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Sternekoch Tom Elstermeyer bei den letzten Vorbereitungen in der Küche des Restaurants Namine Witt in Nieblum. Für das Schleswig-Holstein Gourmet Festival richtete er seine Kreationen mit viel Liebe zum Detail an. Foto: Stefan Gaul
Ein Sternekoch, zwei besondere Gourmetabende und eine Insel als kulinarische Inspirationsquelle: Am 16. und 17. Oktober war Spitzenkoch Tom Elstermeyer im Rahmen des Schleswig-Holstein Gourmet Festivals zu Gast im Restaurant Namine Witt in Nieblum. Für sein Menü ließ sich der Küchenchef des mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants „iko“ in Osnabrück von der Landschaft Föhrs inspirieren. Kurz vor seinem ersten Auftritt sprach er mit unserer Redaktion über seine außergewöhnliche Küche, prägende Begegnungen mit bekannten Fernsehköchen und darüber, warum ein Restaurantbesuch manchmal wie ein Theaterstück sein sollte.
Für Tom Elstermeyer war es eine Premiere: Zum ersten Mal besuchte der Sternekoch die Nordseeinsel Föhr – und zeigte sich schon vor seinem ersten Gourmetabend begeistert. „Es ist wirklich sehr schön, sehr malerisch und wir haben schon tolle Momente gehabt hier auf der Insel“, erzählte er im Gespräch. Bereits die Fährüberfahrt habe für Entspannung gesorgt. Nach der langen Anreise sei es angenehm gewesen, das Steuer dem Kapitän zu überlassen und die Nordsee auf sich wirken zu lassen.
Dass der Küchenchef aus Osnabrück ausgerechnet im Restaurant Namine Witt in Nieblum landete, hatte einen besonderen Hintergrund. Die Gastgeber waren durch die WDR-Dokumentation „Am Pass“ auf ihn aufmerksam geworden und hatten ihn daraufhin als Gastkoch eingeladen. Für die beiden Abende des Schleswig-Holstein Gourmet Festivals brachte Elstermeyer nicht einfach Gerichte aus seinem eigenen Restaurant mit. Vielmehr wollte er die Besonderheiten der Insel in seiner Küche aufgreifen.
„Mir ist immer wichtig, dass, wenn man so eine Veranstaltung macht, man auch Bezug nimmt zu dem Ort, an dem man ist“, erklärte Elstermeyer. Deshalb beschäftigte er sich im Vorfeld intensiv mit Föhr und seiner Landschaft. Die Priele im Wattenmeer, das Zusammenspiel von Ebbe und Flut, die Salzwiesen und das Goting-Kliff lieferten ihm Ideen für sein Menü. Auch die besondere Atmosphäre der Insel, etwa wenn sie am frühen Morgen erwacht, wollte er kulinarisch aufgreifen.
Seinen Kochstil bezeichnet der Sternekoch selbst als „multisensorisch“. Es gehe ihm nicht allein um Geschmack und Zutaten, sondern um ein Gesamterlebnis, bei dem Umgebung, Stimmung und unterschiedliche Sinneseindrücke zusammenkommen. Ein Gericht müsse zum jeweiligen Ort passen. Einfach überall dieselben Kreationen zu servieren, entspreche nicht seiner Vorstellung von außergewöhnlicher Gastronomie.
Damit in der fremden Küche möglichst alles funktionierte, reiste Elstermeyer mit sorgfältigen Vorbereitungen und umfangreichen Packlisten an. Vieles wurde bereits im eigenen Restaurant vorbereitet, während die letzten Arbeitsschritte gemeinsam mit dem Team vor Ort erfolgten.
Seine kulinarische Handschrift entwickelte Elstermeyer über viele Jahre in verschiedenen europäischen Spitzenrestaurants. Besonders nachhaltig geprägt habe ihn die Zusammenarbeit mit dem portugiesischen Sternekoch Nuno Mendes im Londoner Restaurant „Viajante“. Dort arbeiteten Menschen aus 24 Nationen zusammen. Diese internationale Vielfalt eröffnete ihm völlig neue Perspektiven auf das Kochen. Nach dieser Zeit sei für ihn nichts mehr so gewesen wie zuvor.
