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475.000 Kubikmeter zusätzlicher Sand sollen die Föhrer Südküste bei Nieblum und Goting für die kommenden Jahre gegen Erosion, Wellen und Sturmfluten stärken.
Die große Sandaufspülung an Föhrs Südküste ist abgeschlossen. Zwischen Nieblum und dem Goting-Kliff wurden seit Mitte Mai rund 475.000 Kubikmeter Sand auf drei Kilometern Küste verteilt. Die Küstenschutzmaßnahme kostete rund 12,7 Millionen Euro.
Monatelang waren die Arbeiten an der Föhrer Südküste kaum zu übersehen – jetzt ist eines der größten Küstenschutzprojekte dieses Jahres auf der Insel abgeschlossen. Seit Mitte Mai wurden zwischen Nieblum und dem Goting-Kliff auf einer Strecke von rund drei Kilometern insgesamt 475.000 Kubikmeter Sand aufgespült. Um sich diese gewaltige Menge besser vorstellen zu können: Sie entspricht rechnerisch ungefähr 32.000 gut beladenen Lkw. Rund 12,7 Millionen Euro wurden in die Maßnahme investiert. Entscheidend ist dabei auch der Zeitpunkt: Noch mehrere Wochen vor Beginn der Sturmflutsaison 2026/2027 konnte die Verstärkung der besonders erosionsgefährdeten Südküste fertiggestellt werden.
Der Hintergrund der Arbeiten ist ein natürlicher Prozess, der sich an der Küste Jahr für Jahr bemerkbar macht. Strömung, Wellen und Sturmfluten tragen kontinuierlich Material von der Südküste ab. Nach Angaben des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) gehen dort jährlich rund 62.000 Kubikmeter Sand verloren. Ohne Gegenmaßnahmen würde sich die Küstenlinie deshalb immer weiter verändern. Sandaufspülungen gehören auf Föhr bereits seit 1963 zum Küstenschutz. Statt ausschließlich mit festen Bauwerken gegen die Kräfte der Nordsee vorzugehen, wird verlorenes Material immer wieder durch neuen Sand ersetzt. Auf diese Weise soll vor der bestehenden Küstenlinie ein ausreichend breiter und hoher Sandkörper erhalten werden, der bei starken Wellen und Sturmfluten Energie aufnehmen kann. Ganz verhindern lässt sich die natürliche Erosion dadurch nicht – die Aufspülungen gleichen einen Teil der Verluste jedoch regelmäßig wieder aus.
Gerade zwischen Nieblum und dem Goting-Kliff war die jetzige Maßnahme besonders umfangreich. Dort hatte zuletzt 2012 eine größere Sandaufspülung stattgefunden. Damals wurden rund 262.000 Kubikmeter eingebracht. 14 Jahre später fiel die Menge mit jetzt 475.000 Kubikmetern erheblich größer aus. Aus Sicht des Küstenschutzes war es wichtig, nicht noch länger zu warten. Schreitet die Erosion über einen längeren Zeitraum weiter voran, steigt nicht nur das Risiko für den betroffenen Küstenabschnitt. Auch die später notwendigen Schutzmaßnahmen können erheblich umfangreicher und entsprechend kostspieliger werden. Mit der jetzigen Aufspülung soll die Föhrer Südküste deshalb für die kommenden Jahre wieder deutlich widerstandsfähiger gegenüber Wellen und Sturmfluten sein.
Bevor der Sand schließlich an den Stränden von Föhr landete, hatte er bereits einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Gewonnen wurde das Material im Sandentnahmegebiet „Westerland III“, das etwa zehn Kilometer westlich vor Sylt in der Nordsee liegt. Dort nahm ein Laderaumsaugbagger den Sand aus einer Tiefe von ungefähr 15 Metern auf. Anschließend wurde das Material auf dem Seeweg westlich an Amrum vorbei in Richtung Föhr transportiert. In der Norderaue südlich der Insel begann dann der technisch besonders aufwendige Teil. Von dort führte zunächst eine etwa zwei Kilometer lange Spülleitung durch das Watt. Daran schloss sich eine weitere Rohrstrecke von ungefähr 1,5 Kilometern an Land an. Weil das Sand-Wasser-Gemisch über diese Entfernung nicht ohne zusätzliche Unterstützung transportiert werden konnte, wurde eigens eine Druckerhöhungsstation eingesetzt. Über dieses Leitungssystem gelangten schließlich Hunderttausende Kubikmeter Material bis an die vorgesehenen Strandabschnitte.
