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Nach 42 Jahren im Handwerk ist die Leidenschaft noch immer da: Am 17. Januar schließt Stefan Füchsel sein Geschäft in Utersum – mit seiner Tortenmanufaktur möchte er aber in kleinerer Form weitermachen.
Stefans Tortenmanufaktur in Utersum schließt am 17. Januar 2027. Für den Ort und den Föhrer Westen ist das ein großer Verlust. Doch nach 42 Jahren im Handwerk möchte Stefan Füchsel keineswegs aufhören und hat bereits einen neuen Plan.
Wer Stefan Füchsel morgens in seiner Backstube in Utersum erlebt, merkt schnell, dass hier jemand steht, für den Backen weit mehr als ein Beruf ist. Jeder Handgriff sitzt, gleichzeitig wird ausprobiert, vorbereitet, verziert und organisiert. Seit 42 Jahren übt Füchsel sein Handwerk aus, 30 Jahre davon war er als Angestellter tätig. Und obwohl der 58-Jährige nach mehr als vier Jahrzehnten durchaus sagen könnte, dass es irgendwann genug ist, denkt er gar nicht daran. Das macht die Nachricht, die derzeit viele Menschen in Utersum und weit darüber hinaus beschäftigt, zu einer Geschichte mit zwei Seiten: Stefans Tortenmanufaktur in Utersum schließt am 17. Januar 2027 endgültig ihre Türen. Stefan Füchsel selbst will aber weitermachen.
Für Utersum bedeutet der letzte Öffnungstag trotzdem einen erheblichen Einschnitt. Mit Stefans Tortenmanufaktur verschwindet ein Geschäft, das über Jahre nicht nur für Torten, Kuchen, Brötchen und andere Backwaren stand, sondern längst Teil des Dorf- und Urlaubslebens geworden ist. Ende Januar müssen Stefan und seine Frau Eiken die Räume verlassen haben. Zum Abschied soll es am letzten Öffnungstag voraussichtlich noch einen gemeinsamen Umtrunk im Geschäft geben. Besonders schwer wiegt die Entwicklung, weil sich gleichzeitig auch andernorts auf Föhr das traditionelle Bäckerhandwerk verändert: Der Landbäcker in Borgsum hat bereits angekündigt, seine Produktion Ende Oktober einzustellen. Innerhalb weniger Monate verliert der Föhrer Westen damit zwei vertraute Anlaufstellen für handwerklich hergestellte Backwaren.
Wie sehr das Utersum trifft, bringt Bürgermeister Hark Steinert auf Nachfrage unserer Redaktion auf den Punkt. Für den Ort sei die Schließung ein großer Verlust. Stefans Tortenmanufaktur habe eine wichtige Funktion für die Versorgung im Dorf übernommen und für hohe Qualität gestanden. Füchsel selbst beschreibt Steinert als stets ansprechbar und hilfsbereit – und inzwischen als festen Teil Utersums. Sein persönliches Fazit fällt entsprechend herzlich aus: „Diesen Wirbelwind werden wir vermissen.“
Füchsel kennt das Bäcker- und Konditorenhandwerk auf Föhr seit Jahrzehnten. Insgesamt 42 Jahre arbeitet er inzwischen in seinem Beruf, 30 davon als Angestellter, bevor er den Schritt in die Selbstständigkeit wagte. Zunächst führte sein Weg nach Wrixum, später kam Stefans Tortenmanufaktur in Utersum hinzu. Der Start dort hätte kaum schwieriger gewählt sein können: Im März 2020 öffnete das Geschäft – praktisch zeitgleich mit dem Beginn der Corona-Pandemie und den ersten massiven Einschränkungen. Dennoch entwickelte sich der Standort zu einem festen Anlaufpunkt im Föhrer Westen.
