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Nicht nur darüber reden, sondern selbst ausprobieren: Unsere Redaktion hat bei der DLRG Föhr an einer Übungspuppe trainiert, was im Ernstfall zu tun ist. Die praktische Vorführung gibt es auch in zwei Videos auf unseren Social-Media-Kanälen.
Was tun, wenn plötzlich ein Mensch zusammenbricht und nicht mehr normal atmet? Unsere Redaktion hat bei der DLRG Föhr den Selbstversuch gemacht. Frithjof Borth und Nicole Petersen-Buskohl zeigen, welche Schritte im Ernstfall Leben retten können.
Es kann im Supermarkt passieren, beim Sport, am Arbeitsplatz oder zu Hause: Ein Mensch bricht plötzlich zusammen, reagiert nicht mehr – und von einer Sekunde auf die andere sind diejenigen gefragt, die danebenstehen. Doch was war noch einmal der erste Schritt? Muss ich beatmen? Wo genau muss ich drücken? Was passiert, wenn dabei eine Rippe bricht? Und sollte irgendwo ein Defibrillator hängen: Laufe ich los und hole ihn? Gerade wenn der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahre zurückliegt, können solche Fragen im entscheidenden Moment zur großen Hürde werden. Dabei ist die wichtigste Botschaft erstaunlich einfach: Anfangen.
Genau das wollte unsere Redaktion während der aktuellen Woche der Wiederbelebung nicht nur theoretisch erklären. Deshalb haben wir Frithjof Borth und Nicole Petersen-Buskohl von der DLRG auf Föhr besucht und aus dem Gespräch einen praktischen Selbstversuch gemacht. Vor unserem Reporter lag eine regungslose Übungspuppe. Diesmal sollte er nicht danebenstehen und den Profis zuschauen, sondern selbst derjenige sein, der helfen muss. Das Ergebnis dieser Übung zeigen wir zusätzlich in zwei Videos auf unseren Social-Media-Kanälen – damit die einzelnen Schritte nicht nur nachgelesen, sondern auch angesehen werden können.
Die Situation beginnt bewusst ohne medizinisches Vorwissen: Da liegt ein Mensch und reagiert nicht. Frithjof Borth rät zunächst dazu, trotz der Ausnahmesituation möglichst ruhig zu bleiben. Die Person wird angesprochen und ihre Reaktion überprüft. Anschließend muss festgestellt werden, ob sie normal atmet. Dafür wird der Kopf überstreckt und die Atmung kontrolliert.
Bleibt die Person ohne Reaktion und atmet nicht oder nicht normal, muss der Notruf 112 verständigt und mit der Wiederbelebung begonnen werden. Wer in dieser Situation plötzlich merkt, dass die Erinnerung an den Erste-Hilfe-Kurs nicht mehr ausreicht, ist trotzdem nicht allein. „Die Leitstelle wird rangehen und dann auch die Reanimation anleiten“, erklärt Borth. Die Mitarbeitenden können Ersthelfende telefonisch durch die notwendigen Schritte führen. Auch die bundesweite Initiative zur Woche der Wiederbelebung hebt diese telefonische Unterstützung ausdrücklich hervor.
Bei der Herzdruckmassage werden die Hände mittig auf dem Brustkorb platziert. Offiziell empfohlen sind bei Erwachsenen eine Drucktiefe von fünf bis sechs Zentimetern und eine Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Wer entsprechend geschult ist und sich die Beatmung zutraut, kann im Verhältnis 30-mal drücken, zweimal beatmen. Borth nennt für den passenden Rhythmus bekannte Songs wie „Stayin’ Alive“ als Orientierung.
Der entscheidende Punkt ist allerdings ein anderer: Wer sich die Beatmung nicht zutraut, soll deshalb keinesfalls auf die Wiederbelebung verzichten. „Hauptsache, es wird gedrückt“, betont Borth. Auch die offiziellen Hinweise zur Wiederbelebung empfehlen Laien, die nicht in der Beatmung geschult sind oder sie nicht durchführen können, sich auf eine kontinuierliche Herzdruckmassage zu konzentrieren.
Inzwischen gibt es auch auf Föhr an verschiedenen Stellen automatisierte externe Defibrillatoren, sogenannte AED. In unserem Selbstversuch gehörte deshalb auch die Frage dazu, welche Rolle ein solches Gerät im Ernstfall spielt. Borth macht dabei eine wichtige Unterscheidung: Ein AED kann die Wiederbelebung sinnvoll ergänzen – aber ein einzelner Ersthelfer soll die betroffene Person nicht allein liegen lassen, um zunächst nach einem Gerät zu suchen. „Wenn ich alleine bin, dann drücke ich“, sagt Borth. Ein AED sollte nach Möglichkeit von einer zweiten oder dritten Person geholt werden. Genau deshalb ist es hilfreich, laut und gezielt andere Menschen zur Unterstützung heranzuziehen: Eine Person kann den Notruf übernehmen beziehungsweise unterstützen, eine andere einen verfügbaren AED holen, während die Herzdruckmassage möglichst ohne Unterbrechung fortgesetzt wird.