Auch die Zusammenarbeit mit den bekannten Fernsehköchen Christian Rach und Frank Rosin hinterließ bleibende Eindrücke. Im Hamburger „Tafelhaus“ von Rach lernte Elstermeyer nicht nur kulinarisch viel, sondern auch über einen wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitern. Bis heute gehört deshalb im eigenen Restaurant ein gemeinsames, ordentlich zubereitetes Abendessen für das Team zum Arbeitsalltag. Auch Rosin habe er abseits der Fernsehkameras als einfühlsamen und fairen Menschen erlebt.
Seit 2023 trägt Elstermeyers Restaurant „iko“ in Osnabrück einen Michelin-Stern. An den Moment, als er erstmals von der bevorstehenden Auszeichnung erfuhr, erinnert er sich noch genau. Er saß allein beim Frühstück im Restaurant, kontrollierte nebenbei die Reservierungen und ärgerte sich gerade über eine Absage. Dann entdeckte er eine weitere E-Mail – diesmal von Michelin.
Kurzerhand legte er sein Brot mit Spiegelei beiseite und öffnete die Nachricht. Darin befand sich die Einladung zur Verleihung. Die Freude war entsprechend groß. Der Stern sei vor allem eine besondere Wertschätzung für die gemeinsame Arbeit des Teams gewesen. Gleichzeitig habe die Auszeichnung neue Gäste auf das Restaurant aufmerksam gemacht.
Doch was macht Sterneküche eigentlich aus? Elstermeyer wünscht sich Besucher, die neugierig und experimentierfreudig sind. Sie sollten „mit dem Herzen eines Kindes“ kommen, scherzte er, allerdings „mit dem Portemonnaie eines Erwachsenen“.
Ein gelungenes Menü vergleicht er mit einem Theaterstück oder einem guten Film. Vom ersten Empfang über die einzelnen Gänge bis zum Abschluss entwickle sich eine Dramaturgie, die überraschen, unterhalten und Gesprächsstoff liefern solle.
Wie weit Elstermeyers Kreativität reicht, zeigt sich auch abseits des Herdes. Weil er für manche Gerichte kein passendes Geschirr fand, begann er kurzerhand selbst Keramik herzustellen. Die ersten Erfahrungen sammelte er bei einem Töpferkurs in einer integrativen Werkstatt in Berlin. Vieles brachte er sich anschließend eigenständig bei.
Heute entstehen so ungewöhnliche Gefäße, die selbst Teil des kulinarischen Erlebnisses werden. Manchmal müssen Gäste darin sogar erst nach ihrem Essen suchen. Seit Anfang 2026 betreibt das Team außerdem einen eigenen Garten, in dem Gemüse angebaut wird. Auch das eröffnet Elstermeyer neue kreative Möglichkeiten.
Vor seinem ersten Gourmetabend in Nieblum war der erfahrene Sternekoch durchaus aufgeregt – allerdings im positiven Sinne. Er freute sich auf die Gäste, die Zusammenarbeit mit dem Küchenteam und die kleinen Herausforderungen, die jeder Abend mit sich bringt.
Sein Wunsch für die beiden Veranstaltungen auf Föhr war klar: Die Gäste sollten das Restaurant mit dem Gefühl verlassen, etwas erlebt zu haben, das ihnen so noch nicht begegnet war. Dabei müsse nicht jedem alles gleichermaßen gefallen. Entscheidend sei vielmehr, mit neuen Eindrücken und vielleicht auch der einen oder anderen Überraschung nach Hause zu gehen.
Für Elstermeyer ist Sterneküche damit weit mehr als außergewöhnliches Essen: Sie soll Geschichten erzählen, Emotionen wecken und in Erinnerung bleiben. Auf Föhr lieferte ihm dafür die Insel selbst die Inspiration.

Reporter & Redaktion | Inselradio Föhr
Stefan Gaul ist mit Mikrofon, Kamera und Notizblock auf Föhr unterwegs. Als Gründer und Betreiber vom Inselradio Föhr berichtet er als Radiomoderator und Reporter über das Leben auf der Insel. Besonders am Herzen liegen ihm die Menschen und ihre Geschichten – von den kleinen Momenten des Alltags bis zu den großen Themen, die Föhr bewegen. Ein besonderes Interesse gilt auch der Blaulichtberichterstattung und der Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Seit 2026 schreibt er als freier Mitarbeiter für den Insel-Boten. Er ist überzeugt, dass sich durch die journalistische Zusammenarbeit noch aktueller und vielfältiger über das Geschehen auf den Inseln berichten lässt.
Geschrieben von: admin
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todayNovember 6, 2026 364 128
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