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todayOktober 27, 2026 57 2 21 5
Auch im Herbst sind Zecken aktiv und können Krankheitserreger wie das FSME-Virus übertragen. Eine Impfung kann vor FSME schützen. KI-generiertes Symbolbild / Inselradio Föhr
Zecken sind nicht nur im Sommer aktiv. Auch im Herbst können die kleinen Blutsauger gefährliche Krankheitserreger übertragen. Besonders die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) kann schwere gesundheitliche Folgen haben. Der Kardiologe Dr. Christian Pomiersky erkrankte nach einem Zeckenstich so schwer, dass er zeitweise seine Arme und Beine nicht mehr bewegen konnte. Seine Geschichte zeigt, warum Zeckenschutz und die richtige Vorsorge auch außerhalb der Sommermonate wichtig sind.
Ein aktives Leben, beruflich viel unterwegs, sportlich und voller Energie: Für den Kardiologen Dr. Christian Pomiersky gehörte Bewegung zum Alltag. Bis ein Zeckenstich sein Leben grundlegend veränderte.
Nach der Infektion mit dem FSME-Virus entwickelte der Arzt hohes Fieber und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Als er auf der Intensivstation wieder zu sich kam, stellte er fest, dass sein Körper nicht mehr so funktionierte wie zuvor.
„Ich wollte die Hände heben, es ging nicht. Ich wollte die Beine bewegen, es ging nicht. Und ich konnte nicht schlucken und habe sehr schlecht gesprochen“, erinnert sich Pomiersky im Gespräch mit Danica Grosser.
Die Erkrankung hatte sein Nervensystem schwer beeinträchtigt. Für einen Menschen, der zuvor mitten im Berufsleben stand und sportlich aktiv war, begann eine lange Zeit der Behandlung und Rehabilitation.
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dahinter verbirgt sich eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen wird.
Der Name kann allerdings täuschen: FSME tritt nicht ausschließlich im Frühsommer auf. Auch im Herbst und bei entsprechender Witterung sogar im Winter sind Infektionen möglich.
Viele Infektionen verlaufen ohne erkennbare Beschwerden. Bei anderen Betroffenen entwickeln sich zunächst grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen oder allgemeine Abgeschlagenheit.
Bei einem Teil der Erkrankten kann das Virus anschließend das zentrale Nervensystem angreifen. Mögliche Folgen sind Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks.
In schweren Fällen können Lähmungen, Schluckstörungen, Sprachprobleme und langfristige neurologische Beeinträchtigungen auftreten. Besonders ältere Erwachsene haben ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe.
Eine gezielte Behandlung, die das FSME-Virus beseitigt, steht bislang nicht zur Verfügung. Ärztinnen und Ärzte können vor allem die Beschwerden behandeln und die Betroffenen medizinisch unterstützen.
Dr. Christian Pomiersky hat die besonders schweren Folgen einer FSME-Erkrankung selbst erlebt.
Ein Teil seiner Lähmungserscheinungen bildete sich glücklicherweise zurück. Dennoch ist sein Leben bis heute von den Auswirkungen der Infektion geprägt.
Er benötigt Gehhilfen, leidet immer wieder unter Schmerzen und muss auch seine geistigen Fähigkeiten gezielt trainieren.
„Ich gehe zum Singen, um wieder vernünftig sprechen zu können. Ich versuche wieder, meinen Kopf zu aktivieren, indem ich lerne, wobei ich feststelle, dass ich vieles mir nicht mehr merken kann, was früher eigentlich kein Problem war.“
Sein Alltag besteht inzwischen auch aus regelmäßigem Üben. Was früher selbstverständlich war, erfordert heute Geduld, Konzentration und viel Kraft.
Trotz der Einschränkungen hofft Pomiersky auf weitere Fortschritte.
Wer an Zecken denkt, verbindet die kleinen Tiere häufig mit sommerlichen Spaziergängen durch Wälder und Wiesen.
Tatsächlich richtet sich ihre Aktivität jedoch weniger nach dem Kalender als nach den Temperaturen und der Feuchtigkeit.
Gerade milde Herbsttage bieten Zecken weiterhin geeignete Bedingungen. Sie können in hohem Gras, an Waldrändern, in Gebüschen und auch in Gärten vorkommen.
Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die größte Zeckenaktivität häufig im Frühjahr und Herbst beobachtet wird.
Deshalb lohnt es sich, auch im Oktober und November auf ausreichenden Schutz zu achten.
Für die Menschen auf Föhr, Amrum und dem nordfriesischen Festland ist eine regionale Einordnung wichtig.
Nach der FSME-Risikokarte des Robert Koch-Instituts für 2026 gehört Schleswig-Holstein derzeit nicht zu den ausgewiesenen FSME-Risikogebieten. Auch der Kreis Nordfriesland ist nicht entsprechend eingestuft.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Zecken auf Föhr oder in anderen Teilen Schleswig-Holsteins grundsätzlich ungefährlich sind.
Einzelne FSME-Erkrankungen können auch außerhalb der offiziell ausgewiesenen Risikogebiete auftreten. Zudem können Zecken in ganz Deutschland Borreliose übertragen.
Wer regelmäßig in der Natur unterwegs ist oder Reisen in FSME-Risikogebiete plant, sollte deshalb die persönliche Gefährdung mit einer Arztpraxis besprechen.