Und dann kommt die Frage, die vermutlich viele Menschen vom beherzten Drücken abhält: Kann ich dabei etwas kaputt machen? Nach Borths Erfahrung gehört die Angst, einem anderen Menschen weh zu tun, zu den größten Hemmungen. Schließlich muss bei einer wirksamen Herzdruckmassage erhebliche Kraft auf den Brustkorb ausgeübt werden. Auch die Sorge vor einer gebrochenen Rippe kommt immer wieder auf. Für Nicole Petersen-Buskohl ist die Abwägung eindeutig: „Wenn er eine Rippe bricht, dann ist es so. Die kann nämlich wieder heilen. Das ist beim Herzen recht schlecht.“ Die zugespitzte Aussage bringt die Botschaft der Übung auf den Punkt: Bei einem Menschen ohne normale Atmung darf die Sorge vor möglichen Verletzungen nicht dazu führen, dass gar keine Wiederbelebung begonnen wird.
Genau deshalb sollte unser Reporter die Situation selbst erleben. Denn auch sein letzter Erste-Hilfe-Kurs liegt bereits einige Jahre zurück. Die Übung zeigte schnell, dass zwischen dem Gedanken „Irgendwann habe ich das einmal gelernt“ und dem tatsächlichen Knien vor einem regungslosen Menschen ein erheblicher Unterschied liegt.
Nach der praktischen Vorführung gab es von Nicole Petersen-Buskohl immerhin die Schulnote zwei. Viel wichtiger war aber eine andere Erkenntnis: Schon eine kurze praktische Auffrischung kann Unsicherheit nehmen und Abläufe wieder ins Gedächtnis holen. Petersen-Buskohl empfiehlt deshalb ausdrücklich, Erste-Hilfe-Kenntnisse freiwillig aufzufrischen – auch wenn gerade weder für den Führerschein noch für den Beruf ein neuer Nachweis benötigt wird. Wer sich nur wenige Dinge merken möchte, sollte nach Einschätzung der beiden DLRG-Mitglieder vor allem die 112, das Rufen nach weiterer Hilfe und den Druckpunkt in der Mitte des Brustkorbs im Kopf behalten. Die offizielle Kampagne fasst das noch kürzer zusammen: Prüfen. Rufen. Drücken. Keine Reaktion und keine normale Atmung? 112 verständigen und mit der Herzdruckmassage beginnen.
Genau darum geht es auch bei der Woche der Wiederbelebung 2026. Die bundesweite Aktionswoche läuft offiziell vom 21. bis 27. September. Ihr Ziel ist es, Hemmungen abzubauen und mehr Menschen dazu zu bringen, bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand sofort zu handeln. Nach Angaben der Initiative finden rund 70 Prozent der Reanimationssituationen im häuslichen Umfeld statt – Ersthelfende helfen also häufig nicht irgendeinem Fremden, sondern einem Menschen, der ihnen nahesteht.
Weil sich eine Herzdruckmassage leichter verstehen lässt, wenn man sie einmal gesehen hat, begleiten wir diesen Artikel mit zwei Videos auf unseren Social-Media-Kanälen. Dort zeigen Frithjof Borth und Nicole Petersen-Buskohl praktisch, wie unser Reporter die Situation an der Übungspuppe durchgespielt hat – vom ersten Ansprechen über die Kontrolle bis zur Wiederbelebung und dem Einsatz eines AED. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einen Erste-Hilfe-Kurs durch zwei Videos zu ersetzen. Sie sollen vielmehr die Hemmschwelle senken und zeigen, dass Ersthelfende keine Rettungsprofis sein müssen. Wer seine Kenntnisse darüber hinaus praktisch auffrischt, kann im Ernstfall deutlich sicherer reagieren.
Nach der Übung bleibt deshalb vor allem eine Frage an Frithjof Borth: Wenn jemand diesen Artikel liest und wenige Stunden später tatsächlich vor einem Menschen steht, der nicht reagiert und nicht normal atmet – welchen Satz sollte er dann unbedingt noch im Kopf haben? Seine Antwort braucht nur wenige Worte: „Anfangen. Anfangen und den Rettungsdienst verständigen.“
Vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis unseres Selbstversuchs. Im Ernstfall muss niemand perfekte medizinische Abläufe auswendig aufsagen können. Man muss erkennen, dass etwas nicht stimmt, die 112 verständigen und handeln. Denn während die Angst vor einem Fehler wertvolle Zeit kosten kann, kann eine sofort begonnene Herzdruckmassage genau die Zeit überbrücken, bis professionelle Hilfe übernimmt.
Foto: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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todayOktober 11, 2026 3292 124
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