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todaySeptember 18, 2026 19 13 5
Zehn Tage, 42 Veranstaltungen und mehr als 2.000 Besucherinnen und Besucher: Föhr erLesen zieht nach seiner sechsten Ausgabe eine positive Bilanz.
Zehn Tage Literatur, 42 Veranstaltungen und mehr als 2.000 Besucher: Föhr erLesen 2026 ist zu Ende gegangen. Die sechste Ausgabe brachte Lesungen, Musik, Wettbewerbe und besondere Veranstaltungsorte auf der ganzen Insel zusammen.
Zehn Tage, 42 Veranstaltungen an ganz unterschiedlichen Orten und mehr als 2.000 Besucherinnen und Besucher: Föhr erLesen hat seine sechste Ausgabe mit einer positiven Bilanz beendet. Vom 4. bis 13. September stand die Insel unter dem Motto „GEZEITEN – Alles hat seine Zeit“ ganz im Zeichen der Literatur. Doch wer dabei ausschließlich an klassische Autorenlesungen mit Buch und Mikrofon denkt, beschreibt das Festival inzwischen nur noch teilweise. Literatur traf in diesem Jahr auf Musik, Natur und Wissenschaft, Veranstaltungen wanderten vom Kurgartensaal hinaus in die Dörfer, ins Museum, in einen Linienbus und unter den Sternenhimmel. Gleichzeitig wurden Nachwuchsschreiber ausgezeichnet und erstmals auch friesischsprachige Texte mit einem eigenen Preis gewürdigt.
Damit ist Föhr erLesen sechs Jahre nach seiner Premiere zu einem Format geworden, das sich über die gesamte Insel verteilt und Einheimische ebenso erreichen möchte wie Urlaubsgäste. Zu den diesjährigen Gästen gehörten unter anderem Beatrix Gerstberger, Detlef Jens, Gertrude von Holdt, Andrea Paluch, Florian Knöppler, Micaela Jary und Mona Harry sowie Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz. Die Bandbreite reichte von Romanlesungen und Krimis über Gespräche und Musikformate bis hin zu Sternenwanderungen und literarischen Begegnungen.
Gerade die unterschiedlichen Schauplätze gehören mittlerweile zum Konzept der Föhrer Buchtage. Veranstaltungen fanden nicht ausschließlich im Wyker Kurgartensaal statt, sondern auch im Museum und in verschiedenen Inseldörfern. Gesa Hering las beispielsweise während einer Fahrt in einem Linienbus der W.D.R., andere Formate verbanden Literatur mit Musik oder dem Blick in den Sternenhimmel. Auf diese Weise soll Literatur nicht als isoliertes Kulturangebot präsentiert werden, sondern mit Orten, Geschichten und Besonderheiten Föhrs zusammenkommen.
Für Simone Welzien, Finanzverantwortliche bei Föhr erLesen, liegt darin ein wesentlicher Grund dafür, dass viele Gäste inzwischen wiederholt Veranstaltungen des Festivals besuchen. „Viele Besucherinnen kommen jedes Jahr wieder, weil sie die besondere Verbindung von Literatur und Insel schätzen.“ Föhr sei dabei nicht lediglich Kulisse. „Sie erleben Föhr nicht nur als Urlaubsort, sondern als kulturellen Raum mit einer eigenen Atmosphäre, eigenen Geschichten und einer wachsenden Vielfalt an Begegnungen.“
Diese Entwicklung entsteht nach Angaben der Organisatoren zunehmend gemeinsam mit Menschen und Einrichtungen auf der Insel. Das Festival versteht sich ausdrücklich nicht als abgeschlossenes Einzelprojekt. Institutionen, Vereine und Einrichtungen entwickeln gemeinsam neue Ideen und Formate. Genau darin sieht Welzien eine Stärke des Konzepts: „Das Schöne ist, dass wir voneinander lernen, uns gegenseitig inspirieren und gemeinsam immer wieder neue Formate möglich machen. Genau diese Offenheit möchten wir weitertragen.“
Wie unterschiedlich die Geschichten sein können, die während dieser zehn Tage auf Föhr zusammenkommen, zeigte auch das diesjährige Programm. Bestsellerautorin Micaela Jary nahm ihr Publikum mit ihrem historischen Roman „Der Sommer der Inseltöchter“ mit zurück in das Jahr 1843. Unsere Redaktion hatte kurz vor ihrer Lesung Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit der Autorin. Dabei ging es unter anderem um eine heute fast überraschend wirkende historische Rollenverteilung: Wyk war bereits seit 1819 Seebad und ein gefragter Ort der Sommerfrische, während Sylt damals noch wesentlich ärmer war und Westerland erst Jahre später zum Seebad wurde. Jary selbst besuchte Föhr anlässlich des Festivals zum ersten Mal, obwohl die Insel in ihrem Roman eine wichtige Rolle spielt.