Obwohl beide Krankheiten durch Zecken übertragen werden können, gibt es einen wichtigen Unterschied.
FSME wird durch Viren ausgelöst. Gegen die Erkrankung steht eine Schutzimpfung zur Verfügung, eine gezielte antivirale Therapie dagegen nicht.
Borreliose wird durch Bakterien verursacht. Sie kann mit Antibiotika behandelt werden, eine zugelassene Schutzimpfung für Menschen gibt es in Deutschland bislang nicht.
Ein mögliches Anzeichen einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte. Dabei bildet sich Tage bis Wochen nach einem Zeckenstich eine sich ausbreitende Hautrötung. Sie muss allerdings nicht bei jeder Infektion auftreten.
Wichtig ist deshalb, nach einem Zeckenstich sowohl die Einstichstelle als auch mögliche Beschwerden im Blick zu behalten.
Der zuverlässigste vorbeugende Schutz gegen FSME ist die Impfung.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie insbesondere Menschen, die sich in ausgewiesenen FSME-Risikogebieten aufhalten und dort mit Zecken in Kontakt kommen können. Das gilt beispielsweise bei Wanderungen, Gartenarbeiten oder beruflichen Tätigkeiten im Freien.
Auch bei Reisen in Risikogebiete im Ausland kann eine Impfung sinnvoll sein.
Für die reguläre Grundimmunisierung sind normalerweise drei Impfungen vorgesehen. Abhängig vom Alter und dem verwendeten Impfstoff sind anschließend Auffrischungen erforderlich.
Bei Dr. Pomiersky war die Impfserie zum Zeitpunkt seiner Infektion noch nicht abgeschlossen.
Heute möchte er andere Menschen dafür sensibilisieren, das Risiko ernst zu nehmen und sich rechtzeitig ärztlich beraten zu lassen.
„Ich kann Sie nur bitten, zu ihrem Hausarzt zu gehen, sich von ihm adäquat beraten lassen.“
Dass eine FSME-Erkrankung sein Leben einmal so grundlegend verändern könnte, hätte er selbst nicht erwartet.
Unabhängig davon, ob eine Region als FSME-Risikogebiet gilt, können einige einfache Maßnahmen helfen, Zeckenstiche zu vermeiden.
Geschlossene Kleidung tragen: Lange Hosen, festes Schuhwerk und möglichst geschlossene Kleidung erschweren Zecken den Zugang zur Haut.
Auf den Wegen bleiben: Besonders hohes Gras, dichtes Unterholz und bewachsene Wegränder können Zecken beherbergen.
Zeckenschutzmittel verwenden: Geeignete Repellents können das Stichrisiko zeitweise reduzieren. Die Anwendungshinweise sollten beachtet werden.
Den Körper absuchen: Nach Aufenthalten im Grünen besonders Kniekehlen, Achselhöhlen, Leisten, Hautfalten und den Haaransatz kontrollieren.
Zecken schnell entfernen: Eine festgesaugte Zecke möglichst hautnah mit einer feinen Pinzette oder Zeckenkarte greifen und langsam herausziehen. Anschließend die Stelle beobachten.
Bei Beschwerden ärztlichen Rat suchen: Fieber, starke Kopfschmerzen, eine sich ausbreitende Hautrötung oder andere ungewöhnliche Symptome nach einem Zeckenstich sollten medizinisch abgeklärt werden.
Bei schweren neurologischen Symptomen wie Lähmungen, Bewusstseinsstörungen oder ausgeprägten Schluckbeschwerden ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich.
Für Dr. Christian Pomiersky ist FSME keine abstrakte Erkrankung, sondern eine Erfahrung, die sein gesamtes Leben verändert hat.
Seine Geschichte macht deutlich, welche schweren Folgen eine Infektion in seltenen Fällen haben kann. Gleichzeitig zeigt sie, wie wichtig medizinische Vorsorge, rechtzeitige Information und eine individuelle Impfberatung sind.
Auch wenn Föhr und Schleswig-Holstein derzeit nicht zu den ausgewiesenen FSME-Risikogebieten gehören, bleibt der Schutz vor Zecken sinnvoll – im Sommer ebenso wie an milden Herbsttagen.
Weitere Informationen: Robert Koch-Institut unter www.rki.de/fsme sowie www.zecken.de.

Medien, Technik & Redaktion | Inselradio Föhr
Peter Sikoll ist Medienmacher, DJ und Moderator mit jahrzehntelanger Erfahrung. Bei Inselradio Föhr verantwortet er die technische und digitale Weiterentwicklung, betreut Website und App und unterstützt Marketing und Redaktion. Mit kreativen Ideen und modernen Medienlösungen arbeitet er daran, das Inselleben auf Föhr digital erlebbar zu machen.
Geschrieben von: admin
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Anja Lorenz am Oktober 27, 2026
Sehr informativ geschrieben Herr Sikoll. Wir würden auch gerne mehr von Ihnen lesen und hören
admin am Oktober 27, 2026
Vielen Dank für dieses Lob. Als kleine Hintergrundinfo. Sie lesen jeden Tag von „mir“, indem Sie die Webseite besuchen. Mir obliegt die Gestaltung und Programmierung der Internetseite.