Besonders bekannt ist Füchsel für das, was seinem Geschäft den Namen gegeben hat: seine selbst gefertigten Torten. In der Hauptsaison herrscht in der Backstube entsprechend Hochbetrieb, individuelle Bestellungen gehören seit Jahren zum Alltag. Ob für Geburtstage, Hochzeiten oder andere besondere Anlässe – Füchsel gehört auf Föhr zu denjenigen, die solche Torten nach Kundenwunsch handwerklich anfertigen. Dazu kommen Kuchen und weitere Backwaren. Und wer ihm in der Backstube zusieht, bekommt nicht den Eindruck, dass hier jemand nur noch die verbleibenden Monate bis zum letzten Öffnungstag herunterzählt. Dafür steckt sichtbar zu viel Herzblut in seiner Arbeit.
Gerade deshalb ist wichtig, zwischen dem Ende des Utersumer Geschäfts und der beruflichen Zukunft Füchsels zu unterscheiden. Am 17. Januar endet Stefans Tortenmanufaktur an diesem Standort – nicht aber zwangsläufig die Tortenmanufaktur selbst. Stefan und Eiken haben einen „Traumplan“: Auf ihrem eigenen Grundstück in Wyk möchten sie nach Möglichkeit eine wesentlich kleinere Backstube schaffen. Ein neues Ladengeschäft mit entsprechendem täglichen Kundenverkehr ist nicht vorgesehen. Stattdessen möchte Füchsel sein Pensum nach 42 Berufsjahren reduzieren und sich künftig in kleinerem Rahmen auf das konzentrieren, was ihm besonders am Herzen liegt. Wie und wann sich dieser Plan genau verwirklichen lässt, ist derzeit noch offen. Deshalb können Stefan und Eiken auch den vielen Kunden, die sie momentan täglich nach der Zukunft fragen, noch nicht auf jede Frage eine endgültige Antwort geben. Klar ist aber: Füchsel möchte sein Handwerk nicht aufgeben.
Wie sehr Stefans Tortenmanufaktur über das eigentliche Ladengeschäft hinaus mit Utersum verbunden ist, zeigt ein Blick zum örtlichen Wohnmobilstellplatz. Dort hat sich über die Jahre eine Zusammenarbeit entwickelt, die insbesondere bei den Urlaubsgästen beliebt war. Sönke Sörensen, einer der Betreiber des Wohnmobilstellplatzes, erzählt unserer Redaktion, dass die Gäste ihre Brötchen bei Stefan vorbestellen konnten. Füchsel packte die einzelnen Bestellungen zusammen und lieferte sie morgens zum Stellplatz. Wenn sein Geschäft nachmittags geschlossen war, wurden dort außerdem Kuchen aus seiner Backstube angeboten.
Eine besondere Rolle spielte auch Stefans selbstgebackene Pizza, mit der er die Gäste des Wohnmobilstellplatzes regelmäßig versorgte. Damit wurde aus der räumlichen Nähe über die Jahre ein Angebot, das für manche Stammgäste offenbar ganz selbstverständlich zu ihrem Aufenthalt in Utersum gehörte. Entsprechend seien die Reaktionen auf die bevorstehende Schließung, erzählt Sörensen. Viele Gäste fänden die Entwicklung sehr schade und würden, wie er es formuliert, „so ein bisschen darum trauern“. Auch für den Stellplatz selbst sei die Zusammenarbeit natürlich ein Vorteil gewesen. Was künftig davon ersetzt werden kann, ist offen – sicher ist dagegen, dass ein sehr persönlicher Service wegfällt.
Wie sehr solche Betriebe auch für langjährige Urlauber zu einem Teil ihrer Föhr-Geschichte werden, erlebte unsere Redaktion beim Besuch in Utersum selbst. Vor Ort trafen wir Gäste aus Bückeburg, die seit mehr als elf Jahren regelmäßig jedes Jahr auf die Insel kommen. Ihre Reaktion auf die Nachricht fiel eindeutig aus: „Sehr, sehr schade.“ Die angekündigte Schließung des Landbäckers in Borgsum hatten sie ebenfalls bereits mitbekommen und beobachten mit Bedauern, dass immer mehr vertraute Betriebe verschwinden. Mit Utersum verbinden sie dagegen seit Jahren auch die Torten von Stefan Füchsel, die sie während ihrer Aufenthalte besonders schätzen gelernt haben.