An anderer Stelle berichteten Alexander Källner und Lovis Wiefelspütz von der „Reise ihres Lebens“, während Mona Harry mit Poetryslam auf der Bühne stand. Hinzu kamen Formate zwischen Sternenhimmel und Klängen sowie weitere Lesungen, Gespräche und Begegnungen. Gerade diese Mischung soll dafür sorgen, dass Föhr erLesen nicht nur Menschen anspricht, die ohnehin regelmäßig zu Literaturveranstaltungen gehen.
Mit inzwischen mehr als 2.000 Gästen bei 42 Veranstaltungen ist das Festival auch aus Sicht der Föhr Tourismus GmbH zu einem festen Bestandteil des Inselangebots geworden. FTG-Geschäftsführer Jochen Gemeinhardt hebt dabei insbesondere die Zusammenarbeit hervor: „Die Föhrer Buchtage sind mittlerweile ein fester Bestandteil des kulturellen Angebots auf der Insel.“ Gleichzeitig sieht er darin ein Beispiel dafür, wie sich kleinere Ideen entwickeln können: „Sie sind ein gelungenes Beispiel für Angebote, die im Kleinen vor Ort starten, dann wachsen und sich zu einem echten Highlight für Einheimische und Gäste entwickeln.“
Zum Festival gehören inzwischen außerdem mehrere Wettbewerbe, mit denen die Freude am eigenen Schreiben gefördert werden soll. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr junge Schreibtalente beim Geschichten-Preis für Föhrer Grundschulkinder, beim Föhrer Lyrikpreis und beim Föhrer Jugendlirikpreis. Erstmals wurde außerdem der Friisk Lüüdrik Priis für friesischsprachige Texte vergeben.
Gerade dieser neue Wettbewerb erweitert die Verbindung zwischen Literatur und Insel noch einmal um einen wichtigen Aspekt: die friesische Sprache. Die zahlreichen Einsendungen wertet das Festivalteam als Zeichen dafür, dass das Interesse am Schreiben und an Sprache auf Föhr keineswegs nur von etablierten Autoren getragen wird. Kinder und Jugendliche werden bewusst einbezogen und bekommen mit den Wettbewerben ihre eigene Plattform. Damit wächst Föhr erLesen nicht allein über prominente Namen oder steigende Besucherzahlen. Auch die Nachwuchsarbeit und die Einbindung der friesischen Sprache gehören mittlerweile zu dem Netzwerk, das sich rund um die Buchtage entwickelt hat.
Dass sich innerhalb von zehn Tagen 42 Veranstaltungen an unterschiedlichen Orten organisieren lassen, ist zugleich eine logistische Aufgabe. Hinter den Buchtagen steht deshalb mittlerweile ein Netzwerk aus Partnern, Unterstützern und ehrenamtlichen Helfern. Einen besonderen Dank richtet das Festival an die Föhr Tourismus GmbH, die Kurverwaltungen in Nieblum und Utersum sowie die zahlreichen weiteren Kooperationspartner und Unterstützer auf der Insel. Hinzu kommen die Menschen, die während der Festivaltage im Hintergrund dafür sorgen, dass Autoren empfangen, Veranstaltungsorte vorbereitet und Besucher betreut werden. Das Team von Föhr erLesen sieht gerade diese Zusammenarbeit als Voraussetzung dafür, ein Programm dieser Größenordnung auf einer Insel umzusetzen.
Und genau darin liegt möglicherweise die entscheidende Entwicklung nach sechs Ausgaben: Föhr erLesen ist nicht einfach größer geworden, sondern stärker auf der Insel verwurzelt. Aus einzelnen Lesungen ist ein zehntägiges Kulturprogramm entstanden, das ungewöhnliche Orte einbezieht, Nachwuchstalente fördert und immer wieder versucht, Literatur mit Föhrer Themen und Geschichten zu verbinden. Mit mehr als 2.000 Besucherinnen und Besuchern und 42 Veranstaltungen endet damit die sechste Ausgabe – und hinterlässt vor allem den Eindruck eines Festivals, das seinen Platz im Föhrer Kulturkalender inzwischen gefunden hat.
Fotos: Stefan Gaul u. Föhr erLesen
Geschrieben von: admin
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