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Nicht nur die Warnsysteme werden am 10. September getestet: Auf Föhr und Amrum beschäftigen sich mehrere Schulen beim ersten landesweiten Aktionstag praktisch mit Evakuierung, Feuerwehr und Katastrophenschutz.
Am 10. September werden auch auf Föhr und Amrum Sirenen und weitere Warnsysteme getestet. Gleichzeitig beteiligen sich mehrere Inselschulen am ersten landesweiten Aktionstag zum Bevölkerungs- und Katastrophenschutz.
Wenn am Donnerstag, 10. September, um 11 Uhr in Nordfriesland die Sirenen aufheulen und zahlreiche Handys gleichzeitig Alarm schlagen, geht es in diesem Jahr nicht allein darum, die Warnsysteme für den Ernstfall zu überprüfen. Erstmals findet in Schleswig-Holstein parallel zum bundesweiten Warntag ein landesweiter Aktionstag zum Bevölkerungs- und Katastrophenschutz an Schulen statt. Auch auf Föhr und Amrum wird aus dem Warntag deshalb ein ganz praktischer Unterrichtstag. Die Eilun Feer Skuul in Wyk, die Rüm-Hart-Schule und die Öömrang Skuul in Nebel beteiligen sich mit unterschiedlichen Aktionen – von Evakuierungsübungen über Unterricht zum richtigen Verhalten im Notfall bis hin zum Besuch bei der Feuerwehr.
Der Aktionstag soll Kindern und Jugendlichen nicht einfach nur erklären, dass Sirenen unterschiedliche Signale geben können. Ziel ist es vielmehr, altersgerecht zu vermitteln, was im Ernstfall passiert, wie Warnungen richtig eingeordnet werden und wie man sich in außergewöhnlichen Situationen verhalten sollte. Der Kreis Nordfriesland beteiligt sich an dem erstmals landesweit angebotenen Schulaktionstag und hat die Schulen zur Teilnahme aufgerufen. Auf den Inseln wird das Thema dabei auf ganz unterschiedliche Weise umgesetzt.
An der Eilun Feer Skuul in Wyk wird es am Vormittag besonders praktisch. Für 9 Uhr ist eine Evakuierungsübung vorgesehen. Dabei soll das ordnungsgemäße und schnelle Verlassen des Schulgebäudes trainiert werden. Gleichzeitig erhalten die Schülerinnen und Schüler erstmals eine Einweisung in die Fluchtkästen, die bei einer Evakuierung des Gebäudes zum Einsatz kommen. Die Klassenleitungen kündigen die Übung zuvor an. Neu ist außerdem ein digitales Verfahren, das die Schule an diesem Tag erstmals erproben möchte. Mithilfe der Stundenplansoftware „WebUntis“ soll überprüft werden, ob nach einer Räumung tatsächlich alle Schülerinnen und Schüler das Gebäude verlassen haben. Statt ausschließlich mit Papierlisten zu arbeiten, können die Lehrkräfte über das System einzelne Kinder als sicher oder vermisst kennzeichnen und diese Information weitergeben.
Darüber hinaus soll WebUntis als Kommunikationsmöglichkeit zwischen den Lehrkräften getestet werden. Nach der Übung will die Schule auswerten, welche Möglichkeiten die digitale Erfassung bietet, wo ihre Vorteile liegen und an welchen Stellen möglicherweise auch Nachteile gegenüber bisherigen Verfahren bestehen. Der Warntag wird damit an der Eilun Feer Skuul zugleich zu einem Praxistest für einen möglichen digitalen Baustein im schulischen Notfallmanagement.
Auch die Rüm-Hart-Schule in Wyk beteiligt sich am Aktionstag. Unsere Redaktion hatte bei der Schule nachgefragt, wie der 10. September dort gestaltet werden soll. Schulleiter Christoph Steier kündigte an, dass sich die Klassen bereits in den ersten beiden Schulstunden mit passenden Themen und Geschichten beschäftigen werden. Anschließend bleibt es auch dort nicht bei der Theorie. „Zudem führen wir an dem Tag einen Probe- und Evakuierungsalarm mit den Kindern durch“, erklärt Steier gegenüber unserer Redaktion. Die Schule wolle den ersten landesweiten Aktionstag zunächst „in kleinerem Rahmen“ umsetzen. Damit werden auch die jüngeren Schülerinnen und Schüler unmittelbar mit der Frage vertraut gemacht, was zu tun ist, wenn in der Schule tatsächlich ein Alarm ausgelöst wird. Gerade durch die Kombination aus altersgerechter Vorbereitung im Unterricht und anschließender praktischer Übung soll aus einem abstrakten Thema ein nachvollziehbarer Ablauf werden.
Einen wiederum anderen Weg wählt die Öömrang Skuul in Nebel auf Amrum. Dort ist für die Grundschüler ein Besuch bei der Freiwilligen Feuerwehr Süddorf-Steenodde vorgesehen. Wehrführer Tewe Thomas wird den Kindern die Feuerwehr und das Löschfahrzeug vorstellen. Dabei erfahren die Schülerinnen und Schüler auch, welche Aufgaben die Feuerwehr übernimmt und welche Rolle sie im Katastrophenschutz spielt. Mit den älteren Schülerinnen und Schülern plant die Schule gemeinsam mit der Nebeler Feuerwehr einen Feueralarm. Zusätzlich werden kleine Erste-Hilfe-Kurse angeboten. Außerdem soll der bundesweite Warntag selbst zum Unterrichtsthema werden: Die verschiedenen Möglichkeiten, die Bevölkerung zu warnen, werden erklärt und praktisch eingeordnet. Dabei geht es nicht nur um klassische Sirenen. Auch die Frage, warum Vorsorge beispielsweise bei Naturkatastrophen wichtig sein kann, soll behandelt werden. Themen wie Vorräte oder die Sicherstellung der Frischwasserversorgung können dabei ebenfalls eine Rolle spielen. Der Aktionstag verbindet auf Amrum damit Feuerwehr, Erste Hilfe, Warnsysteme und persönliche Vorsorge.
