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FDP-Landtagskandidat Broder Söhl im Strandkorb am Wyker Hafen. Im Gespräch äußerte er sich zur Zukunft der Inselklinik Föhr-Amrum und zu weiteren politischen Herausforderungen der Inselregion. Foto: Stefan Gaul
Die geplante Umstrukturierung der Inselklinik Föhr-Amrum bereitet auch Broder Söhl Sorgen. Der FDP-Landtagskandidat befürchtet zusätzliche Risiken für die Notfallversorgung und eine langfristige Schwächung des Klinikstandorts. Im Strandkorbgespräch mit unserer Redaktion fordert er, Ausnahmen für Inselregionen zu prüfen, und verspricht Unterstützung beim Einsatz für die Notaufnahme. Auch bezahlbarer Wohnraum, ambulante Pflege und die wirtschaftliche Zukunft der Westküste waren Thema.
Ein politisches Gespräch in entspannter Atmosphäre: Bei seinem Besuch auf Föhr nahm Broder Söhl, Mitglied des FDP-Landesvorstands und Kandidat für die Landtagswahl 2027, im Strandkorb am Wyker Hafen Platz. Anlass seiner Reise war der Bezirksparteitag der FDP Föhr-Amrum, bei dem auch Vorstandswahlen stattfanden. Sybille Rotermund wurde als Vorsitzende bestätigt, ebenso Kai Lehmann als Schatzmeister und Klaus Pott als Schriftführer. Neu im Vorstand sind der stellvertretende Vorsitzende Wolfgang Laube aus Nieblum sowie die Beisitzer Silke Jensen aus Alkersum und Ocke Pinks aus Wyk. Söhl wollte bei seinem Besuch vor allem erfahren, welche Themen die Insulaner beschäftigen. Als Festländer sei es wichtig, die besonderen Lebensbedingungen kennenzulernen.
Eine der größten Herausforderungen sieht Söhl beim bezahlbaren Wohnraum. Hohe Mieten und zusätzliche Baukosten erschwerten es, Fachkräfte auf die Insel zu holen und dauerhaft zu halten. Er fordert weniger bürokratische Vorgaben beim Bauen und mehr Planungssicherheit für Investitionen. Eng damit verbunden sei die ambulante Pflege. Viele ältere Menschen wollten möglichst lange in ihrem gewohnten Zuhause leben. Dafür brauche es ausreichend Pflegekräfte, die sich das Leben auf Föhr leisten könnten. Neben den Wohnkosten erschwerten Fachkräftemangel und Verwaltungsaufwand die Arbeit der Pflegedienste. Söhl plädiert deshalb für Bürokratieabbau, damit Beschäftigte mehr Zeit für die Betreuung hätten.
Deutlich ernster wurde das Gespräch bei der Zukunft der Inselklinik Föhr-Amrum. Die vorgesehene Umwandlung in einen sektorenübergreifenden Versorger ab 2028 und der mögliche Verlust der bisherigen Notaufnahme bereiten Söhl erhebliche Sorgen. Gerade bei Sturm oder anderen widrigen Wetterbedingungen könnten Rettungshubschrauber nicht immer eingesetzt werden. Wenn gleichzeitig medizinische Leistungen auf der Insel wegfielen, entstünden zusätzliche Risiken für die Bevölkerung. „Das finde ich wirklich schlecht. Und wir sollten da auf jeden Fall gemeinsam daran arbeiten, dass das nicht passiert“, erklärte der FDP-Politiker.
Söhl befürchtet außerdem, dass die Umstrukturierung ein erster Schritt zu einer langfristigen Schwächung oder sogar Aufgabe des Klinikstandorts sein könnte. Dabei handelt es sich ausdrücklich um seine persönliche Sorge, nicht um eine feststehende Entwicklung. Er kritisierte, dass bei der Krankenhausreform unter dem damaligen Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach die Besonderheiten ländlicher Regionen zu wenig berücksichtigt worden seien. Während in Ballungsräumen mehrere Krankenhäuser vergleichbare Leistungen anbieten könnten, sei eine Inselklinik oftmals die einzige unmittelbar erreichbare Anlaufstelle.
Deshalb fordert Söhl, Ausnahmeregelungen für Inselregionen zu prüfen und Entscheidungen stärker an den örtlichen Gegebenheiten auszurichten. Eine solche Lösung könne allerdings kein einzelner Abgeordneter durchsetzen. Dafür brauche es ein breites, parteiübergreifendes Bündnis. Ausdrücklich begrüßte er die einstimmige Resolution der Wyker Stadtvertretung für den Erhalt der Notaufnahme und die Protestbewegung auf Föhr. Die Menschen auf Föhr und Amrum ermutigte er, sich weiterhin öffentlich für ihre medizinische Versorgung einzusetzen.
Auch die besondere Situation Amrums spielte im Gespräch eine Rolle. Patienten der Nachbarinsel werden ebenfalls in der Wyker Klinik behandelt. Ein weiterer Abbau medizinischer Leistungen könnte deshalb zusätzliche Transporte zum Festland erforderlich machen. Söhl stellte infrage, ob eine stärkere Abhängigkeit von Rettungshubschraubern tatsächlich wirtschaftliche Vorteile bringen würde. Sollten die Flugbewegungen erheblich zunehmen, müssten möglicherweise zusätzliche Kapazitäten einschließlich Personal geschaffen werden. „Dann haben wir dieses Personalproblem, das wir hier in der Klinik haben, eigentlich nur ans Land geschoben“, sagte er. Belastbare Berechnungen zu möglichen Mehrkosten oder zusätzlichen Einsätzen liegen ihm allerdings nicht vor.
