Inselradio Föhr Friesische Karibik für die Ohren
Kein Notfall: „Northern Rescue 01“ trainierte Ende August an der fahrenden MS „Norderaue“, wie medizinisches Personal per Rettungswinde auf ein Schiff gebracht werden kann.
Ein Rettungshubschrauber über der fahrenden MS „Norderaue“ sorgte Ende August für einen ungewöhnlichen Anblick. Ein Notfall war es nicht: Northern Helicopter erklärt dem Inselradio Föhr, was „Northern Rescue 01“ aus St. Peter-Ording auf der WDR-Fähre trainierte.
Ein Rettungshubschrauber unmittelbar über einer fahrenden WDR-Fähre – wer Ende August an Bord der MS „Norderaue“ unterwegs war und das Geschehen beobachtete, hätte zunächst durchaus an einen medizinischen Notfall denken können. Tatsächlich bestand jedoch zu keinem Zeitpunkt Anlass zur Sorge. Der Hubschrauber „Northern Rescue 01“ aus St. Peter-Ording war ganz bewusst zur Fähre gekommen. Gegenüber dem Inselradio Föhr hat Northern Helicopter inzwischen bestätigt, was hinter dem ungewöhnlichen Manöver auf dem Wattenmeer steckte: Trainiert wurde, wie eine medizinische Crew aus der Luft auf ein fahrendes Schiff gebracht werden kann.
Die Trainingseinheit fand Ende August auf der MS „Norderaue“ statt und hatte eine klar umrissene Aufgabe. Northern Helicopter bezeichnet das Geschehen auf Nachfrage unserer Redaktion als „normale Rettungsübung“ beziehungsweise als Trainingseinheit „am Schiff“. Unterwegs war dafür der in St. Peter-Ording stationierte „Northern Rescue 01“. Im Mittelpunkt stand nicht die Evakuierung eines angenommenen Patienten, sondern zunächst der umgekehrte Weg: Medizinisches Personal sollte aus dem Hubschrauber sicher auf das fahrende Schiff gelangen. Genau solche Fähigkeiten können dann von Bedeutung sein, wenn medizinische Hilfe auf See benötigt wird und eine Landung des Hubschraubers nicht möglich ist. Stattdessen kann eine Verbindung zwischen Luftfahrzeug und Schiff über die Rettungswinde hergestellt werden.
Für ein solches Training müssen zwei sehr unterschiedliche Systeme zusammengebracht werden. Auf der einen Seite bewegt sich das Schiff weiter über das Wasser, auf der anderen Seite muss der Hubschrauber seine Position so halten, dass ein sicheres Arbeiten mit der Winde möglich ist. Während einer Übung können die notwendigen Abläufe unter kontrollierten Bedingungen trainiert werden, bevor sie irgendwann möglicherweise in einem realen Einsatz benötigt werden.
Bei dem eingesetzten Hubschrauber handelte es sich um „Northern Rescue 01“ von Northern Helicopter. Der Rettungshubschrauber ist in St. Peter-Ording stationiert und kommt damit aus einer Region, in der Einsätze über der Nordsee und im maritimen Umfeld eine besondere Rolle spielen. Bei der Übung näherte sich der Hubschrauber der MS „Norderaue“ und positionierte sich über dem dafür vorgesehenen Bereich des Schiffes. Anschließend wurde ein Mitglied der medizinischen Crew per Seilwinde auf die Fähre gebracht. Genau dieser Vorgang bildete nach Auskunft des Unternehmens den eigentlichen Schwerpunkt der Trainingseinheit: das sichere Verbringen der medizinischen Besatzung auf ein Schiff, das sich währenddessen weiter in Fahrt befindet. Dass eine solche Fähigkeit im Ernstfall wertvoll sein kann, liegt auf der Hand. Medizinische Notfälle enden schließlich nicht an der Küstenlinie. Kommt es auf einem Schiff zu einer schweren Erkrankung oder Verletzung, kann es Situationen geben, in denen medizinisches Personal möglichst schnell zum Patienten gebracht werden muss. Eine Rettungswinde eröffnet dabei Möglichkeiten, wenn eine direkte Landung nicht infrage kommt.
Eine weitere Besonderheit hat Northern Helicopter unserer Redaktion ebenfalls bestätigt. Solche Trainingseinheiten werden demnach normalerweise deutlich weniger publikumswirksam durchgeführt. Dass diesmal zahlreiche Fahrgäste der regulären Fährverbindung das Geschehen aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnten, war kein Zufall. „Im Normalfall trainieren wir nicht so publikumswirksam“, erklärt Anke Rieckmann, Kommunikations- und Medienbeauftragte von Northern Helicopter, auf Nachfrage des Inselradio Föhr. Diese Trainingseinheit sei in Zusammenarbeit mit einem Journalisten durchgeführt worden, der sich an Bord der Fähre befand. Damit erklärt sich auch, weshalb das Manöver diesmal nicht irgendwo weitgehend unbeobachtet stattfand, sondern während einer regulären Überfahrt der MS „Norderaue“. Für die Passagiere ergab sich dadurch ein eher seltener Einblick in einen Bereich der Luftrettung, den Außenstehende normalerweise kaum aus dieser Nähe erleben.
Auch wenn Ende August kein Mensch an Bord der „Norderaue“ tatsächlich medizinische Hilfe benötigte, steckt hinter solchen Trainingseinheiten ein ernstes Szenario. Muss medizinisches Personal auf ein Schiff gelangen, das nicht ohne Weiteres einen Hafen erreichen kann oder bei dem schnelle Hilfe notwendig ist, müssen die Beteiligten auf Abläufe zurückgreifen können, die zuvor trainiert wurden. Gerade das Arbeiten mit einer Rettungswinde unterscheidet sich deutlich von einem klassischen Einsatz, bei dem ein Hubschrauber auf festem Untergrund landet. Über dem Wasser fehlt diese Möglichkeit häufig. Hinzu kommen die Bewegungen des Schiffes sowie Wind und Wetter. Umso wichtiger ist es, dass Besatzungen die Zusammenarbeit zwischen Hubschrauber und Schiff praktisch üben können.
Für die Fahrgäste der MS „Norderaue“ bedeutete die Fahrt Ende August deshalb vor allem einen ungewöhnlichen Blick hinter die Kulissen der maritimen Luftrettung. Was von Deck aus durchaus wie ein realer Rettungseinsatz wirken konnte, war in Wirklichkeit eine vorbereitete Trainingseinheit. Und das eigentliche Ziel lässt sich deutlich unspektakulärer zusammenfassen, als es der Anblick über dem Wattenmeer vermuten ließ: Northern Rescue 01 trainierte, seine medizinische Crew sicher auf ein fahrendes Schiff zu bringen.
Fotos: Stefan Gaul u. NHC Northern Helicopter
Geschrieben von: admin
Föhr Luftrettung maritime Rettung MS Norderaue Northern Helicopter Northern Rescue 01 Rettungshubschrauber Rettungsübung Seilwinde St. Peter-Ording Wattenmeer WDR Wyker Dampfschiffs-Reederei
todaySeptember 18, 2026 19 13
todaySeptember 17, 2026 111 79
Ob Hammer oder Papier, Werkstatt oder Büro – wir begleiten euch mit guter Musik durch den Arbeitstag und schaffen kleine Urlaubsinseln für die Ohren.
close
Beitrags-Kommentare (0)