Ganz ohne Zwischenfall verlief das Großprojekt allerdings nicht. Im Juni sorgte ein ungewöhnlicher Fund im Watt vor Goting für Aufsehen. Ein Surfer hatte am 11. Juni einen länglichen Gegenstand entdeckt und mit an den Strand genommen. Dort stellte sich heraus, dass es sich um eine Granate aus dem Zweiten Weltkrieg handelte. Der Kampfmittelräumdienst rückte an und sprengte den gefährlichen Fund am 15. Juni kontrolliert am Strand von Goting. Ob die Granate tatsächlich zusammen mit dem vor Sylt gewonnenen Sand in den Bereich vor Föhr gelangte oder bereits vorher dort lag, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Für die umfangreichen Aufspülarbeiten blieb der Vorfall letztlich eine außergewöhnliche Episode innerhalb eines über mehrere Monate laufenden Projekts.
Die Arbeiten beschränkten sich nicht darauf, neuen Sand an die Küste zu bringen. Die Entnahme des Materials in der Nordsee, die Verlegung der Leitungen durch das Wattenmeer und die eigentliche Aufspülung stellen Eingriffe in Natur und Landschaft dar. Im Zusammenhang mit der Maßnahme wurden deshalb auch bestehende Küstenschutzbauwerke zurückgebaut, die heute nicht mehr benötigt werden. An den Strandabschnitten Nieblum-Senke und Grevelingdeich verschwanden jeweils rund 150 Meter lange Buhnen. Insgesamt wurden dabei knapp 3.750 Tonnen Material zurückgebaut. Aus Sicht des Küstenschutzes waren die Bauwerke an diesen Stellen entbehrlich. Damit verändert sich die Küste also nicht nur durch die große Menge zusätzlichen Sandes, sondern gleichzeitig durch den Rückbau alter fester Strukturen.
Insgesamt kostete die diesjährige Sandaufspülung rund 12,7 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt durch das Land Schleswig-Holstein über die Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“. Die Dimension der Investition zeigt zugleich, welchen Stellenwert der Schutz der Inselküsten besitzt. Besonders an sandigen Küstenabschnitten ist Küstenschutz keine einmalige Aufgabe. Der neu aufgespülte Sand bleibt nicht dauerhaft an Ort und Stelle. Auch künftig werden Strömungen, Wellen und Sturmfluten Material verlagern und abtragen. Deshalb wird regelmäßig kontrolliert, wie sich die Küstenlinie entwickelt und wann erneut eingegriffen werden muss.
Für Föhr kommt der Abschluss zu einem wichtigen Zeitpunkt. Die Arbeiten sind beendet, bevor die Monate beginnen, in denen kräftige Herbst- und Winterstürme die Nordseeküste besonders beanspruchen können. Nach mehreren Monaten Baustellenbetrieb liegt zwischen Nieblum und dem Goting-Kliff nun wieder ein deutlich verstärkter Sandkörper vor der Insel. Damit endet ein Küstenschutzprojekt, dessen Dimension am Strand allein möglicherweise nur schwer zu erfassen ist. 475.000 Kubikmeter Sand auf drei Kilometern Küste, rund 32.000 rechnerische Lkw-Ladungen und 12,7 Millionen Euro Investitionsvolumen zeigen jedoch, welcher Aufwand notwendig ist, um den natürlichen Sandverlust an der Föhrer Südküste auszugleichen – und die Insel für kommende Sturmfluten zu stärken.
Fotos: Stefan Gaul
Geschrieben von: admin
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todaySeptember 11, 2026 68 8
Wenn die Insel schläft, sind wir für euch da. Musik, die euch durch die Nacht begleitet.
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