Während die Schulen bereits am Vormittag ihre eigenen Programme durchführen, startet um 11 Uhr der eigentliche bundesweite Warntag. Bund, Länder und Kommunen testen dabei gleichzeitig unterschiedliche Möglichkeiten, die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen. Auch im Kreis Nordfriesland werden die vorhandenen Warnmittel und Alarmabläufe erprobt. Die Sirenen im Kreisgebiet werden von der Leitstelle in Harrislee ausgelöst. Zunächst ist ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton vorgesehen. Im realen Gefahrenfall bedeutet dieses Signal, dass die Bevölkerung weitere Informationen einholen soll – beispielsweise über Radio und Fernsehen oder über eine Warn-App. 45 Minuten später, also gegen 11.45 Uhr, folgt die Entwarnung. Dafür wird ein einminütiger gleichbleibender Dauerton verwendet.
Ein weiteres Sirenensignal gehört dagegen ausdrücklich nicht zum Programm des Warntages: Ein einminütiger, zweimal unterbrochener Heulton dient der Alarmierung der Feuerwehr und soll am 10. September nicht zu Testzwecken ausgelöst werden. Wichtig ist zudem: Wer am Warntag in seiner Ortschaft keine Sirene hört, muss daraus nicht automatisch auf eine technische Störung schließen. Nach Angaben des Kreises verfügen noch nicht alle Gemeinden in Nordfriesland über eine Sirene.
Der bundesweite Warntag soll bewusst nicht von einem einzigen Warnmittel abhängig sein. Ziel ist vielmehr, die Menschen über unterschiedliche Wege zu erreichen. Neben den Sirenen wird deshalb unter anderem die Warn-App NINA eine Probewarnung erhalten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe übermittelt außerdem entsprechende Hinweise an Rundfunksender, Medienunternehmen und digitale Werbetafeln. Eine besonders große Reichweite soll erneut Cell Broadcast erzielen. Dabei wird die Warnmeldung direkt über das Mobilfunknetz an geeignete Mobiltelefone geschickt. Auf vielen Smartphones und auch auf kompatiblen konventionellen Handys wird deshalb am 10. September ein auffälliges Warnsignal zu hören sein. In einer tatsächlichen Gefahrenlage stehen in Nordfriesland weitere Möglichkeiten zur Verfügung. Der Kreis kann beispielsweise über seine Internetseite und seine Social-Media-Kanäle informieren. Je nach Situation könnten zusätzlich Lautsprecherwagen eingesetzt werden.
Der Kreis Nordfriesland weist im Vorfeld außerdem auf einen Aspekt hin, der beim technischen Test leicht in den Hintergrund geraten kann. Laute Sirenensignale können bei manchen Menschen Ängste oder belastende Erinnerungen hervorrufen. Das kann beispielsweise ältere Menschen und Kinder betreffen, aber auch Menschen, die Krieg und Flucht erlebt haben. Deshalb bittet der Kreis darum, Personen im eigenen Umfeld, bei denen die Sirenen entsprechende Reaktionen auslösen könnten, rechtzeitig über den angekündigten Probealarm zu informieren. So lässt sich ein plötzliches Warnsignal am 10. September von vornherein als Übung einordnen.
Dass Schleswig-Holstein den bundesweiten Warntag in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Aktionstag für Schulen verbindet, verfolgt ein langfristigeres Ziel. Kinder und Jugendliche sollen nicht erst dann mit Warnsignalen, Evakuierung und Katastrophenschutz in Berührung kommen, wenn tatsächlich etwas passiert. Der Kreis stellt den Schulen dafür kostenlose Unterrichtsmaterialien für unterschiedliche Jahrgangsstufen zur Verfügung. Diese können sowohl in einzelnen Unterrichtsfächern als auch fächerübergreifend oder während eines Projekttages eingesetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem Arbeitsblätter, Gruppenaufgaben, praktische Übungen und Materialien für Lehrkräfte. Dabei lässt sich Bevölkerungsschutz sogar mit klassischen Unterrichtsfächern verbinden. Im Deutschunterricht könnte beispielsweise eine Radio- oder Lautsprecherdurchsage für einen angenommenen Notfall verfasst werden. Im Physikunterricht können dagegen Sirenen, Warnsysteme oder die Funktionsweise einer Notstromversorgung behandelt werden.
Auf Föhr und Amrum wird am 10. September bereits deutlich, wie unterschiedlich ein solcher Aktionstag aussehen kann: Während an der Eilun Feer Skuul eine komplette Evakuierung samt digitaler Vollständigkeitskontrolle erprobt wird, verbindet die Rüm-Hart-Schule Unterricht mit einem Probealarm. Auf Amrum wiederum stehen Feuerwehr, Erste Hilfe und praktische Katastrophenvorsorge im Mittelpunkt. Und spätestens um 11 Uhr werden Schule und Alltag ohnehin für einen Moment dasselbe Thema haben: Wie erreicht eine Warnung möglichst schnell die Menschen – und wissen wir eigentlich, was anschließend zu tun ist?
Fotos: Stefan Gaul/ki-unterstützt u. Tewe Thomas
Geschrieben von: admin
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todaySeptember 14, 2026 71 23
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