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Die kleine Seehund-Dame Pippa erholt sich im Robbenzentrum Föhr. Am Samstag öffnet die Station beim Tiergottesdienst und Tag der offenen Tür ihre Türen für Besucher.
Wer das Robbenzentrum auf Föhr in den letzten Tagen besucht hatte, begegnete einem ganz besonderen kleinen Patienten. Seehund-Dame Pippa wurde völlig entkräftet und ohne ihre Mutter gefunden. Inzwischen geht es der kleinen Heuler-Dame deutlich besser. Gleichzeitig laufen im Robbenzentrum die Vorbereitungen für den großen Tiergottesdienst und den Tag der offenen Tür am kommenden Samstag, 18. Juli, auf Hochtouren. Unsere Redaktion war vor Ort und hat mit Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert gesprochen.
Als Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert uns die kleine Seehund-Dame zeigt, wird schnell klar, warum das Team im Robbenzentrum so sehr mit ihr mitfiebert. Pippa kam erst vor wenigen Tagen völlig geschwächt auf die Station. Offenbar war sie bereits längere Zeit von ihrer Mutter getrennt gewesen und hatte zusätzlich mit einer starken Entzündung im Maulbereich zu kämpfen. Zunächst ging es deshalb vor allem darum, das junge Tier zu stabilisieren. Mittlerweile hat sich ihr Zustand deutlich verbessert. Sie nimmt langsam wieder zu, wirkt munterer und macht jeden Tag kleine Fortschritte. Für das gesamte Team sind genau solche Momente die schönste Belohnung ihrer Arbeit. Trotzdem heißt es für Pippa schon bald Abschied nehmen. Sobald sie kräftig genug ist, wird sie auf das Festland gebracht, wo sie weiter versorgt und später wieder ausgewildert werden soll.
Nicht nur Pippa kämpft sich Schritt für Schritt zurück. Auch für Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert war die Begegnung mit der kleinen Seehund-Dame etwas ganz Besonderes. Nachdem sie in den vergangenen Monaten gesundheitlich selbst eine schwere Zeit durchlebt hatte, konnte sie nun wieder intensiv mit den Tieren arbeiten. Zwar war sie bereits bei Einsätzen am Strand dabei und kümmerte sich um Untersuchungen oder das Chippen der Tiere, doch jetzt wieder unmittelbar im Alltag mit den Seehunden zu stehen, bedeutet ihr spürbar viel. Gleichzeitig nutzt sie die Gelegenheit, sich noch einmal ausdrücklich bei ihrem Team, ihrem Mann und den vielen Unterstützern zu bedanken, die in ihrer Abwesenheit dafür gesorgt haben, dass die Versorgung der Tiere jederzeit gesichert war. Über diese besondere Zeit möchte sie in einem späteren Interview noch ausführlicher sprechen.
Bevor es soweit ist, steht jedoch ein ganz besonderes Ereignis bevor. Am Samstag, 18. Juli, lädt das Robbenzentrum gemeinsam mit dem Tierhuus Föhr zum Tiergottesdienst und Tag der offenen Tür ein. Los geht es um 14 Uhr mit einem Gottesdienst für Mensch und Tier direkt am Robbenzentrum. Anschließend öffnet das Tierhuus gemeinsam mit dem Robbenzentrum seine Türen. Besucher erhalten spannende Einblicke in die Arbeit der Station, können mehr über den Tierschutz auf Föhr erfahren und sich bei Führungen über die Versorgung der Tiere informieren. Dazu gibt es Kaffee und Kuchen, Bastelangebote, einen Flohmarkt sowie viele weitere Aktionen für die ganze Familie. Janine Bahr-van Gemmert ist überzeugt, dass für große und kleine Besucher jede Menge dabei sein wird und freut sich darauf, möglichst viele Interessierte persönlich begrüßen zu dürfen.
Während sich viele Besucher am Samstag einen Eindruck von der Arbeit machen können, weist Janine Bahr-van Gemmert gleichzeitig auf ein Problem hin, das viele gar nicht wahrnehmen. Gerade in den Sommermonaten vergeht kaum ein Tag, an dem nicht neue Meldungen über hilfsbedürftige Robben eingehen. Oft klingelt das Telefon sogar erst am Abend, wenn Strandbesucher bemerken, dass sich ein Tier über längere Zeit nicht bewegt hat. Hinter jedem Einsatz steckt viel Organisation, denn die Tiere müssen eingefangen, transportiert und versorgt werden. Deshalb sucht das Team weiterhin Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren möchten. Ob beim Einsammeln der Tiere, bei Fahrten oder bei der Unterstützung vor Ort – jede helfende Hand ist willkommen. „Wir brauchen Manpower oder Womanpower“, sagt Janine mit einem Lächeln. Wer Zeit und Lust hat, sich für den Tierschutz auf Föhr einzusetzen, ist jederzeit herzlich willkommen.
Fotos: Stefan Gaul
Nicht jeder junge Seehund, der allein am Strand liegt, wurde von seiner Mutter verlassen. Muttertiere gehen regelmäßig auf Nahrungssuche und kehren anschließend zu ihrem Jungtier zurück. Deshalb gilt: Abstand halten und das Tier keinesfalls anfassen.
Schon wenige Tage nach der Geburt können Mutter und Jungtier ihre Rufe eindeutig voneinander unterscheiden – selbst wenn sich zahlreiche andere Robben in der Nähe befinden.
Die Muttermilch eines Seehundes enthält rund 40 bis 50 Prozent Fett. Dadurch können die Jungtiere täglich bis zu zwei Kilogramm an Gewicht zulegen.
Das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer gehört zu den wichtigsten Aufzuchtgebieten für Seehunde in Europa. Jedes Frühjahr und im Sommer werden hier zahlreiche Jungtiere geboren.
Ausgewachsene Tiere können bis zu 20 Minuten unter Wasser bleiben und Tiefen von weit über 100 Metern erreichen.
Ähnlich wie ein Fingerabdruck ist die Zeichnung des Fells bei jedem Tier individuell.
Das Robbenzentrum Föhr übernimmt jedes Jahr zahlreiche Einsätze rund um Föhr und Amrum. Verletzte oder geschwächte Tiere werden medizinisch versorgt und – wenn möglich – später wieder in die Nordsee entlassen. Gleichzeitig leistet das Team wichtige Aufklärungsarbeit für Einheimische und Urlaubsgäste. Gerade in der Hauptsaison beantworten die Mitarbeiter täglich Fragen zu Seehunden, Kegelrobben und dem richtigen Verhalten am Strand.
Geschrieben von: admin
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