorgen startet Thies Weber allerdings nicht in seine neue Aufgabe. Obwohl er weiterhin Facharzt für Urologie ist, darf er bestimmte urologische Leistungen für gesetzlich versicherte Patienten künftig nicht mehr über die Krankenkassen abrechnen. Eine Entscheidung, die ihn nach eigener Aussage sehr enttäuscht. Besonders auf einer Insel bedeute das für viele Patienten längere Wege aufs Festland, obwohl die notwendige Kompetenz direkt vor Ort vorhanden sei. Trotzdem verspricht Weber, weiterhin für seine Patienten da zu sein. Gerade bei akuten Problemen oder Notfällen wolle er auch künftig unkompliziert helfen und gemeinsam mit den Kollegen nach Lösungen suchen. Sein Ziel bleibt es, sich weiterhin dafür einzusetzen, dass sich diese Situation langfristig vielleicht doch noch ändern lässt.
Sowohl Hark Weber als auch Moritz Hemicker sehen die medizinische Versorgung auf Föhr derzeit insgesamt gut aufgestellt. Akute Erkrankungen könnten auf der Insel behandelt werden, bei schwereren Fällen funktioniere die Zusammenarbeit mit den Kliniken auf dem Festland hervorragend. Gleichzeitig beobachten beide mit Sorge, dass viele Hausärzte in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen werden. Nachwuchs zu finden, werde immer schwieriger. Umso wichtiger sei es, dass der Generationswechsel in Utersum gelungen ist. „Zu zweit ist vieles einfacher“, sagt Thies Weber. Vertretungen, Fortbildungen oder Urlaubszeiten ließen sich gemeinsam deutlich besser organisieren – ein Vorteil, von dem letztlich vor allem die Patienten profitieren.
Nach über drei Jahrzehnten fällt Hark Weber der Abschied zwar nicht schwer, emotional ist dieser Schritt dennoch. Was er seinen langjährigen Patienten zum Abschied mitgeben möchte, fasst er in wenigen Worten zusammen: „Das hat Spaß gemacht mit euch. Es war eine ganz tolle Zeit.“ Seinem Sohn wünscht er einen ebenso erfüllenden Berufsweg. Thies Weber wiederum hofft, dass ihm die Menschen auf Föhr das gleiche Vertrauen entgegenbringen werden wie seinem Vater. „Ich werde mein Bestes geben“, verspricht er. Auch Moritz Hemicker blickt optimistisch nach vorne. Für ihn beginnt jetzt ein neues Kapitel – mit dem Ziel, die Praxis gemeinsam weiterzuführen und den Menschen auf Föhr auch in Zukunft eine verlässliche medizinische Versorgung zu bieten.
Der offizielle Generationswechsel soll auch gemeinsam mit den Patienten gefeiert werden. Deshalb lädt die Praxis im Meer am Donnerstag von 11.30 bis 13.30 Uhr zu einem kleinen Empfang in die Praxis nach Utersum ein. Freunde, Nachbarn und Patienten sind herzlich willkommen, um sich persönlich von Hark Weber zu verabschieden, Thies Weber willkommen zu heißen und gemeinsam auf das neue Kapitel anzustoßen.
Fotos: Stefan Gaul
In „Watt en Notfall!“ nehmen euch Nane Nomene von Erste Hilfe NF und Stefan vom Inselradio Föhr mit in die spannende Welt der Ersten Hilfe, des Rettungsdienstes und der Menschen, die dahinterstehen.
Geschrieben von: admin
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