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Friesisch soll künftig einen festen Platz im Schulunterricht bekommen: Ab dem Schuljahr 2029/30 will Schleswig-Holstein die Minderheitensprache als reguläres Schulfach ermöglichen. Auf Föhr ist Friesisch bereits heute Teil des Unterrichts. Foto: Stefan Gaul/ki-generiert
Friesisch soll an Schleswig-Holsteins Schulen künftig einen festen Platz bekommen. Ab dem Schuljahr 2029/30 könnten Schulen die Minderheitensprache als reguläres Unterrichtsfach anbieten. Das hat Bildungsministerin Dorit Stenke angekündigt. Voraussetzung sind genügend interessierte Schülerinnen und Schüler sowie qualifizierte Lehrkräfte. Auf Föhr ist Friesisch bereits heute Teil des Schulalltags – sogar eine mündliche Abiturprüfung ist möglich.
Für viele Menschen auf Föhr und Amrum ist Friesisch weit mehr als eine Sprache. Es gehört zur Geschichte der Inseln, verbindet Generationen und ist ein wichtiger Teil der regionalen Identität. Doch die Weitergabe an Kinder und Jugendliche ist keine Selbstverständlichkeit. Schleswig-Holstein will deshalb die Voraussetzungen schaffen, damit Friesisch künftig regulär an Schulen unterrichtet werden kann.
Den entsprechenden Fahrplan stellte Bildungsministerin Dorit Stenke am Montag, 26. Oktober, bei einer Sitzung des Gremiums für Fragen der friesischen Volksgruppe im Kieler Landeshaus vor. Ziel ist ein reguläres Unterrichtsangebot ab dem Schuljahr 2029/30. Eine automatische Einführung an sämtlichen Schulen ist damit allerdings nicht verbunden.
Schon heute wird Friesisch an mehreren Schulen in Schleswig-Holstein unterrichtet. Im laufenden Schuljahr 2026/27 gibt es entsprechende Angebote an neun Schulen, darunter zwei Einrichtungen der dänischen Minderheit. An einzelnen weiterführenden Schulen wird die Sprache als Wahlpflichtfach oder Fremdsprache unterrichtet und benotet.
Eine Besonderheit gibt es auf Föhr: Hier können Schülerinnen und Schüler sogar eine mündliche Abiturprüfung in Friesisch ablegen. Landesweit ist die Zahl der Schulen mit Friesischunterricht in den vergangenen Jahren allerdings zurückgegangen.
„Friesisch ist ein lebendiger Teil unserer kulturellen Identität in Schleswig-Holstein“, betont Bildungsministerin Stenke. Damit die Sprache auch an kommende Generationen weitergegeben werden könne, brauche sie einen festen Platz in den Schulen.
Eine entscheidende Voraussetzung für das Vorhaben sind ausreichend qualifizierte Lehrkräfte. Ab 2027 sollen deshalb neue beziehungsweise überarbeitete Fachanforderungen für Friesisch in den weiterführenden Schulen sowie für Regional- und Minderheitensprachen an Grundschulen entstehen.
Zudem will das Land mit den Hochschulen darüber sprechen, Friesisch als reguläres Fach im Lehramtsstudium einzurichten. Auch zusätzliche Fortbildungen und Möglichkeiten für den Vorbereitungsdienst sollen geprüft werden.
Bereits seit dem 1. August 2026 gilt ein neuer Friesisch-Erlass, der den Schulen mehr Spielraum bei der Unterrichtsgestaltung ermöglicht. Das Land unterstützt den Unterricht außerdem durch zusätzliche Stunden, Lernmaterialien und Fortbildungen. Eine wichtige Rolle spielen dabei das Nordfriisk Instituut in Bredstedt und die Ferring Stiftung auf Föhr.
Unterstützung kommt vom Friesenrat. Dessen Vorsitzender in der Sektion Nord, Ingwer Nommensen, wünscht sich ein möglichst flächendeckendes und qualitativ hochwertiges Angebot in allen Schulformen. Die Anerkennung als reguläres Schulfach sei ein wichtiger Schritt, um die friesische Sprache aufzuwerten.
Auch Schleswig-Holsteins Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen sieht darin eine Chance, die Sprache langfristig zu erhalten. Entscheidend sei, dass Friesisch nicht nur als kulturelles Erbe betrachtet, sondern im Alltag tatsächlich gesprochen und weitergegeben werde.
Nordfriesisch gehört zu den kleinsten Minderheitensprachen Europas. Nach Angaben der Landesregierung beherrschen noch etwa 8.000 bis 10.000 Menschen die Sprache, insbesondere auf Föhr, Amrum, Sylt und Helgoland sowie auf dem nordfriesischen Festland. Für ihren Fortbestand könnte der Schulunterricht künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.

Reporter & Redaktion | Inselradio Föhr
Stefan Gaul berichtet für Inselradio Föhr und in Kooperation als freier Mitarbeiter für den Insel-Boten über das Leben auf der Insel. Ob aktuelle Ereignisse, Veranstaltungen, Interviews oder Fotoreportagen – er ist dort unterwegs, wo Geschichten entstehen. Mit einem Gespür für Menschen und besondere Momente macht er das Inselleben in seinen Beiträgen erlebbar.
Geschrieben von: admin
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