Damit bekommt die Entscheidung eine Bedeutung, die über das einzelne Geschäft hinausgeht. Erst die Nachricht aus Borgsum, nun der bevorstehende Abschied von Stefans Tortenmanufaktur in Utersum: Für die Menschen im Föhrer Westen verändert sich das Angebot handwerklich hergestellter Backwaren innerhalb weniger Monate erheblich. Gerade in den Dörfern geht es dabei nicht ausschließlich um die Frage, wo künftig Brötchen oder Kuchen gekauft werden können. Kleine inhabergeführte Geschäfte sind Anlaufstellen, Orte für ein kurzes Gespräch und gerade für Urlaubsgäste häufig ein Stück des Föhr-Erlebnisses, das bei jedem Aufenthalt wieder dazugehört.
Dass das traditionelle Bäckerhandwerk unter Druck steht, ist dabei längst kein reines Inselphänomen. Deutschlandweit sinkt die Zahl der Betriebe seit Jahren. Nach Angaben des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks ging die Zahl der Betriebe 2025 trotz Neugründungen erneut zurück. Steigende Kosten, zunehmende Bürokratie und Fachkräftemangel gehören zu den Herausforderungen, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Auf Föhr wird diese Entwicklung nun innerhalb kurzer Zeit besonders sichtbar. Trotzdem wäre es falsch, Füchsels Entscheidung einfach unter „Bäckersterben“ abzuhaken. Denn der Handwerker verschwindet nicht mit seinem Utersumer Ladengeschäft. Nach 42 Berufsjahren möchte er vor allem eines: weniger machen. Nicht mehr die Dimensionen eines laufenden Geschäfts mit täglichem Kundenverkehr stemmen, sondern das Handwerk in einer Form weiterführen, die zu seinem nächsten Lebensabschnitt passt. Dass auch seine jüngste Tochter Interesse am Konditorenhandwerk zeigt, ist dabei eine zusätzliche kleine Perspektive für die Zukunft.
Bis dahin bleibt noch etwas Zeit. Der 17. Januar 2027 ist definitiv der letzte Öffnungstag von Stefans Tortenmanufaktur in Utersum. Ende Januar müssen die Räume geräumt sein. Zum Abschluss möchten Stefan und Eiken diesen Tag voraussichtlich nicht einfach mit dem Herunterlassen der Tür beenden. Ein gemeinsamer Umtrunk im Geschäft ist geplant, bei dem Stammkunden, Gäste und Wegbegleiter noch einmal zusammenkommen können. Für Utersum endet damit ein Kapitel, das weit über Torten und Brötchen hinausreicht. Dem Wohnmobilstellplatz werden der morgendliche Brötchenservice, Kuchen und Stefans Pizza fehlen. Langjährige Urlauber verlieren eine vertraute Adresse. Für die Menschen im Ort verschwindet ein Geschäft, das zu ihrem Alltag gehörte. Und Bürgermeister Hark Steinert verliert, wie er selbst sagt, einen „Wirbelwind“ aus dem Utersumer Geschäftsleben.
Wer Stefan Füchsel heute allerdings in seiner Backstube beobachtet, erlebt keinen Mann, der sich nach 42 Jahren innerlich bereits von seinem Handwerk verabschiedet hat. Dafür ist noch zu viel Leidenschaft da. Am 17. Januar schließt die Tür von Stefans Tortenmanufaktur in Utersum. Wenn es nach Stefan und Eiken Füchsel geht, soll sich an anderer Stelle irgendwann eine kleinere wieder öffnen.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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todayOktober 11, 2026 3282 124
Wenn die Insel schläft, sind wir für euch da. Musik, die euch durch die Nacht begleitet.
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Ingrid Jensen am September 15, 2026
Ein herber Verlust für Utersum und die Insel Föhr. Uns sind beim lesen des Artikels sogar ein paar Tränchen gekommen. Werden die Brötchen und Torten von Herrn Füchsel vermissen.
Terdmann am September 15, 2026
Oh ne Föhr wird immer mehr zur Insel wo wir nicht mehr unseren Urlaub verbringen möchten