Bei der politischen Verantwortung sieht Söhl sowohl den Bund als auch das Land in der Pflicht. Auf Bundesebene müsse insbesondere die Finanzierung der Notaufnahmen verbessert werden. Zugleich kritisierte er die Haushaltspolitik der schleswig-holsteinischen Landesregierung. Durch aus seiner Sicht kostspielige Fehlentscheidungen, etwa im Zusammenhang mit Northvolt, seien finanzielle Handlungsspielräume verloren gegangen. Das Land müsse sich wieder stärker auf seine Kernaufgaben konzentrieren. Dazu zählt Söhl neben Bildung, Infrastruktur und Sicherheit ausdrücklich die gesundheitliche Versorgung.
Auf die Frage, was er selbst konkret unternehmen wolle, verwies Söhl auf bereits bestehende Aktivitäten innerhalb seiner Partei. Die Föhrer FDP-Vorsitzende Sybille Rotermund habe sich für die Inselklinik eingesetzt und Landtagsabgeordnete informiert. Er selbst wolle das Thema erneut in den FDP-Landesvorstand tragen. Sollte er 2027 in den Landtag gewählt werden, werde die medizinische Versorgung der Inseln für ihn eine wichtige Aufgabe. Politische Entscheidungen dürften nicht ausschließlich aus der Perspektive Kiels getroffen werden.
Neben der Krankenhausfrage sprach Söhl über die wirtschaftlichen Chancen Schleswig-Holsteins. Insbesondere die erneuerbaren Energien böten der Westküste großes Potenzial. Kritisch sieht er die Strompreisgestaltung und die regional unterschiedlichen Netzentgelte. Schleswig-Holstein produziere viel Strom, profitiere nach seiner Einschätzung aber nicht ausreichend von den Standortvorteilen. Er möchte sich deshalb dafür einsetzen, dass das Land auf Bundesebene entsprechende Änderungen unterstützt.
Auch die Landesplanung müsse nach seiner Ansicht überarbeitet werden. Kleinere Gemeinden sollten mehr Möglichkeiten erhalten, neue Wohngebiete auszuweisen und sich weiterzuentwickeln. Andernfalls werde es schwieriger, junge Menschen und Familien in der Region zu halten. Einen weiteren Schwerpunkt setzt Söhl bei der Bildung. Schleswig-Holstein müsse sich stärker an leistungsfähigen Bildungssystemen orientieren und sowohl Schulen als auch die berufliche Ausbildung verbessern. Als ausgebildeter Groß- und Außenhandelskaufmann betonte er ausdrücklich die Bedeutung des Handwerks und der Berufsschulen.
Zum Abschluss kehrte das Gespräch zu den besonderen Interessen der Inseln zurück. Söhl räumte ein, dass Föhr und Amrum aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Bevölkerungszahl in der Landespolitik leicht aus dem Blick geraten könnten. Gerade deshalb müssten ihre besonderen Anforderungen bei Tourismus, Verkehr und medizinischer Versorgung stärker berücksichtigt werden. „Ich will eine starke Stimme für die Westküste sein. Und dazu gehören natürlich auch die Inseln“, erklärte er.
Auf die abschließende Frage, woran ihn die Menschen auf Föhr und Amrum künftig messen dürften, gab Söhl ein persönliches Versprechen: „Ich werde euch auf jeden Fall begleiten bei eurem Einsatz hier für das Klinikum und für die Notaufnahme.“ Sollte er in den Landtag einziehen, wolle er sich mit vollem Einsatz dafür starkmachen, dass die Anliegen der Inseln nicht untergingen. Von den bislang vorgeschlagenen Lösungen der schwarz-grünen Landesregierung zeigte er sich nicht überzeugt. Eine Garantie für den Erhalt der bisherigen Notaufnahme konnte er nicht geben. Seine politische Unterstützung für dieses Ziel sagte er jedoch ausdrücklich zu.

Reporter & Redaktion | Inselradio Föhr
Stefan Gaul ist mit Mikrofon, Kamera und Notizblock auf Föhr unterwegs. Als Gründer und Betreiber vom Inselradio Föhr berichtet er als Radiomoderator und Reporter über das Leben auf der Insel. Besonders am Herzen liegen ihm die Menschen und ihre Geschichten – von den kleinen Momenten des Alltags bis zu den großen Themen, die Föhr bewegen. Ein besonderes Interesse gilt auch der Blaulichtberichterstattung und der Arbeit von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Seit 2026 schreibt er als freier Mitarbeiter für den Insel-Boten. Er ist überzeugt, dass sich durch die journalistische Zusammenarbeit noch aktueller und vielfältiger über das Geschehen auf den Inseln berichten lässt.
Geschrieben von: admin
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SusanneHeide am November 7, 2026
Wir haben uns alle drei Kandidaten angehört und würden unser Kreuz bei Herrn Söhl machen